Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuwanderung kann demographischen Wandel abmildern

02.10.2012
Aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zu Migration und Demographie in Städten und Gemeinden: Ländlicher Raum zieht kaum Zuwanderer an

Deutschland schrumpft, und nur Zuwanderung kann das verhindern. So lautet die Prognose für die demographische Entwicklung in Deutschland.

Die bundesweite Statistik bestätigt das: Der positive Wanderungssaldo – 2011 wanderten 280.000 Menschen mehr ein als aus – sorgte im vergangenen Jahr sogar erstmals seit 2002 wieder für einen Bevölkerungszuwachs.

Zwei Tage vor dem ersten Demographiegipfel der Bundesregierung in Berlin zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung jedoch, dass sich die Hoffnung, Zuwanderung könne den Bevölkerungsrückgang bremsen, bisher nur für urbane Zentren erfüllt. In die vom demographischen Rückgang besonders betroffenen Kommunen findet Zuwanderung kaum statt. Im Gegenteil: Dort sinkt mit der Einwohnerzahl auch der Ausländeranteil.

Nach Daten des Demographie-Portals www.wegweiser-kommune.de der Bertelsmann Stiftung wachsen urbane Zentren wie etwa München, Stuttgart oder Dresden, bis 2030 um durchschnittlich rund fünf Prozent. Dagegen geht die Bevölkerungszahl in vielen strukturschwachen Kommunen im ländlichen Raum, zu denen etwa Bad Harzburg in Niedersachsen oder Angermünde in der Uckermark zählen, um durchschnittlich rund 20 Prozent bis 2030 zurück.

Für die aktuelle Studie „Migration und demographischer Wandel“ hat das Institut GEBIT in Münster den Ausländeranteil für die unterschiedlichen Kommunen analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass demographisch wachsende Städte wie die urbanen Zentren und die prosperierenden Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren die höchsten Ausländeranteile haben.

Im Westen betragen die Ausländeranteile in Metropolen wie München 23,1 Prozent, Stuttgart 22,5 Prozent, Frankfurt am Main 20,9 Prozent, Köln 16,2 Prozent oder Berlin 13,7 Prozent. Im Osten gehört Dresden mit 4,7 Prozent Ausländeranteil zu den Städten, die im ostdeutschen Vergleich besonders viele Ausländer anziehen. Demgegenüber leben in den stark schrumpfenden und in den strukturschwachen Kommunen im ländlichen Raum durchschnittlich weniger als drei Prozent Ausländer – Tendenz rückläufig.

„Zuwanderung kann demographische Probleme abfedern, aber das gilt nur für bestimmte Typen von Städten“, sagt Ulrich Kober, Migrationsexperte der Bertelsmann Stiftung: „Zuwanderung funktioniert bislang eher nach dem Matthäus-Effekt – wer hat, dem wird gegeben.“ Dies trifft auch für die Altersstruktur der Städte zu. Die Städte mit ohnehin vielen jüngeren Einwohnern werden durch den relativ hohen Ausländeranteil nochmal begünstigt. Denn Zuwanderer sind im Durchschnitt jünger als das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung und wirken sich somit positiv auf die Altersstruktur aus.

Wenn die Zuwanderungspolitik in Deutschland künftig mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland anlocken will, werden sich die regionalen Unterschiede in der demographischen Entwicklung vermutlich weiter verstärken. „Das wäre auch insofern problematisch, weil in ländlichen Regionen angesichts des Fachkräftemangels beispielsweise im Pflegebereich durchaus Bedarf an Zuwanderern besteht“, sagt Kober.

Die Herausforderungen für die verschiedenen Städte-Typen unterscheiden sich nur auf den ersten Blick erheblich. Zwar müssen manche Städte mehr Integrationsarbeit leisten, während andere um jeden Zuwanderer werben müssen. „Wenn Deutschland von Zuwanderung profitieren möchte, muss sich eine Willkommenskultur entwickeln. Da haben wir riesigen Nachholbedarf“, sagt Kober. Zuwanderer interessierten sich nicht nur für eigene berufliche Perspektiven, sondern auch für die Chancen ihrer Familien, im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

Informationen zur Studie:

GEBIT Münster (Gesellschaft für Beratung sozialer Innovationen und Informationstechnologie) ist ein sozialwissenschaftliches Institut in Münster. Für die Studie „Migration und demographischer Wandel“ wurden die Ausländeranteile von Kommunen untersucht, die das Demographieportal www.wegweiser-kommune.de der Bertelsmann Stiftung ausweist. Mit dem Ausländeranteil ist nur ein Teil der Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte abgebildet: Vergleiche mit dem Mikrozensus, der den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung insgesamt, aber nicht für einzelne Kommunen erhebt, zeigen, dass der im Wegweiser Kommune ausgewiesene Ausländeranteil ein relativ guter Indikator für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund insgesamt darstellt.
Rückfragen an: Ulrich Kober, Bertelsmann Stiftung
Telefon: 0 52 41 / 81 81 598
E-Mail: ulrich.kober@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Lucy hatte ein affenähnliches Gehirn
02.04.2020 | Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

nachricht Neue ESO-Studie bewertet den Einfluss von Satellitenkonstellationen auf astronomische Beobachtungen
05.03.2020 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

06.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Virtueller Roboterschwarm auf dem Mars

06.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics