Langzeitprojekt: "Genetisches Monitoring beim Rotwild"

Mit dem Projekt „Genetisches Monitoring beim Rotwild“ der Deutschen Wildtier Stiftung sollen die Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Landschaftszerschneidungen auf die Genetik von Wildtieren weiter vertieft und neue Erkenntnisse gewonnen werden.


Beispielhaft sollen Rotwildpopulationen in vier Projektregionen in Niedersachsen, für die bereits genetische Daten aus den 1980er Jahren vorliegen, untersucht werden. Mit identischen Methoden wird heute, 25 Jahre später, der Frage nachgegangen, ob sich hier die Rotwildbestände genetisch verändert haben. In diesem Fall wären Maßnahmen zur Vernetzung von Rotwildpopulationen in Niedersachsen notwendig. Die Untersuchungen werden vom Lehrstuhl für Wildökologie und Jagdwirtschaft der Technischen Universität Dresden durchgeführt. Das Projekt mit der Laufzeit von 24 Monaten startete im Sommer 2005. Die Finanzierung erfolgt durch die Stiftung, zudem erfolgt die Förderung aus Jagdforschungsmitteln des Landes Niedersachsen.

Der Rothirsch ist in Mitteleuropa eine der letzten frei lebenden Großwildarten. Aus offenen oder halboffenen Landschaften, dem ursprünglichen Lebensraum dieser Art, wurde er weitgehend verdrängt und sein Lebensraum in Deutschland auf 140 ausgewiesene Rotwildgebiete reduziert. Doch auch diese Gebiete sind durch Zerschneidung und forstliche Nutzung in ihrer Funktion als Lebensraum für das Rotwild nur eingeschränkt tauglich.

Langzeitmonitoring ist unerlässlich

Welche Auswirkungen künstliche Barrieren auf den genetischen Austausch und damit auf die Überlebensfähigkeit von Arten haben, können nur langfristige Untersuchungsreihen zeigen. Aus diesem Grund untersucht die Stiftung seit 2001 die Auswirkungen des Autobahnbaus auf die Rotwildgenetik am Beispiel der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Erste Ergebnisse aus diesem Langzeitmonitoring-Projekt zeigen, dass bisher nicht isolierte Populationen an zwei Genorten bereits deutliche Unterschiede aufweisen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Untersuchungen in verschiedenen, allerdings voneinander isolierten Rotwildgebieten in Sachsen. Um dieses Phänomen weiter zu erforschen, will die Stiftung weitere Rotwildpopulationen in Deutschland untersuchen. Bisher liegen genetische Daten ausschließlich im Sinne von „Momentaufnahmen“ zu einem bestimmten Zeitpunkt vor. Es fehlt an längerfristigen, zukunftsweisenden Untersuchungsreihen, um tatsächliche Entwicklungstendenzen nachweisbar zu machen.

Langzeitmonitoring in Niedersachsen

Die genetischen Untersuchungen in Niedersachsen aus den 1980er Jahren zeigen keine oder nur sehr geringe genetische Unterschiede zwischen Rotwildvorkommen. Sollten sich heute solche Unterschiede auch für ehemals „nicht-differenzierte“ Rotwildvorkommen zeigen, würde dies weit reichende Konsequenzen für einen zukünftigen Umgang mit dem Rotwild, aber auch mit anderen großen wandernden Wildarten haben.

Vorgehensweise

Die Organproben werden in vier Untersuchungsregionen (Solling, Harz, und der Lüneburger Heide – jeweils westlich und östlich der A 7) erhoben. Für jede Region wird ein Probenumfang von 100 Individuen angestrebt. Die Proben werden mit Hilfe der niedersächsischen Landesforstverwaltung und den Bundesforsten im Rahmen des Routinejagdbetriebes entnommen. Ab Herbst 2005 werden Proben gesammelt, erste Auswertungen liegen im Frühjahr 2006 vor. Finale Ergebnisse werden zum Sommer 2007 erwartet.

Die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung mit Sitz in Hamburg wurde 1992 von Haymo G. Rethwisch gegründet. Ihr Ziel ist es, einheimische Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu schützen und erlebbar zu machen. Mit einem Stiftungskapital von 45 Millionen Euro zählt die Deutsche Wildtier Stiftung zu den bedeutendsten Stiftungen für Natur- und Wildtierschutz in Europa.

Deutsche Wildtier Stiftung: Sven Holst, Geschäftsführer, Billbrookdeich 210, 22113 Hamburg, Telefon: 040 / 73 33 93 31, Fax: 040 / 7 33 02 78, S.Holst@DeWiSt.de

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