Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkungen von Straßen auf die Tierwelt

10.11.2005


Internationaler Workshop im Schloss Rauischholzhausen - Fazit: Wissenschaftliche Erkenntnisse finden zu wenig Eingang in politische Entscheidungsprozesse



Die Zahl der wissenschaftlichen Erkenntnisse nimmt stetig zu. Es zeigt sich, dass die Landschaftszerschneidung überwiegend negative Folgen für wildlebende Tierarten hat. Tiere fallen dem Verkehr zum Opfer, Straßen zerstückeln und verkleinern Lebensräume und wirken als Barriere für den Austausch zwischen Populationen, stören durch Lärm und Licht das Brutgeschäft und vermindern den Fortpflanzungserfolg. Die Zerschneidung der Landschaft zählt zu den Hauptursachen für die besorgniserregende Verringerung und den Verlust von Wildtierpopulationen. Nicht zuletzt beeinträchtigen Straßen auch die Lebensqualität des Menschen. Große unzerschnittene Freiflächen, unbeeinträchtigt vom Verkehrslärm, haben eine wichtige Erholungsfunktion. Trotzdem ist das Problem im Bewusstsein der Bevölkerung erst schwach verankert. Die Notwendigkeit von "Entschneidungs"-Programmen hat in Deutschland bisher nur in Ansätzen Eingang in die politische Agenda gefunden.

... mehr zu:
»Datengrundlagen »ETH »Population


Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutierten in der vergangenen Woche (am 2. und 3. November 2005) auf einem Workshop zum Thema "Auswirkungen von Straßen auf Tierpopulationen" den Forschungsbedarf, um die langfristigen Folgen und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen besser beurteilen zu können. Elf Referenten und rund 30 Gäste aus Kanada, Neuseeland, Australien, Schweden, Tschechien, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland gingen den Ursachen des Problems auf die Spur und entwickelten Lösungsansätze.

Als ein Hauptgrund für den mangelhaften Eingang wissenschaftlicher Erkenntnisse in politische Entscheidungsprozesse wurde genannt, dass wichtige Fragen immer noch unbeantwortet seien. Wenn Störungseffekte einer Straße nachgewiesen werden, könne nur schwer mit Maß und Zahl belegt werden, welchen Effekt dies auf die langfristige Überlebensfähigkeit einer Population haben werde. Das räumliche Ausmaß der Effekte von Straßennetzen sei groß, zudem reagieren zahlreiche Tierarten auf Neubauten und Verkehrszunahme mit einer Zeitverzögerung, die das Untersuchen der Auswirkungen erschwert.

Fazit der Experten: Um Erkenntnislücken zu schließen, sind großflächige Langzeit-Monitoring-Programme nötig, die den Rahmen von einzelnen Diplom- und Dissertationsarbeiten übersteigen. Das von ihnen beklagte Dilemma: Brauchbare Datengrundlagen zur Bestandsentwicklung von Tierpopulationen fehlten in den meisten Fällen. Wenn sich Wissenschaftler mit Modellrechnungen aushelfen, zeige sich der politische Entscheidungsträger meist nicht überzeugt. Für großflächige Forschungsvorhaben, die Erkenntnislücken schließen könnten, fehle jedoch in den meisten Fällen das nötige Geld. Zur besonderen Situation Deutschlands wurde bemängelt, dass trotz der Dringlichkeit eines weiteren Erkenntnisgewinns an keiner deutschen Universität systematisch über Straßenökologie geforscht werde.

Zum internationalen Workshop im Schloss Rauischholzhausen, gemeinsam veranstaltet von der Justus-Liebig-Universität Gießen und der ETH Zürich, gefördert vom Sonderforschungsbereich 299 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, begrüßte Prof. Dr. Wolfgang Köhler elf internationale Vortragende.

Prof. Dr. Lenore Fahrig von der kanadischen Carleton University in Ottawa gab einen Überblick darüber, was bisher über die Effekte von Straßen auf Tierpopulationen bekannt ist. Dr. Daniel Rutledge vom Institut Landcare Research in Neuseeland zeigte die rasche Entwicklung von Indizes auf, die Landschaftsfragmentierung messbar machen und potenziell für ein Monitoring nutzbar wären. Prof. Dr. Jeff Houlahan (University of New Brunswick, Kanada) und Prof. Dr. Scott Findlay (Ottawa University, Kanada), Inga Roedenbeck (Justus-Liebig-Universität Gießen), Prof. Dr. Sven Herzog (TU Dresden) und Dr. Andreas Seiler (Swedish University of Agricultural Sciences, Schweden) präsentierten Ergebnisse und methodische Herausforderungen empirischer Untersuchungen.

Dr. Jochen Jaeger (ETH Zürich, Schweiz), Dr. Stephanie Kramer-Schadt und Nina Klar (beide UFZ Leipzig-Halle) stellten Computermodelle vor, die mit Hilfe von Expertenwissen trotz geringer Datengrundlagen zu wichtigen Erkenntnissen führen können. Kersten Hänel (Universität Kassel) präsentierte abschließend das vom Deutschen Jagdverband und vom Bundesamt für Naturschutz entwickelte bundesdeutsche Konzept "Lebensraumkorridore für Mensch und Natur" - ein erster Schritt zu einer verbesserten Problembearbeitung in Deutschland.

Die aktive Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, Planern und Politikern wurde als notwendige Grundlage genannt, um den Eingang der Ergebnisse in Planungsprozesse zu gewährleisten. Edgar van der Grift vom Alterra Institut in Wageningen zeigte beeindruckende Erfolge in den Niederlanden auf. Hier läuft unter breiter politischer Unterstützung bereits seit mehreren Jahren ein landesweit koordiniertes Entschneidungsprogramm - bisher noch eine Zukunftsvision für Deutschland.

Kontakt:

Inga Rödenbeck
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung II
Heinrich-Buff-Ring 26-32
35392 Gießen
Tel.: 0641/99- 37543
Fax: 0641/99- 37549
E-Mail: Inga.Roedenbeck@agrar.uni-giessen.de

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/

Weitere Berichte zu: Datengrundlagen ETH Population

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Lichtverschmutzung macht Fische mutig
21.09.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Gegen Straßenschmutz im Regenwasser
21.09.2018 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics