Stadtplanung in der Krise?

Kongress im Februar beschäftigt sich mit der Zukunft der europäischen Stadt

Für den renommierten Architekten und Städtebauhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani steckt die Stadtplanung in der Krise. In einem Zeitungsinterview verwies der ehemalige Direktor des Deutschen Architektur Museums darauf, dass sich der Städtebau auf seine ursprüngliche Bestimmung besinnen müsse und Planung und Entwurf einer Zusammenführung bedürfen. „Der zeitgemäße Städtebau wird sich der eigenen Tradition erinnern müssen. Die Planung darf sich nicht als Gehilfin des Modernisierungsvandalismus gebärden, sondern muss unsere Städte als Kulturgüter erhalten und zugleich behutsam verändern“, so Lampugnani. Neben neuen Kompetenzen sollte sich der Städtebau, nach Auffassung von Lampugnani, wieder stärker auf die menschengerechte, funktionelle und nachhaltige Gestaltung der Umwelt konzentrieren. Die Verpflichtung gegenüber der Geschichte müsse auch methodisch wirken, indem die eigene Vergangenheit nach geeigneten Theorien und Planungsinstrumenten durchsucht wird.

Der Lehrstuhlinhaber am Institut für Städtebau an der ETH Zürich spricht sich entschieden gegen eine schrankenlose Verstädterung aus. Seiner Meinung nach muss dem demographischen Paradigmenwechsel der städtebauliche folgen. „Heute stark expandierende Städte werden sich stabilisieren oder gar schrumpfen. Wir müssen zusammenrücken und die Städte, die wir haben, erhalten und verdichten“, betont Lampugnani.

Mit den Auswirkungen des sozialen, ökonomischen und räumlichen Wandels auf die Städte Europas beschäftigt sich auch ein Kongress, der Ende Februar in Frankfurt am Main stattfinden wird. Die interdisziplinär angelegte Veranstaltung wurde von Lampugnani mit initiiert.

Unter dem Motto „Wie werden wir leben?“ beleuchtet der zweitägige Kongress, wie sich die Großstädte Europas im Kontext des modernen Wandels entwickeln und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf den Städtebau, die Stadtplanung und die Stadtentwicklung haben. Zu den Referenten des Kongress, der am 24. und 25. Februar 2005 auf dem Campus Westend der Johann Wolfgang Goethe-Universität stattfindet, gehören neben Lampugnani unter anderem Frank Schirrmacher (Mitherausgeber der FAZ.), Prof. Dr. Walter Siebel (Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalforschung an der Universität Oldenburg), Prof. Albert Speer (Architekturbüro Speer und Partner), Prof. Dr. Andreas Kruse (Diplompsychologe und Direktor des Institutes für Gerontologie der Universität Heidelberg) sowie Prof. Dr. Karl-Werner Schulte (Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der European Business School, Eltville).

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Martin Gehl directnews

Weitere Informationen:

http://www.urbanfutureforum.org

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