Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste prospektive Studie zeigt: Acetylsalicylsäure senkt Darmkrebs-Risiko

19.04.2002


Geringe Dosis mit großer Wirkung

Die Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff in Aspirin®, kann das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken um 40 Prozent vermindern. Die Gefahr, erneut Darmpolypen zu entwickeln, reduzierte sich um 19 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die von Dr. John A. Baron an der Dartmouth Medical School, USA, geleitet wurde. Sie ist die erste Studie, die vorausschauend und gezielt der Frage zur Wirksamkeit der Acetylsalicylsäure (ASS) bei Darmkrebs nachgegangen ist. Das jetzt veröffentlichte positive Resultat bestätigt, dass ASS vor Darmkrebs schützen kann, und das bereits bei einer geringen Dosierung von 81 Milligramm ASS täglich. Eine konkrete Therapie-Empfehlung kann aber noch nicht gegeben werden.

Die Untersuchung umfasste 1.121 Männer und Frauen, denen Darmpolypen operativ entfernt worden waren. Darmpolypen sind zunächst gutartige Geschwüre, die jedoch unbehandelt bösartig entarten können. Nach dem Eingriff wurde eine Gruppe mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt, eine zweite erhielt entweder 325 oder 81 Milligramm Bayer® Aspirin täglich. Die Forscher stellten nach einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren fest, dass sich bei 47 Prozent der Patienten, die ein Placebo erhielten, erneut Darmpolypen gebildet hatten. In der Patientengruppe, die mit niedrig-dosierter ASS behandelt wurden, war dies dagegen bei lediglich 38 Prozent der Fall. Außerdem zeigte die Studie, dass das Darmkrebs-Risiko bei einer niedrigen Dosierung von 81 Milligramm Bayer® Aspirin um 40 Prozent zurück ging, gegenüber 19 Prozent bei einer Dosis von 325 Milligramm. Ausgewertet wurden Fälle mit diagnostiziertem Darmkrebs und Darmpolypen, die kurz vor der Entartung stehen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wirkung von ASS unter anderem mit der Fähigkeit zusammenhängt, die Bildung von Prostaglandinen zu verhindern. Tumore weisen nämlich eine besonders hohe Konzentration dieser hormonähnlichen Substanzen auf.

Darmkrebs gilt als die zweithäufigste Todesursache bei Tumorerkrankungen. Weltweit treten jährlich etwa 850.000 neue Darmkrebsfälle auf, davon allein 50.000 in Deutschland. Obwohl die Heilungschancen bei frühzeitiger Diagnose gut sind, sterben allein in den USA jedes Jahr etwa 48.000 Menschen daran. Zu den vermeidbaren Risikofaktoren zählen beispielsweise ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum und Bewegungsmangel. Daneben spielen aber auch bestimmte Gen-Defekte eine Rolle. Ende der achtziger Jahre hatten 14 wissenschaftliche Untersuchungen bereits erste Hinweise geliefert, dass die regelmäßige Einnahme von ASS über einen mehrjährigen Zeitraum, das Darmkrebs-Risiko um durchschnittlich 40 Prozent senken kann. Da die Auswertung dieser Studien zur Wirkung von ASS jedoch retrospektiv, also rückblickend erfolgte, konnten die Ergebnisse bisher nur einen indirekten Zusammenhang darstellen.

Aspirin® wurde ursprünglich als Schmerzmittel entwickelt und hat inzwischen auf vielen weiteren Anwendungsgebieten Bedeutung erlangt, etwa bei Migräne-Kopfschmerz oder zur Vorbeugung eines zweiten Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Ob der Wirkstoff ASS in Zukunft auch eine Rolle bei der Prophylaxe von Darmkrebs spielen wird, müssen weitere langfristig angelegte Studien allerdings noch beweisen.

BayNews Redaktion | BayNews

Weitere Berichte zu: ASS Acetylsalicylsäure Darmkrebs Darmkrebs-Risiko Darmpolypen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mikroplastik in Kosmetik
16.11.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Laterale Hemmung hält ähnliche Erinnerungen auseinander
02.11.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

Einem Team von Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Gero Schmidt, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Martin Wolf, Fritz-Haber-Institut Berlin, ist ein entscheidender Durchbruch gelungen: Sie haben weltweit zum ersten Mal und „in Echtzeit“ die Änderung der Elektronenstruktur während einer chemischen Reaktion beobachtet. Mithilfe umfangreicher Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Ursachen und Mechanismen der Elektronenumverteilung aufgeklärt und visualisiert. Ihre Ergebnisse wurden nun in der renommierten, interdisziplinären Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Chemische Reaktionen sind durch die Bildung bzw. den Bruch chemischer Bindungen zwischen Atomen und den damit verbundenen Änderungen atomarer Abstände...

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

19.11.2018 | Physik Astronomie

Zikavirus-Vektorimpfstoff schützt im Mausmodell Mutter und Nachkommen

19.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Durchsichtige Fliegen

19.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics