Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Gesundheitswesen in den neuen Ländern: Anhaltende Finanzierungsprobleme und strukturelle Reform

05.03.2002


Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) hat sich in jüngerer Vergangenheit erneut verschärft - steigende Beitragssätze sind die Folge. Weitere Reformen sind unumgänglich. Ansätze dazu sind seit längerem Gegenstand intensiver Auseinandersetzungen. Die besonderen finanz-, gesamtwirtschaftlichen und demografischen Bedingungen im Gesundheitswesen der neuen Bundesländern, die durch die zurückliegende Umbruch- und Ausbauphase geprägt sind, geraten dabei allerdings oft aus dem Blickfeld.
Die Gesundheitsversorgung in Ostdeutschland entspricht mittlerweile größtenteils westdeutschen Standards. Mit dadurch bedingt hat sich auch die Differenz der Lebenserwartung zwischen alten und neuen Bundesländern erheblich verringert; von 1988/1990 bis 1995/1997 bei Frauen von 2,8 auf 1,2 Jahre, bei Männern von 2,5 auf 2,3 Jahre. Die Zunahme der Lebenserwartung ist maßgeblich auf die verringerte Sterblichkeit hochbetagter Menschen zurückzuführen. In der früheren DDR noch besonders von Defiziten in der Gesundheitsversorgung betroffen, konnte dieser Personenkreis am stärksten vom Versorgungsausbau profitieren.

Diesen Verbesserungen bei der Versorgung und Lebenserwartung stehen allerdings ungelöste Finanzprobleme gegenüber. Grund hierfür sind die gesamtwirtschaftlichen und Arbeitsmarktprobleme sowie demografische Veränderungen, die 1998 allein zu um mehr als 6 % höheren GKV-Leistungsausgaben führten. Hinzu kommen Strukturprobleme durch die Einführung des Kassenwahlrechts, von dem fast ausschließlich junge und gesunde Versicherte Gebrauch machten. Dies verschärfte die Finanzlage der Krankenkassen mit einem hohen Anteil älterer Versicherter und hohen Beitragssätzen - aufgrund der arbeitsmarktinduzierten Abwanderung junger Versicherter nach Westdeutschland gerade auch in den neuen Bundesländern. So weisen z.B. die ostdeutschen Ortskrankenkassen einen um 50 % höheren Anteil von Versicherten im Alter ab 65 Jahren auf als die in Westdeutschland (1999: 30 % gegenüber 21 %), was zwischenzeitlich zum höchsten Beitragssatz aller Kassenarten in Deutschland führte (1998: 14,3 %).

Die Bundesregierung hat als Reaktion auf die Finanzkrise bei den ostdeutschen Krankenversicherungen mit Beginn des Jahres 1999 einen Finanzkraftausgleich zwischen den GKV in den alten und neuen Bundesländern eingeführt. Mit diesen Zahlungen, die sich im Jahr 2000 auf rund 2,8 Mrd. DM beliefen und im vergangenen Jahr auf rund 4,3 Mrd. DM gewachsen sein dürften, sollen die Folgen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland für die GKV-Einnahmen abgemildert werden. Damit werden den westdeutschen Arbeitnehmern und Arbeitgebern jedoch in einer Phase ohnehin steigender Beiträge und einer Verschärfung der Arbeitsmarktlage zusätzliche Belastungen im Umfang von ca. 0,2 Beitragssatzpunkten auferlegt.

Angesichts der strukturellen Probleme der ostdeutschen GKV und der absehbaren demografischen Entwicklung, die bis zum Jahr 2005 gegenüber Westdeutschland zu Mehrbelastungen von bis zu 430 Mill. Euro bzw. ca. 2 % der Leistungsausgaben p.a. führen wird, sind weiterhin Finanzhilfen erforderlich, um in den neuen Ländern Versorgungsleistungen nach westdeutschem Vorbild zu sichern. Diese Finanzhilfen dienen zur Sicherung der Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse; sie haben verteilungspolitischen Charakter und sind damit als gesamtstaatliche Aufgabe anzusehen. Unter Arbeitsmarktgesichtspunkten erscheint es geboten, sie nicht im Rahmen eines auf die GKV beschränkten Finanzkraftausgleichs zu zahlen, sondern aus allgemeinen Haushaltsmitteln. Angesichts der Erfahrungen in anderen Sozialversicherungsbereichen und der aktuellen Haushaltslage muss die Frage nach den Realisierungschancen eines solchen Vorschlags hier aber offen bleiben. Grundsätzlich ist eine dauerhafte Entlastung der ostdeutschen GKV allerdings erst in dem Maße zu erwarten, wie es gelingt, Wachstum und Beschäftigung dort zu verbessern.

(aus: RWI-Mitteilungen 3/2001)
Ihre Ansprechpartner dazu:
Peter Hernold, Tel.: (0201) 81 49-205
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-292

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/news/ne-inh.htm#Pressemitteilungen

Weitere Berichte zu: GKV Gesundheitswesen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics