Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

116. Internistenkongress: Zellen verbreiten Arthritis gezielt im Körper

24.03.2010
116. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
10. bis 14. April 2010, Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden

Entzündliches Gelenkrheuma besser verstehen und behandeln

Die rheumatoide Arthritis (RA) beginnt an einzelnen Gelenken und befällt anschließend eines nach dem anderen. Forscher haben jetzt gezeigt, wie sich Gelenkrheuma ausbreitet, indem Zellen im Körper gezielt umherwandern. Zu den derzeit wirksamsten Medikamenten gegen RA gehören Wirkstoffe, die in das Entzündungsgeschehen eingreifen, erläutern Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Auf dem 116. Internistenkongress der DGIM vom 10. bis 14. April 2010 in Wiesbaden gehören chronische Entzündungen bei inneren Erkrankungen zu den Hauptthemen.

Fast ein Prozent aller Erwachsenen leidet an rheumatoider Arthritis. Ursache ist eine fehlgeleitete körpereigene Abwehr: Statt den Organismus zu schützen, greifen die Zellen des Immunsystems den eigenen Körper an und rufen entzündliche Prozesse hervor. "Die rheumatoide Arthritis beginnt an einzelnen Gelenken, doch bei den meisten Kranken greift sie nach und nach auf weitere über. Die Gründe für diese Ausbreitung innerhalb des Körpers waren lange unbekannt", erläutert Kongresspräsident Professor Dr. med. Jürgen Schölmerich von der Universität Regensburg. Eine aktuelle Studie gibt jetzt Hinweise: Am Entzündungsvorgang beteiligte Zellen, die sogenannten synovialen Fibroblasten, verlassen den bereits zerstörten Knorpel der zuerst betroffenen Gelenke. Sie treten ins Blut über und begeben sich zielgerichtet in gesunde Gelenke. Dort veranlassen sie dann eine neue Entzündungsreaktion. Auf diese Weise werde ein Gelenk nach dem anderen zerstört, so Schölmerich im Vorfeld des 116. Internistenkongresses. Unbehandelt führe eine rheumatoide Arthritis zu schwersten Behinderungen.

Seit Langem setzen Ärzte dagegen entzündungshemmende Medikamente ein. Zu Beginn der Erkrankung helfen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID). "Sie lindern erfolgreich die Schmerzen und verbessern die Beweglichkeit der Gelenke kurzfristig", erläutert Professor Schölmerich. Auch Kortison wirke, komme wegen der Nebenwirkungen bei Dosen von mehr als fünf Milligramm pro Tag aber nur vorübergehend bei sehr starken Entzündungen zum Einsatz. Die weitere Zerstörung und das Übergreifen auf andere Gelenke können diese Medikamente jedoch nicht verhindern. Deshalb erhalten die Patienten krankheitsspezifische Mittel, die den Verlauf günstig beeinflussen.

Die meisten dieser krankheitsmodifizierenden Medikamente (disease modifying antirheumatic drugs, DMARDs) greifen in das Entzündungsgeschehen ein, wie Professor Dr. med. Ulf Müller-Ladner von der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim ergänzt. Die Wirkung sei allerdings noch zu ungezielt. Das am häufigsten verwendete DMARD, Methotrexat, stammt ursprünglich aus der Krebstherapie. Als Zytostatikum verhindert es, dass Zellen sich teilen, bei der rheumatoiden Arthritis hemmt es auch deren Aktivierung. Neben den Entzündungszellen greift MTX aber auch andere Körperzellen an und höhere Dosen sind mit unangenehmen Nebenwirkungen assoziiert. "Wir haben gelernt, diese Mittel behutsam einzusetzen", erläutert Professor Müller-Ladner. Doch leider ließe sich auch bei patientenangepasstem Einsatz die Gelenkzerstörung nicht immer vollständig aufhalten.

Gezielter wirkt eine neue Gruppe von Rheumamitteln, die Biologika. Professor Müller-Ladner: "Sie greifen in die Kommunikation zwischen den einzelnen Abwehrzellen ein. Ihre Wirkung ist deshalb besser auf die Entzündung konzentriert." Inzwischen wurden weltweit mehr als eine Million Patienten damit behandelt. "Wir wissen heute, in welchen Situationen die einzelnen Substanzen die größten Vorteile haben", sagt der Rheumatologe. Biologika machen die Behandelten jedoch infektanfällig. Deshalb gelte es, sie weiter zu entwickeln, sagt Professor Schölmerich. Die Entdeckung der Fibroblasten als Überträger der Erkrankung innerhalb des Körpers berge Hoffnung: "Sie verbessert nicht nur das Verständnis des Krankheitsgeschehens, sie liefert auch neue Ansatzpunkte für Medikamente, die das Fortschreiten der Gelenkzerstörung aufhalten könnten." Auf dem 116. Internistenkongress diskutieren Experten die Rolle der Entzündungsforschung für die Therapie entzündlicher Erkrankungen.

Quelle:
Lefèvre S, Knedla A, Tennie C, Kampmann A, Wunrau C, Dinser R, Korb A, Schnäker EM, Tarner IH, Robbins PD, Evans CH, Stürz H, Steinmeyer J, Gay S, Schölmerich J, Pap T, Müller-Ladner U, Neumann E.
Synovial fibroblasts spread rheumatoid arthritis to unaffected joints.
Nat Med. 2009 Dec;15(12):1414-20. Epub 2009 Nov 8.
Terminhinweis:
Montag, 12. April 2010, 13.00 bis 14.00 Uhr
Mittags-Pressekonferenz der DGIM,
Eines der Themen: Entzündung als therapeutischer Ansatz: Wie können wir Rheuma besser behandeln?
Professor Dr. med. Ulf Müller-Ladner
Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden, Saal 12 D
Kontakt für Journalisten:
DGIM Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim2010.de
http://www.dgim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019
14.10.2019 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht 10. Weltkonferenz der Ecosystem Services Partnership an der Leibniz Universität Hannover
14.10.2019 | Leibniz Universität Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Im Focus: Novel Material for Shipbuilding

A new research project at the TH Mittelhessen focusses on the development of a novel light weight design concept for leisure boats and yachts. Professor Stephan Marzi from the THM Institute of Mechanics and Materials collaborates with Krake Catamarane, which is a shipyard located in Apolda, Thuringia.

The project is set up in an international cooperation with Professor Anders Biel from Karlstad University in Sweden and the Swedish company Lamera from...

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

10. Weltkonferenz der Ecosystem Services Partnership an der Leibniz Universität Hannover

14.10.2019 | Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Technologiemodul senkt Ausschussrate von Mikrolinsen auf ein Minimum

14.10.2019 | Informationstechnologie

Diagnostik für alle

14.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bayreuther Forscher entdecken stabiles hochenergetisches Material

14.10.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics