Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie geht man mit Umweltvergiftungen um?

06.02.2002


Symposium zur Gefahrenabschätzung und Handhabung großflächiger Kontamination

Vom 22. bis 24. Februar 2002 tagen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg namhafte Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, um sich der Frage zu nähern: Wie geht man mit großen Umweltproblemen angemessen um?
Die Schwierigkeiten, die einerseits bei der Diskussion der Umweltproblematik und andererseits bei der Handhabung von Informationen auftreten, haben Prof. Dr. Heidi Foth vom Institut für Umwelttoxikologie der Martin-Luther-Universität veranlasst, ihre Idee zu einem internationalen umweltorientierten und zugleich allgemeinverständlichen Symposium "Risk Assessment and Management of Large Contamination Sites" zu verwirklichen.
Die Veranstaltung wird am 22. Februar um 12.00 Uhr im Melanchthonianum (Universitätsplatz 8/9) eröffnet. Es werden ca. 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet.

Der moderne Mensch schätzt die Vorzüge der chemischen Industrie. Die heutige Kunststoffproduktion basiert auf bedeutenden organischen Synthesen, für die einst größere Braunkohlevorkommen notwendig waren. In Europa hat diese Entwicklung rund um Bitterfeld und Wolfen begonnen. Allein die Erwähnung dieser beiden Ortsnamen verweist zugleich auf einen unerwünschten Nebeneffekt chemischer Produktion: die Altlastenproblematik. Die chronische Toxizität von Stoffen und die Großflächigkeit der Kontamination verdeutlichen - selbst für den Laien - die besondere Problematik und unterstreichen die zwingende Notwendigkeit, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Hauptfrage dabei lautet: Was ist akzeptierbar? Den wissenschaftlichen Hintergrund zur Beantwortung dieser Frage liefern Toxikologinnen und Toxikologen.
Während sie vor 40 Jahren vor chemischen Risiken am Arbeitsplatz und später vor Gefahren im Haushalt - z.B. der Verwendung chlorhaltiger Putzmittel - warnten, sieht Heidi Foth ihren Forschungsschwerpunkt heute in der Prophylaxe.
In ihrer Arbeit hat jedoch nicht allein die Alarmierung eine große Bedeutung, sondern auch der richtige Zeitpunkt. Wenn Toxikologen zu früh warnen, besteht die Gefahr, dass durch vorschnelles Eingreifen ein bekanntes Problem gegen ein anderes, nicht abschätzbares eingetauscht wird. So wurden beispielsweise vor ungefähr 40 Jahren Insektizide auf der Basis des Organophosphats E 605 durch DDT ersetzt, weil davon ausgegangen wurde, dass DDT nicht auf Warmblüter wirkt. Dass es allerdings über die Nahrungskette sehr stark angereichert wird und damit in die Ökosysteme eingreift, ist erst sehr viel später erkannt worden.

Neben der wissenschaftlichen und technischen Begründung von Grenzwerten muss in Zukunft die Risikoakzeptanz der Bevölkerung einbezogen werden. Aus der Erfahrung, dass Toxikologen und Bürger trotz gleicher Interessen oftmals aneinander vorbei reden, ist Heidi Foth besonders an der Vermittlung toxikologischer Sachverhalte in der Öffentlichkeit interessiert. So widmet sich die einzige deutschsprachige Arbeitsgruppe der Tagung am 23.02.02 ausschließlich diesem Thema; die interessierte Öffentlichkeit ist dazu ausdrücklich eingeladen.

Das größte Problem der Umweltfrage allerdings sieht Heidi Foth in der Koordination einzelner Aktivitäten. Aus diesem Grund ist es besonders zu begrüßen, dass sie sieben verschiedene Mitveranstalter gewinnen konnte. Damit ermöglicht das Symposium einen transdisziplinären Austausch über technische und administrative Fragestellungen im europäischem Maßstab. Aus- und Weiterbildungseffekte sind dabei ausdrücklich beabsichtigt, um auf dem Weg der Verbesserung der Kommunikationsstruktur einen Schritt voran zu kommen. Der Verband der chemischen Industrie - der wichtigste Sponsor des Symposiums -- leistet einen bemerkenswerten Beitrag: Ohne inhaltliche Auflagen zu erteilen, unterstützt der VCI die Publikation der Symposiumsergebnisse.

Die Veranstalter des Symposiums sind:

  • die Sektion Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie (DGPT)
  • die Vereinigung der toxikologischen Gesellschaften Europas (EUROTOX)
  • das Universitätszentrum Umweltwissenschaften (UZU)
  • das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ)
  • das Umweltbundesamt
  • der Verband der chemischen Industrie (VCI)
  • und das Universitäts-Graduiertenkolleg "Stress".

Kontakt:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Toxikologie
06099 Halle (Saale)
Prof. Dr. Heidi Foth
Tel: (0345) 5 57 16 30
Fax: (0345) 5 57 18 71
E-Mail: heidi.foth@medizin.uni-halle.de

Ingrid Godenrath | idw

Weitere Berichte zu: DDT Toxikologie Umweltvergiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019
21.03.2019 | Hochschule Magdeburg-Stendal

nachricht Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen
21.03.2019 | Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zähmung der Lichtschraube

22.03.2019 | Physik Astronomie

Saarbrücker Forscher erleichtern durch Open Source-Software den Durchblick bei Massen-Sensordaten

22.03.2019 | HANNOVER MESSE

Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt

22.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics