Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Impfstoff gegen Malaria in Sicht

18.10.2006
Wirksamkeit jedoch geringer als bei Polio oder Masern

Eine Überprüfung von experimentellen Malaria-Impfstoffen hat durch die The Cochrane Collaboration ergeben, dass ein Impfstoff derart viel versprechend ist, dass die Ergebnisse ein rasches Vorgehen in Richtung Zulassung für den routinemäßigen Einsatz rechtfertigen. Damit würde der erste kommerzielle Impfstoff gegen eine der tödlichsten Krankheiten zur Verfügung stehen. Es könnte jedoch laut New Scientist sein, dass er gemeinsam mit anderen Impfstoffen eingesetzt werden muss, um die Krankheit wirklich zu stoppen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der The Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht.

Die Versuche einen Impfstoff zu entwickeln wurden dadurch erschwert, dass der Parasit seine Form während der Infektion mehrmals verändert. Diese Veränderungen verwandeln die Oberflächenchemikalien, die Impfstoffe normalerweise ausnutzen um dem Immunsystem das Erkennen eines Krankheitserregers zu ermöglichen. Unter den Forschern herrscht zusätzlich Uneinigkeit darüber, in welchem Stadium eine Impfung vorgenommen werden soll. Das Impfen gegen das erste Stadium, den Sporozoiten, der über den Moskito ins Blut gelangt, könnte eine Infektion gänzlich verhindern. Dem Immunsystem stünde dabei jedoch nur ein begrenzter Zeitraum für eine Reaktion zur Verfügung, bevor mit dem Merozoiten das nächste Stadium und damit das Eindringen in die roten Blutkörperchen erreicht wird. Eine Impfung würde die Infektion nicht verhindern aber die Schwere der Erkrankung verringern.

Die Cochrane Collaboration untersuchte aktuelle Versuche mit vier führenden Kandidaten für einen Sporozoiten-Impfstoff. Drei zeigten keine klar bestimmbare Wirkung. Ein Impfstoff wies die erforderliche Wirksamkeit auf. Dieser Impfstoff besteht aus einem großen Stück eines Oberflächenproteins der Sporozoiten, das die Wissenschaftler an ein Oberflächenprotein des Hepatitis B Virus anhängten. Der Virusteil stimuliert das Immunsystem, während der Krankheitserreger das Immunsystem zum Angriff auf den Sporozoiten anregt. Der Impfstoff schützte in Amerika 41 Prozent der Freiwilligen, die im Labor mit Malariamoskitos in Berührung kamen. Bei Tests mit Kindern in Mosambik konnte innerhalb von 18 Monaten nach der Impfung die Anzahl der Erkrankungen um 26 Prozent verringert werden. Zusätzlich verringerte sich die Schwere der Fälle um mehr als die Hälfte. In Gambia traten 63 Prozent weniger Erkrankungen auf, nachdem Männern zwei Impfungen im Abstand von einem Jahr verabreicht worden waren.

Dieser Schutz erscheint im Vergleich mit dem nahezu vollständigen Schutz, den Impfstoffe gegen Polio oder Masern bieten, eher dürftig. Laut den Wissenschaftlern handelt es sich jedoch um die besten Ergebnisse, die bisher im Kampf gegen Malaria erzielt worden sind. Der Hersteller Smith Kline Beecham sollte diesen Impfstoff daher rasch auf den Markt bringen. Eine Kombination dieses Impfstoffes mit einem gegen Merozoiten könnte einen besseren Schutz ermöglichen. In einem weiteren Artikel der The Cochrane Database of Systematic Reviews wird berichtet, dass der einzige derartige Impfstoff, der bisher auf seine Wirksamkeit getestet wurde, die Erkrankungsrate bei australischen Freiwilligen und bei Kindern in Papua-Neuguinea nicht verringerte. Es kam jedoch zu einer Verringerung der Anzahl der Parasiten im Blut.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.cochrane.org
http://www.gsk.com

Weitere Berichte zu: Immunsystem Impfstoff Impfung Infektion Malaria Sporozoiten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie
18.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Was ist Asthma – und wenn ja wie viele?
12.09.2018 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics