Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risiken eines Schuldenschnitts in Griechenland kaum kalkulierbar

21.07.2011
Die Risiken, die Griechenland und seinen Euro-Partnern bei einer Umschuldung drohen, bleiben unkalkulierbar. Keines der derzeit kursierenden Konzepte für einen Schuldenschnitt kann die drohenden Negativ-Wirkungen mit ausreichender Sicherheit abfangen.

Denn weder lassen sich die potentiellen Ansteckungseffekte genau quantifizieren noch sind die Vorschläge für eine institutionelle Eindämmung dieser Effekte so konkret und aufeinander abgestimmt, dass eine schwere Wirtschaftskrise im Euroraum nach einem Schuldenschnitt ausgeschlossen werden kann.

Darauf weist das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung hin. Die Forscher empfehlen daher, Alternativen ernsthaft zu prüfen. Eine auf Eurobonds gestützte Niedrigzinsstrategie eröffnet nach Analyse der Ökonomen einen risikoärmeren Weg zur Lösung der Euro-Krise.

"Die Debatte um eine Umschuldung Griechenlands hat zwar manche Fortschritte gemacht", sagt Dr. Torsten Niechoj, IMK-Experte für Internationale Konjunktur und Wirtschaftspolitik. "Auch Befürworter eines Schuldenschnitts thematisieren klar die potentiellen Nebenwirkungen und Ansteckungseffekte." Das gelte insbesondere für den neuen Vorschlag des Sachverständigenrates. Die "Wirtschaftsweisen" diskutierten darin die Risiken für das Bankensystem, insbesondere in Griechenland. Und sie setzten sich auch intensiv mit den Ansteckungsgefahren auseinander, die Staaten wie Irland, Portugal, Spanien und Italien drohen, wenn als Folge einer Umschuldung in Griechenland Misstrauen und Spekulation auf den Finanzmärkten eskalieren, so das IMK. "Die Mitglieder des Sachverständigenrates präsentieren für beide Probleme interessante Lösungsansätze", sagt Niechoj. "Aber da wir mit einer Umschuldung im Euroraum keinerlei Erfahrung haben und dabei viele Maßnahmen passgenau ineinandergreifen müssten, bleibt ein großes Risiko, dass ein Schuldenschnitt in der Praxis doch nicht funktioniert." Zudem seien die Ursachen der aktuellen Krise aus dem Blick geraten, warnen die Forscher. Die Finanzmarktregulierung sei nach wie vor unzureichend, auch die Ungleichgewichte im Euroraum bestünden fort.

Als risikoärmere Alternative zu einem Schuldenschnitt empfiehlt das IMK eine Niedrigzinsstrategie. In deren Zentrum stehen gemeinsame Garantien und die Ausgabe von Eurobonds, die zu einem vergleichsweise niedrigen Zinssatz von rund drei Prozent an die Krisenstaaten weitergegeben werden könnten. "Dieser Ansatz beendet sofort alle Spekulationen auf den Märkten und senkt die Zinslast. Selbstverständlich kann die Ausgabe solcher Eurobonds an Länder wie Griechenland nicht ohne Gegenleistung erfolgen. Im Gegenzug müssen sie Ausgabenpfade einhalten", erklären die Forscher.

Für den Zeitraum bis 2015 haben das IMK und seine europäischen Partnerinstitute - das OFCE aus Paris und das Wiener WIFO - berechnet, wie sich eine solche Niedrigzinsstrategie auswirken würde. Kernergebnis: Vor allem die Krisenstaaten, aber auch die deutsche Wirtschaft würden stärker wachsen. Das würde es erleichtern, die Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Die enormen Lasten für den griechischen Staat und letztlich die griechische Bevölkerung würden deutlich gesenkt, so die Forscher. Die Modellrechnung lässt erwarten, dass Griechenland die Abwärtsspirale aus hohen Zinsforderungen, schlechten Ratings und steigender Verschuldung durchbrechen könnte. So würde die Staatsschuldenquote im Niedrigzinsszenario bis 2015 auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückgehen - ganz ohne Schuldenschnitt.

Eine Beteiligung privater Finanzmarktakteure könnte durch eine Finanzmarkttransaktionssteuer erreicht werden sowie durch eine wirklich substantielle Bankenabgabe, so das IMK.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_115188.html
http://www.boeckler.de/320_114106.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics