Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den letzten Sumatra-Tigern auf der Spur

06.03.2008
An der TU Dresden ist ein DAAD-Projekt beheimatet, das die genetische Struktur der vom Aussterben bedrohten Art erforscht

Auf Sumatra lebt eine vom Aussterben bedrohte Population des asiatischen Tigers, der Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae). Die kleinste lebende Unterart der Raubkatze ist deutlich gefährdet: maximal 500 Tiere, so schätzt Prof. Sven Herzog, Inhaber der Professur für Wildökologie der TU Dresden, gibt es noch.

Der Wildökologe will genauer herausfinden, wieviel Tiere auf der indonesischen Insel leben, was ihr Überleben gefährdet, und vor allem wie es um ihre genetische Struktur steht. Sie bestimmt nämlich, wie anpassungsfähig die Tiger tatsächlich sind.

"Wie groß ist die Chance des Sumatra-Tigers, die nächsten 100 Jahre zu überleben? Artenvielfalt interessiert mich dabei eigentlich gar nicht so sehr. Viel wichtiger ist die genetische Vielfalt, eine ausgeprägte genetische Variation unterhalb der Ebene der Art, damit sich eine Art an die Umwelt, ergo den Menschen, anzupassen versteht", erklärt Sven Herzog. Nüchtern umreißt der Wissenschaftler das Ziel seiner Forschung: "Wir dürfen die Realität nicht aus den Augen verlieren. Es geht nicht darum, alles zu erhalten, wie es einmal war, sondern Pflanzen und Tieren die Möglichkeit zu geben, in der heutigen Welt zu überleben!"

Wie ermittelt man aber die genetische Struktur einer Tierart, von der auf Tausenden von Quadratkilometern gerade einmal eine Handvoll Tiere lebt? Zumal der Sumatra-Tiger ja aus naheliegenden Gründen nicht gejagt werden darf. Der in Dresden arbeitende DAAD-Stipendiat Muhammad Ali Imron entwickelt im Rahmen seiner Doktorarbeit gerade im Labor eine nicht-invasive Erhebungsmethode: über Haare oder Exkremente der Tiger soll DNA gewonnen werden, damit jedes einzelne Individuum identifiziert werden kann. Mit Unterstützung der Gadjah-mada Universität in Yog-Yakhatr, mit der die TU Dresden für dieses Projekt zusammenarbeitet, will Imron herausfinden, welche Streifgebiete und welche bevorzugten Beutetiere der Tiger hat. Dabei kann sich der Student nur an ganz wenige Studien zum Sumatra-Tiger und zu anderen Tiger-Unterarten, etwa in Indien, halten.

Das wohl entscheidende Problem ist jedoch ein anderes: bisher ist nicht genau geklärt, wie aus den eingesammelten Proben der Losung die Tiger-DNA von der Tigerbeute-DNA unterschieden werden kann. Eventuell muss Imron deshalb bei der Forschungsarbeit noch einen Schritt zurückgehen und über Diätstudien in Zoos und Tierparks herausfinden, wie Beute- und Raubtier-DNA genau charakterisiert ist. Möglicherweise kann der Forscher hier auf bereits veröffentlichte Erkenntnisse indischer Kollegen zurückgreifen.

Die genetische Struktur einer aussterbenden Art zu erforschen - das ist ein typisches Thema des Fachbereichs Wildökologie. Die in Tharandt bei Dresden ansässigen Forscher beschäftigen sich vorrangig mit Tierarten, die einer Interaktion mit dem Menschen unterliegen. "Immer dort, wo einem Tier das Fell über die Ohren gezogen wird, wo es Schäden macht oder vielleicht Nutzen, handelt es sich ja um eine Art der Interaktion mit dem Menschen", erklärt Sven Herzog. "Conservation Biology, die Entwicklung langfristiger Schutzmaßnahmen in der Ko-Evolution von Menschen und Wildtieren, und natürlich der Wissenstransfer in einem Umfeld voller Interessengruppen; das sind unsere wichtigsten Ziele."

Informationen für Journalisten: Prof. Sven Herzog, Tel. 035203 38-31232, E-Mail: herzog@forst.tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Studie zum Klimaschutz: Mehr Wald – weniger Fleisch
15.10.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Neuartiges Verfahren für das Kunststoffrecycling präsentiert: Großes Industrie-Interesse an Forschungsprojekt „MaReK"
09.10.2019 | Hochschule Pforzheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics