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Versäuerung der Ozeane gefährdet Korallen

09.06.2008
Vulkanische Unterwasserschlote zeigen Auswirkungen des Kohlendioxidausstoß

Für Korallen, Seeigel und andere Meeresorganismen sind die Ozeane der Zukunft offenbar kein Lebensraum. Das berichten Wissenschaftler der University of Plymouth im Wissenschaftsblatt Nature. An Untersee-Vulkanen, natürlichen Quellen von Kohlendioxid, hatte die Gruppe um Studienleiter Jason Hall-Spencer untersucht, wie sich Kohlendioxid-Emissionen und die folgende Versäuerung der Ozeane auf Meeresflora und -Fauna auswirkt. Im natürlichen Labor zeigte sich, dass schon bei dem vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostizierten pH-Wert von 7,8 bis zum Jahr 2100 große Schäden für Korallen und andere Organismen drohen. Bei einem Wert von 7,4 waren bestimmte Arten sogar ganz verschwunden.

Die Weltmeere fungieren als großer Kohlendioxid-Absorber, rund zwei Mio. Tonnen des Treibhausgases werden schätzungsweise pro Jahr aufgenommen. Dieser Prozess bleibt für die Ozeane allerdings nicht ohne Folgen, denn das gelöste Kohlendioxid erhöht ihren Säuregrad. Im weltweiten Durchschnitt liegt der pH-Wert bei 8,1 - zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte dieser Wert noch bei 8,2 gelegen. Das IPCC nimmt an, dass ohne Maßnahmen zur Kohlendioxidreduzierung der pH-Wert innerhalb dieses Jahrhunderts auf 7,8 fallen wird. Durch die Versäuerung verschwinden bestimmte Minerale aus der Meeresumwelt, die Bestandteile des Skeletts von Korallen, Muscheln und Schnecken sind. Die prognostizierten Folgen dieser Veränderung basieren aber bisher größtenteils auf Laborexperimenten und Computermodellen. Deshalb haben Hall-Spencer und sein Team an unterseeischen Vulkanen vor der italienischen Insel Ischia untersucht, wie sich ein erhöhter Säuregrad auf das Ökosystem Ozean auswirkt. Hier wird seit tausenden von Jahren Kohlendioxid ins Meerwasser ausgestoßen.

Die Resultate der Erkundungstauchgänge beschreibt Hall-Spencer als "ziemlich beunruhigend". In unmittelbarer Umgebung der Unterseevulkane, wo der pH-Wert des Wassers nur 7,4 betrug, seien Korallen und andere Organismen mit Calcit-Skelett komplett verschwunden. Schneckengehäuse hätten sich aufgelöst, auch Seeigel und korallenartige Algen seien selten geworden. Aber auch in Regionen mit einem Wert von 7,8 bis 7,9 sei die Anzahl der auffindbaren Arten um 30 Prozent geringer als in angrenzenden Gebieten. "Ich denke, wir werden das gleiche Muster auch in anderen Teilen der Welt sehen, denn es handelt sich hier um Schlüsselarten wie Muscheln, Schnecken und Krebse, die verloren gehen, wenn der pH-Wert sinkt", so Hall-Spencer. Gleichzeitig würden Seegras und bestimmte Algenarten besonders gut gedeihen.

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"Es ist in der Tat ein Problem, wenn der pH-Wert des Meerwassers sinkt", meint auch der Geologe André Freiwald von der Universität Erlangen http://www.uni-erlangen.de . "Denn dann sind die Korallen nicht mehr in der Lage mächtige Körper bzw. Riffe im heutigen Ausmaß zu bilden. Im Jahr 2100 könnte es für 70 Prozent der heute kartierten Tiefseekorallenriffe sehr schlecht aussehen." Freiwald mahnt dennoch, dass sich das Zurückgehen von Arten in einem bestimmten Gebiet meist nicht nur auf einen Faktor zurückführen lasse. "Im untersuchten Gebiet ist das Meer auch relativ arm an Sauerstoff, was zusätzlichen Stress für die Korallen darstellt", so Freiwald. Dass der Verlust der Korallenriffe aber ein großes biologisches Problem darstellt, unterstreicht auch Freiwald. "Die Riffe sind Brutstätten artlicher Vielfalt und dabei geht es nicht nur um Fische. Sie sind Habitat und wichtiger Bestandteil der Nahrungskette", so der Wissenschaftler. "Wenn die Riffe verschwinden, wird es eng für Organismen, die von dieser Nahrungskette abhängig sind. Ob Arten aussterben werden, ist schwer zu sagen. Es würde aber in jedem Fall zu einer drastischen Umschichtung der Nahrungskette kommen."

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.plymouth.ac.uk
http://www.ipcc.ch

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