Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kortison kann Frühchen helfen

22.09.2003


Dexamethason soll kindliche Hirnschäden vermeiden



Kortisonähnliche Stoffe können bei Frühchen Hirnschäden vermeiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute, Freitag, veröffentlichte Studie der Ruhr Universität Bochum. Demnach könnten Stoffe wie z.B. Dexamethason gegen massive Schädigungen des Gehirns, die durch Infektionen während einer Frühgeburt auftreten, eingesetzt werden.



Dexamethason könnte, so eine Studie der Medizinerin Beatrix Feldhaus, in Zukunft entscheidend dazu beitragen, Risiko-Patienten zu behandeln und kindliche Hirnschäden zu vermeiden. Denn Infektionen, die während einer Frühgeburt auftreten, können das kindliche Gehirn massiv schädigen - in Deutschland sind davon jährlich rund 1.000 Kinder betroffen. Die Perinatalmedizin nutzt Kortisonstoffe wie Dexamethason bereits seit längerem, um die Lungenreifung zu unterstützen. Daher seien die Risiken und Nebenwirkungen für das ungeborene Kind weitgehend bekannt und gut abschätzbar, teilte die Universität mit.

Bei ihren Experimenten hat Feldhaus den Einfluss so genannter entzündlicher Zytokine auf eine Zellpopulation, die Oligodendrocyten-Vorläuferzellen, untersucht. Die Stoffgruppe der Zytokine spielt bei Infektionen eine zentrale Rolle. Auch bei frühgeborenen Kindern, die an der Periventrikulären Leukomalazie (PVL) erkranken, könnten sie beteiligt sein. Die PVL ist durch eine Schädigung der weißen Hirnsubstanz gekennzeichnet, die aus Oligodendrocyten besteht. Bei Patienten mit einem frühkindlichen Hirnschaden ist der Zytokin-Anteil im Blutkreislauf erhöht.

Vermutlich schädigen die Zytokine die Zellen der weißen Hirnsubstanz, bevor diese ausgereift sind. In ihrem ausgereiften Stadium bilden sie das isolierende Myelin: Es ist entscheidend, damit das Nervensystem normal funktionieren kann - seine isolierenden Eigenschaften erhalten die hohe Geschwindigkeit, mit der Nervensignale weitergeleitet werden, aufrecht. Ist die Anzahl an reifen Oligodendrocyten zu gering, treten bei den betroffenen Patienten starke funktionelle Defizite auf, z. B. motorische Störungen.

Für ihre Experimente nutze Feldhaus Zellkulturen aus Oligodendrocyten-Vorläuferzellen von Ratten. Die Forscherin konnte zeigen, dass die entzündlichen Zytokine «Tumor Nekrose Faktor alpha» und «Interferon gamma» einen extrem starken Zellverlust verursachten. Die wenigen Zellen, die überlebten, waren zudem nicht in der Lage zu reifen und Myelin zu bilden. Feldhaus testete anschließend drei verschiedene Kortikoide, von denen Dexamethason den besten schützenden Effekt hatte: Sie behandelte eine Zellkultur gleichzeitig mit Zytokinen und Dexamethason, die Anzahl gesunder Zellen war fünf Mal höher als in der ungeschützten Zellkultur.

Beatrix Feldhaus | Ruhr Universität Bochum
Weitere Informationen:
http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2003/msg00294.htm

Weitere Berichte zu: Dexamethason Frühchen Hirnschaden Zellkultur Zytokin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics