Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welthandel wird längerfristig schwächer wachsen

10.01.2014
Der Welthandel ist in den vergangenen Jahren wesentlich schwächer gewachsen als in den Jahren zuvor, 2012 und 2013 sogar mit geringerer Rate als das Welt-BIP.

Nach einer aktuellen RWI-Studie deutet vieles darauf hin, dass diese Wachstumsschwäche neben den konjunkturellen auch langfristig wirkende Ursachen hat; eine könnte ein wieder zunehmender Protektionismus sein.

Zudem haben viele Schwellenländer mittlerweile ein Entwicklungsstadium erreicht, in dem sie importierte Güter durch heimische Produktion ersetzen. Mit einer besseren Konjunktur wird der Welthandel zwar in den kommenden Jahren wieder etwas stärker wachsen, aber wohl nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahre erreichen.

Das Wachstum des Welthandels hat sich in den vergangenen Jahren stark verlangsamt. Während der Welthandel in den Jahren 1991 bis 2000 noch doppelt so schnell wie die Weltindustrieproduktion wuchs, nahm er zwischen 2010 und 2013 mit geringerer Rate als diese zu. Nach einer aktuellen RWI-Studie deutet vieles darauf hin, dass die derzeitige Wachstumsschwäche des Welthandels sowohl konjunkturelle als auch langfristig wirkende Ursachen hat. Zwar dürften die konjunkturellen Faktoren in den kommenden Jahren wieder an Bedeutung verlieren und der Welthandel wieder etwas stärker wachsen. Die langfristig wirkenden Faktoren dürften jedoch dafür sorgen, dass der Welthandel künftig nicht mehr so viel schneller als das Welt-BIP wachsen wird, wie dies in der Vergangenheit der Fall war.

Die voraussichtlich schwächere Entwicklung dieser so genannten „Einkommenselastizität“ des Welthandels, hier verstanden als das Verhältnis der Wachstumsrate von Welthandel und Weltproduktion, hat spürbare Konsequenzen für die kurz- und mittelfristigen Prognosen für die sehr exportorientierte deutsche Wirtschaft. Entsprechend wird künftig bei kurzfristigen Prognosen von einem geringeren Wachstum des Welthandels ausgegangen werden, als man es früher bei vergleichbarem Wirtschaftswachstum erwartet hätte.

Finanz- und Wirtschaftskrise haben den Welthandel geschwächt

Verantwortlich dafür, dass der Welthandel in den vergangenen beiden Jahren deutlich an Tempo verloren hat, ist vor allem die weltweite Wachstumsschwäche nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Hier dürfte insbesondere die Krise im Euro-Raum zu Buche geschlagen haben. Die hohe Arbeitsteilung zwischen den EU-Ländern erhöht deren Beitrag zum Welthandel, während das wirtschaftliche Gewicht der EU in der Welt aufgrund der geringen Größe vieler EU-Mitglieder deutlich niedriger ausfällt. Dementsprechend dürfte die Nachfrageschwäche in vielen Ländern des Euro-Raums den Welthandel stärker gedämpft haben als das Welt-BIP.

Dafür, dass der Welthandel zwischen 1991 und 2000 doppelt so schnell wuchs wie das Welt-BIP, waren vor allem drei Faktoren verantwortlich. Erstens wurde die Liberalisierung des Welthandels in diesem Zeitraum merklich vorangetrieben. Zweitens reduzierten sich die Transportkosten deutlich, so dass in der Folge Produktionsprozesse stärker auf verschiedene Länder verteilt wurden. Diese grenzübergreifenden Herstellungsprozesse erhöhten den Welthandel stärker als die Wirtschaftsleistung, in der Vorleistungsgüter nur einmal erfasst werden. Drittens stärkte die Entwicklung der aufstrebenden Schwellenländer den Welthandel, weil diese im Rahmen des wirtschaftlichen Aufholprozesses ihre heimischen Märkte öffneten.

Liberalisierung des Welthandels stockt, Protektionismus nimmt wieder zu

Diese drei Faktoren erklären nun aber auch einen Teil der aktuellen Wachstumsschwäche des Welthandels. So ist die Liberalisierung des Welthandels zwischenzeitlich ins Stocken geraten. Es gibt sogar Anzeichen, dass mit der Wirtschafts- und Finanzkrise der Protektionismus wieder zugenommen hat, Staaten also versuchen, durch Handelshemmnisse gegenüber ausländischen Anbietern ihren inländischen Markt zu schützen. Die Welthandelsorganisation (WTO) und andere warnen davor, dass die Handelsaktivitäten dadurch weltweit eingeschränkt werden.

Auch der Aufholprozess vieler Schwellenländer ist mittlerweile abgeschlossen. Mit steigender Kaufkraft erreichen deren Märkte eine Größe, bei der es sich lohnt, inländische Produktionskapazitäten für Güter aufzubauen, die bisher aus dem Ausland bezogen wurden. Diese Produktion lässt das Welt-BIP steigen, zugleich aber die Importquoten der Schwellenländer stagnieren oder sinken, was den Anstieg des Welthandels dämpft. Langfristig dämpfend auf den Welthandel könnte zudem wirken, dass mit steigendem Einkommen verstärkt persönliche Dienstleistungen nachgefragt werden. Diese werden nicht international gehandelt und sind daher auch nicht Teil des Welthandels.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 8149-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt der Beitrag „Verlangsamte Expansion des Welthandels? – Empirische Evidenz und mögliche Ursachen“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde. Er ist unter
http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-konjunkturberichte/RWI_KB_4-2013.pdf

als pdf-Datei erhältlich.

Sabine Weiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics