Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Generationengerechte Rentenformel vorgeschlagen

03.11.2000


In einer neuen Studie zur Rentenformel schlägt Professor Dr. Eckart Bomsdorf vom Seminar für Wirtschafts- und Sozialstatistik der Universität zu Köln zur langfristigen Sicherung der Renten die Einführung eines
rentenstabiliserenden multiplikativen Faktors in der Rentenformel vor.

Rentensichernde, generationengerechte Rentenformel vorgeschlagen
Neue Studie der Universität zu Köln

In einer neuen Studie zur Rentenformel schlägt Professor Dr. Eckart Bomsdorf vom Seminar für Wirtschafts- und Sozialstatistik der Universität zu Köln zur langfristigen Sicherung der Renten die Einführung eines rentenstabiliserenden multiplikativen Faktors in der Rentenformel vor.

In der Rentenreformdiskussion nimmt die Rentenformel einen zentralen Platz ein, da vor allem durch sie Beitragshöhe sowie Rentenhöhe gesteuert werden. Im September 2000 hat der Bundesarbeitsminister eine neue Formel vorgelegt, die weder eine reine Netto- noch eine reine Bruttoanpassung, jedoch eindeutig eine Abkehr von der bisherigen Nettoanpassung vorsieht.

Diese Rentenformel sichert bis 2009, dass die Renten schwächer als nach der alten Rentenformel beabsichtigt steigen, ab 2010 wird sie voraussichtlich zu höheren Steigerungen als nach dem bisher geltenden Nettoansatz führen. Demgemäss enthält der Diskussionsentwurf des Bundesministeriums für Arbeit eine Klausel, die die Notwendigkeit einer Kontrolle der Rentenformel bzw. des Rentenrechts vorsieht, falls zu erwarten ist, dass die Beitragssätze über 22 % steigen bzw. das Rentenniveau unter 64 % sinkt. Unabhängig davon, dass es fraglich ist, ob diese Eckpunkte langfristig eingehalten werden können, stellt sich die Frage, ob die Rentenformel nicht bereits jetzt krisenfest gemacht werden kann und entsprechende ökonomisch begründete Steuerungsgrößen in die Rentenformel bereits heute eingebaut werden können. Kritik entzündet sich auch am - durchaus wohl begründeten - rentenjahrgangsspezifisch wirkenden Ausgleichsfaktor sowie an der Tatsache, dass die aus der Zunahme der Lebenserwartung und der auf niedrigen Niveau verharrenden Fertilität sich ergebenden Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung in der Rentenformel zu wenig Niederschlag finden.

Professor Bomsdorf schlägt in seiner Studie zur Rentenformel nun eine Ergänzung der vom Bundesarbeitsministerium vorgesehenen neuen Rentenformel um einen multiplikativen Rentenstabilisierungs- oder Rentensicherungsfaktor ("RS-Faktor") vor, der die gesetzliche Rentenversicherung langfristig systemkonform krisenfest machen kann und auf alle Renten (Rentenbestand und Rentenzugänge) gleichermaßen wirkt. Der Faktor lässt sich in seiner Höhe aus der zu erwartenden Entwicklung des Verhältnisses von Beitragszahlern und Rentenempfängern bzw. von Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung und damit letztlich auch aus der demographischen Entwicklung gut begründen. In seiner Wirkung hängt er zudem von der Höhe der Steigerung des Durchschnittsentgelts der Angestellten und Arbeiter ab. Er berücksichtigt die zusätzliche Leistungsfähigkeit der Rentner, wirkt stärker bei hoher Entgeltsteigerung und kann auch den umstrit-tenen Ausgleichsfaktor überflüssig machen. Der "RS-Faktor" trägt damit einer Reihe von Einwänden gegen den Riester-Vorschlag Rechnung und hat eine Steuerungsfunktion wie sie bisher keine andere Komponente der Rentenformel entwickeln kann.

Der von Professor Bomsdorf konstruierte "RS-Faktor" liefert somit einen Steuerungsmechanismus, der die Renten mittels einer kontrollierten Dämpfung langfristig stabilisieren kann, er könnte damit den Ausgleichsfaktor ergänzen bzw. sogar ersetzen. Durch die Anbindung der Rentenentwicklung an die Bruttoentgeltsteigerung ist die vorgeschlagenen Formel auch mit der zu erwartenden stärkeren steuerlichen Berücksichtigung von Renten problemlos kompatibel. Eine Rente von monatlich 1000 Euro, die beispielsweise innerhalb von 20 Jahren ungedämpft auf 1806 Euro wächst, würde je nach Höhe des Rentenstabilisierungsfaktors nur auf 1753 Euro (1701 Euro; 1650 Euro) steigen.

Der "RS-Faktor" liefert somit eine begründete und kalkulierbare Möglichkeit, die Rente langfristig zu stabilisieren, ohne die Rentner oder die Beitragzahler einseitig zu sehr zu belasten. Er kann als ein Element einer Rentenreform im Maßnahmenmix zur Sicherung der gesetzlichen Rentenversicherung wirkungsvoll eingesetzt werden. Bomsdorf weist auch darauf hin, dass das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern, das heute bei 2 zu 1 liegt, ohne zusätzliche Maßnahmen in den nächsten 30 Jahren voraussichtlich auf 1 zu 1 falle; allein diese Tatsache zeige, dass das bisherige System ohne Änderungen die Lasten nicht mehr tragen könne. Seiner Meinung nach haben offenbar einige, die sich jetzt in der Rentenreformdiskussion zu Wort melden, die Brisanz dieser Entwicklung noch nicht genügend erkannt.

Eine ausführliche Darlegung des Vorschlags erscheint in Heft 11/2000 der Zeitschrift Wirtschaftsdienst des HWWA.

Verantwortlich: Eva Faresin

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Eckart Bomsdorf unter der Telefonnummer 0221/470-2982, der Fax-Nummer 0221/470-5074 und unter der Email-Adresse Bomsdorf@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/.

Gabriele Rutzen | idw

Weitere Berichte zu: Rentenformel Rentenversicherung Sozialstatistik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal: Weiterhin hoher Bestand an offenen Stellen
14.05.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Welthandel deutlich zurückgegangen
26.03.2019 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics