Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beiträge zu einer "Grünen Chemie"

05.09.2001


BioTrans 2001 - Internationale Tagung zu Biokatalyse und Biotransformation vom 2.9. bis 7.9. an der TU Darmstadt


Vom 2.-7. September findet in Darmstadt die BioTrans 2001 statt, eine internationale Fachtagung auf dem Gebiet der chemischen Synthese mittels Biokatalyse und Biotransformation.


Highlights aus dem Programm:

Die moderne Biotechnologie bietet innovative Ansätze für die Entwicklung einer nachhaltig zukunftsverträglichen, ressourcenschonenden Wirtschaftsweise. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu einer "Grünen Chemie" - grün steht nicht für parteipolitische Ziele, sondern für eine verantwortungsvoll umweltbewusste Philosophie der Risikovermeidung. Auf der BioTrans 2001 nimmt beispielsweise die Suche zur Ablösung von besonders problematischen klassisch-chemischen Oxidationsverfahren einen breiten Raum ein, da man sich beim Ersatz durch biokatalytische Verfahrensweisen einen besonders hohen Nutzen in der Schadstoff- und Schwermetallvermeidung verspricht.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Nutzung von Enzymen aus sogenannten extremophilen Mikroorganismen. Hierunter versteht man Lebewesen, die sich an außergewöhnlich lebensfeindliche Umstände angepasst haben wie hohe Temperatur oder Druck, oder Resistenz gegen Säuren und Alkalien etc. Bekannteste Beispiele sind Bakterien, die in unmittelbarer Nähe von Tiefseevulkanen bei Temperaturen von über 100°C leben, oder in Geysiren im Yellowstone Park. Deren Zellbestandteile müssen also besonders robust ausgestattet sein und sind daher für die Nutzung in industriellen Prozessen besonders interessant (u.a. auch als Waschmittelenzyme). Die Kultivierung extremophiler Bakterien ist im Labor natürlich sehr schwierig, daher ist der auf der BioTrans 2001 vorgestellte Fortschritt auf diesem Gebiet besonders bemerkenswert.

In der anwendungsnahen Biokatalyseforschung ist eine Beschleunigung der Innovationszyklen unabdingbar, um ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber der alten Technologie zu verbessern. Hier spielt die Gentechnik eine herausragende Rolle. Die jüngste Entschlüsselung des menschlichen Erbguts hat weltweit Schlagzeilen gemacht, obwohl der erhoffte breite Nutzen vermutlich erst nach Jahrzehnten erreicht werden kann. Dramatischere - weil unmittelbare - Auswirkungen auf die angewandte Biokatalyse kann da die Entschlüsselung von weit kleineren und übersichtlicheren Genomen haben, was für Dutzende von Mikroorganismen inzwischen erreicht wurde. Bei solchen primitiven Lebewesen ist die Funktion der im Erbgut kodierten Eiweißmoleküle meist bekannt oder viel rascher abzuleiten, obendrein sind sie meist weitaus stabiler und daher für technische Applikationen weit attraktiver. Der Bedarf an Biokatalysatoren mit einem bestimmten Eigenschaftsprofil ist somit gezielter aus dem Repertoire der bekannten Gensequenzen zu decken.
Dieser Fortschritt hat eine heute endlich erfolgreiche Entwicklung möglich gemacht, nämlich die Neukonstruktion und Optimierung gewünschter Stoffwechselwege in Mikroorganismen für die Produktion komplexer Naturstoffe. Hierbei bedient man sich gezielt der Kombination solcher Gene aus verschiedenartigen Organismen, die für leistungsfähige Enzyme kodieren. Hiermit gelingt es Bakterien so zu modifizieren, dass diese aus einfachen und billigen nachwachsenden Rohstoffen beispielsweise direkt solche Chemikalien herstellen, die sonst nur auf Erdölbasis aufwendig produziert werden können, oder sie können hochkomplizierte Oligosaccharide erzeugen, wofür man im Labor mindestens ein Dutzend Schritte, viele teure Reagenzien und mehrere Wochen Zeit benötigen würde.

Eine besonderes Highlight im Hinblick auf gentechnische Innovationen zur Verkürzung von Innovationszyklen in der Biokatalyse nimmt auf der BioTrans 2001 die sogenannte "Evolution im Reagenzglas" ein zur Erzeugung optimierter Enzyme. Dies wird beispielsweise durch "gene shuffling" erreicht, eine neuartige Methode zur Zufallsmutagenese des Erbguts. Hierbei wird die kodierende DNS quasi zerhackt und dann ungeordnet neu zusammengeklebt, sodass zigtausende von Varianten entstehen, aus denen dann die Beste herausgesucht werden kann. Dieses Verfahren stellt eine Revolution auf der Suche nach optimierten Biokatalysatoren dar, weil so ein Ergebnis in kürzester Zeit erreicht werden kann ohne mühevolle Planung oder die zeitaufwendige Auswertung von Zwischenstadien. Auf der Tagung wurden bereits zahlreiche höchst erfolgreiche Pionierleistungen mit dieser Technologie vorgestellt.

Organisator der Tagung, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gesponsert wird, ist Prof. Dr. Wolf-Dieter Fessner vom Institut für Organische Chemie der TUD.

Pressekontakt: Prof. Dr. Wolf-Dieter Fessner, Institut für Organische Chemie, Technische Universität Darmstadt, Tel: 06151/16-6666, während der Konferenz: -6190,
E-Mail: fessner@tu-darmstadt.de,

Sabine Gerbaulet | idw
Weitere Informationen:
http://www.biotrans.tu-darmstadt.de/

Weitere Berichte zu: BioTrans Enzym

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen
19.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics