Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Wohnerlebnis in Deutschland: Beständigkeit und Wandel in den vergangenen 20 Jahren

05.06.2012
Eine Studie der Leibniz Universität Hannover gewinnt neue Erkenntnisse über die aktuellen Ansprüche an Wohnungen in Deutschland

Wohnungen in Deutschland sollen vor allem gemütlich, gleichzeitig aber auch pflegeleicht und praktisch sein. Erst danach folgt der Anspruch, mit der Wohnungseinrichtung die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen, wobei die Einrichtung meistens auch noch preiswert sein sollte.

Eine exklusive Einrichtung wünschen sich nur wenige. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur an der Leibniz Universität Hannover. In einer Repräsentativ-Untersuchung ließen die Projektleiterinnen Annette Harth und Gitta Scheller aus dem Fachgebiet Planungs- und Architektursoziologie mehr als 1.500 Erwachsene in Deutschland zum Thema Wohnerleben und Wohnverhalten befragen.

Das Besondere an der Studie: Sie greift auf Ergebnisse einer Untersuchung vor 20 Jahren zurück und erfasst somit neben der aktuellen Situation auch den Wandel des Wohnverhaltens und Wohnerlebens in Ost- und Westdeutschland.

Vieles ist sehr ähnlich geblieben. Das Wohnzimmer oder – neuerdings stärker verbreitet – das Wohn-Ess-Zimmer ist für 90 Prozent der Befragten der wichtigste und für etwa drei Viertel der meistgenutzte Raum und auch der Raum, in dem sie sich am wohlsten fühlen. Die meisten Befragten weisen – wie auch vor 20 Jahren – den Räumen eine hauptsächliche Funktion zu, d. h. im Schlafzimmer wird geschlafen, in der Küche wird gegessen, im Arbeitszimmer gearbeitet. Entsprechend stimmen 62 Prozent der Aussage zu, dass in der eigenen Wohnung jeder Raum einen besonderen Zweck erfüllt. Einzige Ausnahme bleibt das Wohnzimmer, das sich nach wie vor als sozusagen multifunktionaler Raum erweist.

Im Wohnzimmer konzentriert sich das Wohnerleben geradezu, weil dort unterschiedlichste Tätigkeiten – vom Fernsehen, Besuch empfangen, Lesen bis hin zum Feiern mit Freunden, Relaxen oder Arbeiten – ausgeübt werden. Dabei weisen auch die Einrichtungen ein hohes Maß an Konstanz auf. Die Wohnung ist in Deutschland nach wie vor Ort der Erholung, des Rückzugs, der Zusammengehörigkeit, Selbstverwirklichung und Freizeit.

Diese Konstanz ist nicht verwunderlich, so die Verfasserinnen der Studie. Das Wohnen, so wie wir es heute erleben, hat sich im Laufe von zwei Jahrhunderten herausgebildet: Die Wohnung ist ein nach außen abgeschirmter Raum, wo das Eigene und die Intimgruppe im Zentrum stehen.

Allerdings hat sich in dem historisch betrachtet kurzen Zeitraum von 20 Jahren auch Einiges verändert, beispielsweise hat sich die Individualisierung des Wohnverhaltens und Wohnerlebens fortgesetzt. Auch die Öffnung der Wohnung nach außen hat zugenommen: In Wohnungen wird heute verstärkt berufliche Arbeit erledigt, es werden häufiger Freunde und Bekannte empfangen als noch vor zwanzig Jahren. Es ist wichtiger geworden, jenseits der Standardräume über zusätzliche Räume zu verfügen. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Wohnungen heute viel größer sein müssen, es geht vielmehr um die Differenzierung der Wohnbereiche, wobei die Trennung von arbeitsbezogenen Räumen und gemütlichem Wohnen im Mittelpunkt steht.

Die Gestaltung einer angenehmen Wohnatmosphäre ist in erster Linie keine Frage von „schönem“ oder exklusivem Wohnen im Sinne von Möbel- oder Baukunst, so Annette Harth und Gitta Scheller. Vielmehr geht es den Menschen um eine Mischung von Gebrauchswert und Wohnlichkeit. Sie schätzen - laut Studie - beim Wohnen das Angenehme und wollen ein Wohn-Wohlbehagen, das aus Funktionalität, Ansehnlichkeit und Gemütlichkeit besteht.

Annette Harth/Gitta Scheller: Das Wohnerlebnis der Deutschen. Eine Wiederholungsstudie nach 20 Jahren. Wiesbaden: Springer VS Verlag, 2012, Preis: 24,95 €

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tiefe Hirnstimulation lindert schwerste Depression zuverlässig
15.03.2019 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Meta-Analyse der Ertragsstabilität: biologische und konventionelle Landwirtschaft im Vergleich
13.03.2019 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zähmung der Lichtschraube

22.03.2019 | Physik Astronomie

Saarbrücker Forscher erleichtern durch Open Source-Software den Durchblick bei Massen-Sensordaten

22.03.2019 | HANNOVER MESSE

Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt

22.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics