Die Internationalisierung der deutschen Hochschulen kommt voran

Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD), Professor Dr. Theodor Berchem, und der Leiter der Abteilung „Europäische und Internationale Zusammenarbeit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Min Dir Karsten Brenner, werben anlässlich einer Fachtagung zur Entwicklung von Curricula mit Auslandsbezug am 10. und 11. September 2001 in Würzburg für eine stärkere Internationalisierung von Studiengängen an deutschen Hochschulen.
Sie tun dies vor dem Hintergrund der Erklärungen der europäischen Bildungsminister, die in Bologna 1999 und zuletzt im Mai diesen Jahres in Prag den Hochschulen einen klaren Auftrag zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Bildungs- und Hochschulraums gegeben haben.

BMBF und DAAD unterstützen diese Initiative und versprechen sich davon eine größere Attraktivität des Studien- und Wissenschaftsstandorts Deutschland und eine bessere internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen. Die neuen Angebote umfassen Studienprogramme mit international kompatiblen Studienstrukturen und Abschlüssen wie Bachelor und Master sowie grenzübergreifend entwickelte Studiengänge mit Doppeldiplom. Auf diese Weise sollen deutlich mehr qualifizierte ausländische Studierende und Graduierte für ein Studium oder zur Weiterqualifizierung in Deutschland gewonnen werden. Zudem erhofft man sich Anreize für Auslandsaufenthalte durch einen stärkeren Auslandsbezug der Studiengänge (z.B. Auslandssemester, Auslandspraktikum, internationale Lehrinhalte), da rund 90 Prozent der deutschen Studierenden bisher nicht ins Ausland gehen. Ohne solche Anreize ist das erklärte Ziel von BMBF und DAAD, den Prozentsatz der deutschen Studierenden mit Auslandserfahrung in den kommenden Jahren von zur Zeit 11 auf 20 Prozent zu steigern, kaum zu erreichen.

Zur Entwicklung von curricularen Vorhaben mit Auslandsbezug hat der BMBF bereits vor einigen Jahren die Demonstrationsprogramme „International ausgerichtete Studiengänge“ und „Binationale integrierte Studienprogramme mit Doppeldiplom“ aufgelegt. Um die deutschen Hochschulen für qualifizierte Ausländer attraktiver zu machen, unterstützt zudem das Auswärtige Amt das Programm „Master Plus“ finanziell. In diesen drei vom DAAD verwalteten Förderprogrammen werden im Moment rund 100 Studiengänge mit Auslandsbezug in Deutschland gefördert.

Als Motor der Internationalisierung in Europa gilt seit Jahren das SOKRATES/ERASMUS-Programm der Europäischen Union. Obwohl dieses Programm vor allem durch den europaweiten Studierenden- und Dozentenaustausch bekannt ist, hat die transnationale Entwicklung von gemeinsamen Lehrplänen und Lehrinhalten gerade auch im Kontext der Debatte um den europäischen Hochschulraum einen zunehmend höheren programmpolitischen Stellenwert erhalten. Die deutschen Hochschulen nutzen das SOKRATES/ERASMUS-Programm zur Curriculumentwicklung im europäischen Vergleich bisher eher zurückhaltend und koordinieren im Hochschuljahr 2001/2002 nur 10 (= 9,4%) von europaweit 106 Projekten. Frankreich (20 Projekte), Belgien (16) und das Vereinigte Königreich (14) zeigen sich in diesem Bereich deutlich engagierter.

Trotz einiger positiver Anzeichen für eine zunehmende Internationalisierung der deutschen Lehrangebote an deutschen Hochschulen bleibt somit noch viel zu tun. Die Würzburger Tagung soll vor allem dazu dienen, eine Standortbestimmung vorzunehmen, Beispiele guter Praxis unterschiedlicher Modelle internationaler Studiengänge vorzustellen, mit den anwesenden Experten Entwicklungschancen und Probleme bei der Curriculumentwicklung mit Auslandsbezug zu diskutieren und Empfehlungen für noch nicht beteiligte Hochschulen bzw. Fachbereiche zu formulieren. BMBF und DAAD wollen die Tagung auch nutzen, um für die anstehende nationale Evaluation von SOKRATES/ERASMUS erste Hinweise zu erhalten. Die Ergebnisse der Evaluation, die 2003 der Europäische Kommission vorzulegen sind, werden in die politische Diskussion zur Weiterführung bzw. Neugestaltung des europäischen Bildungsprogramms ab 2006 eingehen.

Für weitere Informationen steht Dr. Siegbert Wuttig (Tel.0228/882349; E-Mail: wuttig@daad.de ) zur Verfügung.

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Melanie Hildebrandt idw

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