Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Entsorgungsfachbetrieb - Gütesiegel oder Persilschein?

16.02.2001


... mehr zu:
»Gütesiegel »Zertifizierung
Empfehlungen für eine Verbesserung des Zertifikates "Entsorgungsfachbetrieb"

Mit der seit Oktober 1996 eingeführten Entsorgungsfachbetriebeverordnung haben Unternehmen, die im Bereich der Einsammlung, Verwertung, Behandlung und Entsorgung von Abfällen tätig sind, die Möglichkeit, ihre Tätigkeiten mit Hilfe eines Gütesiegels zertifizieren zu lassen. Ziel dieser Maßnahme ist eine Erhöhung des Qualitätsniveaus der Betriebe. Gleichzeitig soll "Schwarzen Schafen" in der Entsorgungswirtschaft das Handwerk gelegt werden.
Inwieweit sich das Gütesiegel in der Praxis bewährt hat und welche konkreten Anforderungen sich zur Verbesserung des Systems aufzeigen lassen, hat das Öko-Institut e.V. im Rahmen einer Studie mit dem Titel "Handlungsstrategien zur Optimierung der Entsorgungsfachbetriebeverordnung auf dem Weg zu einem Gütesiegel in der Entsorgungswirtschaft" untersucht.
Hierzu wurden Studien ausgewertet, in denen die bisherigen Erfahrungen mit dem Zertifikat untersucht wurden. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für eine Befragungsaktion, in der Defizite des derzeitigen Systems ausgelotet sowie Verbesserungsvorschläge eingeholt und mit Beteiligten diskutiert wurden. Die Resonanz auf die Befragung war sehr gut. Die Rücklaufquote der angestrengten Fragebogenaktion betrug 72 %. Insgesamt ergab die Befragung, dass sich das System der Zertifizierung grundsätzlich bewährt hat. Allerdings treten in verschiedenen Bereichen Schwachstellen zu Tage. So befinden sich z. B. Tätigkeit und Fachkenntnis der Sachverständigen, die die Betriebe auditieren, auf sehr unterschiedlichem Niveau. Darüber hinaus bestehen Probleme bei den Regelungen zur Beauftragung von Dritten und zu Teilzertifizierungen. Auch der Informationsaustausch zwischen den einzelnen beteiligten Behörden im Rahmen des sogenannten Benehmensverfahrens ist zu zeitaufwendig.

Die vom Öko-Institut e.V. erarbeiteten Vorschläge zur Optimierung des Gütesiegels lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Um einheitliche Zulassungskriterien zu gewährleisten, sollte die Akkreditierung der Sachverständigen in Zukunft über einen Dachverband erfolgen. Die Fachkunde der Sachverständigen ist, z. B. durch die Pflicht zur Teilnahme an einem Lehrgang zum Fachkundenachweis und an regelmäßigen, vom Dachverband anerkannten Fortbildungsseminaren, auf ein einheitlich hohes Niveau zu bringen.

Die Prüfung der Zuverlässigkeit der Sachverständigen ist in einem festgeschriebenen Rhythmus zu wiederholen. Weiterhin ist die Überwachung der Sachverständigentätigkeit durch allgemein gültige Vorgaben zu regeln. Auch zu Prüfungstiefe und -umfang bei der Zertifizierung der Betriebe sind einheitliche Regelungen zu treffen. Hierzu sollte ein Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes ins Leben gerufen werden, in dem unter anderem einheitliche Fragelisten, Prüfstandards und Prüfberichte festgelegt werden. Die Festsetzung eines länderübergreifenden Gebührenrahmens für Sachverständige wird grundsätzlich befürwortet.
Die Regelungen zur Beauftragung von Dritten durch Entsorgungsfachbetriebe sind dahingehend zu ändern, dass in Zukunft nur noch solche Betriebe beauftragt werden dürfen, die ebenfalls das Zertifikat vorweisen können. Außerdem sind klare Kriterien festzulegen, anhand derer vom Sachverständigen im Betrieb geprüft wird, ob dieser über ausreichend Personal verfügt.

Gütesiegel europaweit erforderlich

Zukünftig sollte eine Pflicht zur Zertifizierung des gesamten Betriebes an einem Standort erfolgen. Bei einer missbräuchlichen Verwendung des Zertifikates ist die Einschaltung eines Schiedsgerichtes beim Dachverband vorzunehmen.
Als wesentliche Maßnahme zur Verbesserung des Qualitätsniveaus von Entsorgungsbetrieben wird die Beteiligung des Personals insbesondere im Vorfeld der Zertifizierung erachtet. Dies kann z. B. durch die Verabschiedung von Betriebsvereinbarungen oder der Berücksichtigung des Themas "Einbindung von Personal" im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen erfolgen.
Zur Beschleunigung des Zertifizierungsverfahrens sollte der Datenaustausch zwischen den einzelnen Beteiligten zukünftig per EDV erfolgen.
Deregulierungsmaßnahmen zur Schaffung zusätzlicher Anreize für Betriebe zur Zertifizierung, wie z. B. die Reduzierung der behördlichen Überwachung, werden grundsätzlich als sinnvoll erachtet. Voraussetzung sollte aber das Erreichen eines dauerhaft hohen Niveaus von Entsorgungsfachbetrieben durch die Umsetzung der vom Öko-Institut e.V. vorgeschlagenen Maßnahmen sein.
Im Zuge zunehmender Internationalisierung ist die Einführung eines Gütezertifikates für Entsorgungsfachbetriebe auf europäischer Ebene erforderlich. Hierzu wird vorgeschlagen, dies mit dem Regelungsinstrument der "Richtlinie" vorzunehmen.

Ansprechpartner zur Studie am Öko-Institut e.V.:

Herr Dipl.-Ing. Günter Dehoust
Tel.: 06151-81 91-38
Fax: 06151-81 91-33
E-Mail: dehoust@oeko.de

Gegen eine Gebühr von 20 DM kann der Endbericht der Studie angefordert werden bei:

ÖTV Hauptverwaltung
Bereich Ver- und Entsorgung
Herr Schoch
70174 Stuttgart
Fax: 0711-2097 133

Ilka Buchmann | idw

Weitere Berichte zu: Gütesiegel Zertifizierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Luchse in der Türkei: Nicht-invasive Probensammlung liefert wichtige Erkenntnisse zu genetischer Vielfalt und Verhalten
17.06.2019 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Roboterfische ersetzen Tierversuche
17.06.2019 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Im Focus: Konzert der magnetischen Momente

Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea haben in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuartigen Weg entdeckt, wie die Elektronenspins in einem Material miteinander agieren. In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Materials berichten die Forscher über eine bisher unbekannte, chirale Kopplung, die über vergleichsweise lange Distanzen aktiv ist. Damit können sich die Spins in zwei unterschiedlichen magnetischen Lagen, die durch nicht-magnetische Materialien voneinander getrennt sind, gegenseitig beeinflussen, selbst wenn sie nicht unmittelbar benachbart sind.

Magnetische Festkörper sind die Grundlage der modernen Informationstechnologie. Beispielsweise sind diese Materialien allgegenwärtig in Speichermedien wie...

Im Focus: Schwerefeldbestimmung der Erde so genau wie noch nie

Forschende der TU Graz berechneten aus 1,16 Milliarden Satellitendaten das bislang genaueste Schwerefeldmodell der Erde. Es liefert wertvolles Wissen für die Klimaforschung.

Die Erdanziehungskraft schwankt von Ort zu Ort. Dieses Phänomen nutzen Geodäsie-Fachleute, um geodynamische und klimatologische Prozesse zu beobachten....

Im Focus: Determining the Earth’s gravity field more accurately than ever before

Researchers at TU Graz calculate the most accurate gravity field determination of the Earth using 1.16 billion satellite measurements. This yields valuable knowledge for climate research.

The Earth’s gravity fluctuates from place to place. Geodesists use this phenomenon to observe geodynamic and climatological processes. Using...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Doc Data – warum Daten Leben retten können

14.06.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - August 2019

13.06.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Materialmikroskopie

13.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Industrie 4.0 im Fräsprozess: Geringere Schwingungen durch aktive Dämpfung und angepasste Drehzahlen

17.06.2019 | Informationstechnologie

Mit dem Milbentaxi zum Nachbarwirt: Honigbienen-Parasit Varroa-Milbe wird auch Wildbienen gefährlich

17.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Trennmittelfrei: ReleasePLAS®-Technologie ersetzt Silikonbeschichtung beim Wachsspritzguss

17.06.2019 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics