Bundesweit erster Lehrstuhl für Transplantationshepatologie am UKM

Außerdem ist Schmidt, der sechs Jahre als stellvertretender Klinikdirektor an der Charité tätig war, für Organisationsabläufe bei Transplantationen zuständig sowie für die Vor- und Nachsorge der Patienten.

Münster (upm/sh) Die Universität Münster hat 2006 den bundesweit einzigen Lehrstuhl für Transplantationshepatologie (Die Lehre von der Lebertransplantation) am Universitätsklinikum Münster (UKM) eingerichtet. Der Inhaber, Professor Dr. Hartmut Schmidt, intensiviert demnächst die Ausbildung für angehende Ärzte: Alle Medizinstudenten durchlaufen dann ein Pflicht-Lehrmodul zum Thema Lebertransplantationen. „Eine Woche lang bekommen die Studenten nicht nur chirurgisches Fachwissen vermittelt, es werden auch ethische, philosophische und juristische Fragen besprochen“, sagt Schmidt.

Dieser Zusatz in der Medizinerausbildung ist ein Novum in Deutschland: Das Thema der speziellen Aspekte der Transplantationshepatologie als auch die interdisziplinären Aspekte der Transplantationsmedizin kamen darin bisher nicht vor. „Dabei ist die Leber das menschliche Organ, das sie meisten Krankheiten hervorrufen kann“, betont er. Und keine Organverpflanzung bedarf so sehr der interdisziplinären Zusammenarbeit wie die der Leber.“

Mittlerweile haben sich die Chancen für Patientinnen und Patienten nach Lebertransplantationen erheblich verbessert. Bisher liegt die Überlebensrate fünf Jahre nach der Organübertragung bei 80 bis 85 Prozent. „Das wollen wir noch weiter steigern“, sagt Schmidt. 13 Lebertransplantationen wurden im Jahr 2004 am UKM durchgeführt, 22 im Jahr darauf und 2006 waren es bereits 37. „Insbesondere die Leistungsausweitung bei den Lebertransplantationen geht auf das Engagement von Professor Schmidt zurück“, erklärte Professor Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor des Klinikums.

Als Lehrstuhlinhaber für Transplantationshepatologie ist Schmidt nicht nur für die Lehre verantwortlich, sondern ist auch für bestimmte Organisationsabläufe bei einer Organverpflanzung sowie die Vor- und Nachsorge der Patienten zuständig. So konnte der 43-jährige Gastroentereologe in den vergangenen Monaten durch innovative interdisziplinäre Konzepte zwei weltweit erstmalig durchgeführte Therapien umsetzen.

In dem einen Fall wandte Schmidt über Monate ein Medikament an, für das der Hersteller nur zwei Wochen Dauer empfiehlt: „Hätten wir diese allerletzte Möglichkeit für den Patienten jedoch nicht ausgeschöpft, wäre er gestorben, während er auf eine neue Leber wartete“, erklärt Schmidt.

In dem anderen Fall 'boxte' er, so Schmidt, bei Eurotransplant eine Leber-Pankreas-Transplantation bei einer angeborenen Eisenstoffwechselstörung des Patienten durch. Eurotransplant ist der Zusammenschluss mehrerer europäischer Länder, der darüber entscheidet, wer auf der Warteliste wann welches Organ bekommt. Bislang hatte diese Koordinationsstelle eine Transplantation in einem so speziellen Fall nicht genehmigt. Schmidt setzte sich dafür ein, dass dieser Patient in Münster dennoch transplantiert werden konnte. Beide Operationen verliefen erfolgreich.

Professor Hartmut Schmidt stammt aus der Nähe von Bremen und hat vier Jahre am National Institute of Health (Washington DC, USA), dem größten medizinischen Forschungsinstitut weltweit, gearbeitet. Bevor der Vater dreier Kinder nach Münster kam, war er sechs Jahre an der Berliner Charité als stellvertretender Klinikdirektor tätig und leitete unter anderem eine Lebertransplantationsambulanz.

Infos zur Organspende und zum deutschlandweit ersten Organspendeausweis in Chipkartenformat unter: http://www.klinikum.uni-muenster.de/organspende oder http://www.nopanicfororganic.de

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Simone Hoffmann idw

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