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Kampagnenstart "Runter vom Gas"

19.03.2008
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. plädiert für frühzeitige Unfallerziehung

Anlässlich des Kampagnenstarts "Runter vom Gas!" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) setzt sich Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. und Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin, für eine spezifizierte Prävention und die frühzeitige Unfallerziehung an Deutschlands Schulen ein.

Noch immer ist für Menschen unter 45 Jahren der Verkehrsunfall die häufigste Todesursache. Zwar ist die Zahl der Verkehrstoten leicht rückläufig, doch die der Verletzten stieg um 2, 2 Prozent auf 431.500 im Jahr 2007. "Ergebnisse aus der Verkehrsunfallforschung belegen, dass über 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Eine sich stetig verbessernde Fahrzeugsicherheit hat die Unfallfolgen für Verletzte zum Teil gemildert. Im Bereich der passiven Sicherheit, also der Maßnahmen, welche die Folgen eines nicht mehr verhinderbaren Unfalls minimieren, sind die Möglichkeiten fast gänzlich ausgeschöpft", sagt Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp.

Es gilt, Unfälle von vornherein zu vermeiden. "Dass dies möglich ist, belegen Ergebnisse der Unfallforschung, die eindeutig darauf hinweisen, dass die Unfallgefahr durch verstärkte Präventionsmaßnahmen gesenkt werden könnte", erklärt Ekkernkamp weiter. Dies zeigt auch eine interdisziplinäre Studie zu Unfallursachen in Mecklenburg-Vorpommern, durchgeführt von der Unfallforschung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, die der Unfallchirurg ebenfalls leitet.

Darin wird unter anderem untersucht, ob Risikobereitschaft im Straßenverkehr messbar ist und welche Präventionsmaßnahmen sich daraus ableiten lassen. "Erste Ergebnisse zeigen, dass Männer und Frauen in ihrer Risikobereitschaft zwar vergleichbar sind, ihr Risikoprofil jedoch große Unterschiede aufweist. Frauen haben ihren höchsten Punktwert auf der "Sensation Seeking Scale", einem Fragenkatalog zur Ermittlung von Risikobereitschaft und -profil, im Bereich Erfahrungssuche. Männer hingegen haben ihren höchsten Wert im Bereich Abenteuerlust. Daraus entstehen unterschiedliche Handlungsmuster: Während Frauen ihre Grenzen rational austesten, sind Männer auf der Suche nach emotionalen Kick-Erlebnissen. Ein möglicher Ansatz läge somit in der Ermittlung der Risikobereitschaft und der unterschiedlichen Risikoprofile des Einzelnen", sagt Axel Ekkernkamp. Wären diese Profile bekannt, könnten individuelle Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

"Die Bedeutung von Prävention ist lange bekannt, ihr Erfolg unstrittig. Frühzeitige, im Kindesalter beginnende, systematische Unfallerziehung auf hohem Niveau und maßgeschneiderte Konzepte werden die Unfallzahlen deutlich reduzieren, denn je früher diese Maßnahmen ansetzen, desto wirksamer sind sie", erklärt Ekkernkamp abschließend.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. ist eine wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft, die sich der Forschungsförderung, dem wissenschaftlichen Austausch, der Unfallprävention und der Vertretung dieses chirurgischen Schwerpunktes in der Politik widmet. Ziel ist es, Unfallfolgen in Klinik, Praxis und Forschung zu bearbeiten und dadurch die bestmögliche körperliche, berufliche und soziale Wiederherstellung eines Unfallverletzten zu ermöglichen. Hierzu dient unter anderem das Traumanetzwerk, das eine flächendeckende Optimalversorgung sicherstellen soll.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. arbeit von jeher eng mit den Berufsgenossenschaften zusammen, ist seit Jahren mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) verbunden, zu dessen Vollmitgliedern sie seit 2007 gehört.

Die Gesellschaft zählt heute etwa 3 500 Mitglieder. Ihre wissenschaftlichen Jahrestagungen finden seit 1974 jährlich in Berlin statt.

Mehr unter: www.dgu-online.de

Das Unfallkrankenhaus Berlin ist ein Schwerpunktkrankenhaus mit 538 Betten, 14 Fachdisziplinen, 20 Stationen und einer Aufnahmestation. Jährlich werden 41.000 Notfallpatienten behandelt, 20.000 werden zur stationären Behandlung aufgenommen. Das Unfallkrankenhaus betreibt zwei i-Suite-Operationssäle.

Der Träger des Unfallkrankenhauses Berlin ist der Verein für Berufsgenossenschaftliche Heilbehandlung Berlin e. V.. Die Inbetriebnahme erfolgte im September 1997.

Joachim Arndt | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukb.de

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