Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinwaffen töten die meisten Menschen - UN-Konferenz bietet Chance für deutsche Politik

05.07.2001


Das Internationale Konversionszentrum Bonn (BICC) wird als offiziell registrierte Organisation auf der ersten UN-Konferenz zum Thema Kleinwaffen vertreten sein. Die UN-Konferenz, die vom 09. bis 20. Juli in New York stattfindet, bietet Deutschland die Möglichkeit, sein Engagement für eine wirksame Bekämpfung der Verbreitung und des Missbrauchs von Kleinwaffen darzustellen. Zum ersten Mal werden Verbreitung bzw. Handel mit Sturmgewehren, Maschinenpistolen und anderen leichten Waffen zum Thema internationaler Politik.

Das BICC trägt durch die Organisation eines Seminars und eines politischen Briefings zum Thema: Praktische Abrüstung - Der Zusammenhang von Waffen und Entwicklung zur Konferenz bei. Für die Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und internationalen Partnern organisiert werden, konnte das BICC den Unter-Generalsekretär für Abrüstungsfragen, Jayantha Dhanapala, sowie Dr. Dieter Kastrup, Ständiger Vertreter Deutschlands bei der UN, gewinnen.

"Kleinwaffen sind die Massenvernichtungs-waffen des modernen Krieges. Rund 90 Prozent aller Kriegsopfer sterben heute in regionalen und internen Kriegen durch diese Waffen", betont Herbert Wulf, Direktor des Internationalen Konversionszentrums Bonn (BICC). In den letzten zehn Jahren waren dies drei Millionen Menschen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Weltweit sollen etwa 500 Millionen Kleinwaffen zirkulieren - eine pro Duzend Weltbewohner. Dass dieses immense Problem nun auf der Abrüstungs- und Rüstungskontrollagenda steht, ist sehr positiv zu beurteilen. Jahrzehntelang wurde es kaum beachtet und wurde von der Nukleardiskussion und den Verhandlungen über schwere konventionelle Waffensysteme in Europa überlagert.

Das Internationale Konversionszentrum sieht für die UN-Konferenz drei Ziele:
1. Verabschiedung eines allgemeinen Verhaltenskodexes, der striktere Ex- und Importkontrollen, die Registrierung der Waffenmakler, die sichere Lagerung von Waffen, die Kennzeichnung von Waffen sowie strenge Endverbleibsregelungen beinhalten sollte.
2. Vereinbarung eines Aktionsplanes für Rückkauf- und Verschrottungs-programme. Dieser Aktionsplan sollte den Vereinten Nationen das Mandat geben selbst eine aktive Rolle zu spielen und muss durch die Geberländer mit den notwendigen Finanzmitteln ausgestattet werden.
3. Planung von Folgekonferenzen, um so das Thema auf der Tagesordnung zu halten und heutige "Bremser" einzubeziehen.

"Die weltweite Kleinwaffenschwemme entspringt zu einem großen Teil den Exporten von gebrauchten Waffen. Das vereinte Deutschland hat zu diesem Problem beigetragen, indem es massiv Kleinwaffen und leichte Waffen aus NVA-Beständen an ausländische Streitkräfte verkauft oder verschenkt hat", erklärt Sami Faltas, Projektleiter für Kleinwaffen am BICC. Mehr als 400.000 Feuerwaffen und große Mengen Munition sind allein an die Türkei und Finnland geliefert worden. Deutschland war bei Pistolen und Revolvern zwischen 1994 bis 1998 sogar das zweitgrößte Exportland der Welt. Freilich hat Deutschland auch viele NVA-Waffen vernichtet. Das Bundesministerium für Verteidigung spricht von 900.000 Kleinwaffen, die seit der Wiedervereinigung zerstört worden seien.

Im Zuge der Einführung des G-36 Gewehrs durch die Bundeswehr werden ca. 400.000 gebrauchte Kleinwaffen überflüssig. Das Bundesverteidigungs-ministerium verzichtet auf den Verkauf und hat die Zerstörung der gesamten Menge angekündigt. Es handelt sich jedoch nicht um einen grundsätzlichen Politikwechsel. "Trotz der positiven Entscheidung besteht die Regierung weiterhin auf dem Recht, auch in Zukunft überschüssige Waffen aus dem Besitz deutscher Behörden an andere Länder zu veräußern und vergibt so die Chance einer öffentlichkeitswirksamen Grundsatz-entscheidung", kritisiert Sami Faltas.
Das größte Problem von Lieferungen z.B. an die neuen NATO-Mitglieder liegt weniger darin, dass die Armeen mit ehemaligen Bundeswehrgewehren ausgestattet werden. Vielmehr ist zu erwarten, dass solche Lieferungen aus Deutschland der weltweiten Zirkulation von Kleinwaffen Vorschub leisten. Denn auch die Empfängerländer werden ihre dann überschüssigen alten Waffen nicht zerstören sondern verkaufen. So können dann größere Mengen von billigen Kleinwaffen wie die berühmte Kalaschnikow aus Zentral- und Osteuropa weitgehend unkontrolliert auf den internationalen Markt kommen. Das BICC fordert daher, künftig alle überschüssigen Kleinwaffen aus dem Besitz deutscher Behörden zu vernichten. Zumindest sollte bei jedem Export Auflage sein, dass im Empfängerland eine gleiche Zahl funktionsfähiger Waffen ähnlichen Typs nachweislich zerstört wird.

Die bisherige deutsche Regierungspolitik im Feld der Kontrolle der Kleinwaffen bietet zum Teil gute Ansätze. Die deutsche Regierung - das Auswärtige Amt wie das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) - hat sich im Vorfeld der Konferenz für ein gutes Ergebnis eingesetzt und national wie in der EU mehrere Initiativen ergriffen. Das BMZ hat nicht unerhebliche Mittel für Arbeit im Bereich der Kleinwaffen ausgegeben. Trotzdem wird kein Mitglied der Bundesregierung an der UN-Konferenz teilnehmen, da sie sich durch die EU-Präsidentschaft Belgiens repräsentiert sieht. Aus Sicht des BICC ist dies bedauernswert. Wenn die deutsche Regierung eine Vorreiterrolle spielen will, wird sie ihre Politik stärker akzentuieren müssen.

weitere Informationen:
Michael Dedek, PR-Leiter BICC
Tel.: 0175 3345427
0228/911 96-52
E-Mail: pr@bicc.de

Michael Dedek | idw
Weitere Informationen:
http://www.bicc.de/

Weitere Berichte zu: Konversionszentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur
17.04.2019 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck
17.04.2019 | Bayern Innovativ - Bayerische Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics