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VDE: In Mikro- und Medizintechnik liegt Deutschland vorn

22.10.2002


VDE-Kongress 2002 "NetWorlds" in Dresden

Verband stellt Studie "Schlüsseltechnologien 2010" vor. Innovationen brauchen bessere Bildungspolitik, mehr Forschungsförderung und bessere Vernetzung von Wissenschaft und Industrie.

Mikro- und Nanotechnik, Informationstechnik sowie Bio- und Medizintechnik sind die Innovationsmotoren im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Deutschland/Europa haben in diesen Bereichen gute Chancen auf Führungspositionen im globalen Hightech-Wettbewerb. Notwendig zur Stärkung Deutschlands als Innovations-Standort ist eine effektivere Forschungsförderung, eine bessere Vernetzung von Forschung und Unternehmen sowie eine sinnvolle Bildungspolitik. Das ist das Fazit der VDE-Studie "Schlüsseltechnologien 2010", die der VDE anlässlich seines Kongresses "NetWorlds" in Dresden vorstellte. 300 Experten in Technologie-Unternehmen, Universitäten und Instituten wurden dafür im September 2002 befragt.

Die meisten Impulse für Innovationen gehen heute demnach (57%) von der Entwicklung der Mikrosystem- und Nanotechnik aus. Die Informationstechnik (IT) einschließlich Mobile Kommunikation und Networking (50%), Biotechnologie und Life Science (47%) halten Fachleute für die nächstwichtigen Schrittmacher. Im Vergleich zum VDE-Innovationsbarometer 2000 ist für die Experten das Potenzial der Nanotechnik und der Biotechnik erheblich gewachsen. Elektronik/Mikroelektronik (45%), Optische Technologie (36%), Internet, Software und Computing (30%) sowie die Produktionstechnik (24%) folgen als Taktgeber für Innovationen auf den Plätzen.

Auf die Frage, welche Bedeutung diese Schlüsseltechnologien für die Industrie haben, fällt die Antwort eindeutig aus: 90% der Experten messen ihnen "hohe oder höchste Wichtigkeit" für den Standort zu. Wo aber stehen Deutschland/Europa im Technologie-Wettbewerb? Die USA sind aus deutscher Sicht in den Bereichen Elektronik/Mikroelektronik, Informationstechnik, Software und Computing anerkannter Innovationsführer. Experten aus amerikanischen Unternehmen glauben mehr als ihre Kollegen in deutschen Firmen, dass Europa im Bereich Elektronik stärker zu den USA aufschließen wird. Genau umgekehrt verhält es sich mit der Informationstechnik: Deutsche Fachleute rechnen mehr als diejenigen in US-Firmen mit einer Annäherung Europas an die USA. In einem Punkt sind sich alle einig: Insgesamt wird die Rolle der Vereinigten Staaten als Motor des Fortschritts gegenüber Europa und Asien wohl abnehmen.

Spitzenpositionen behauptet Europa - und hier vor allem Deutschland - bei Mikrosystem-, Nano- sowie Medizintechniken. Asien - und dort an vorderster Front Japan - liegt in den Bereichen Elektronik/Mikroelektronik klar und beim Computing leicht vor Europa. Bei der Informationstechnik hat Asien einen leichten Rückstand hinter dem alten Kontinent, in der Nanotechnik ist Asiens Bedeutung geringer und in der Medizintechnik kaum vorhanden. Die technologischen Kräfteverhältnisse könnten sich bis 2010 nach Meinung der Experten verschieben: Europa dürfte im Bereich Elektronik/Mikroelektronik weiter aufholen, Asien zu Lasten der USA beim Computing. Hier rechnen die Fachleute mit einer Überraschung: Indien wird beim Aufholprozess ein schnelleres Tempo vorlegen als Japan.

Um die Weichen für die Zukunft richtig stellen zu können, muss man wissen, wo Schlüsseltechnologien künftig vorrangig praktisch eingesetzt werden. An erster Stelle steht nach Meinung der Fachleute die Bio- und Medizintechnik ("Einsatz sehr viel" bzw. "viel stärker": 91%), vor allem in der Diagnostik, Chirurgie und bei Implantaten. Auf den Plätzen folgen Auto, Verkehr und Telematik - mit den Themen Fahrsicherheit, Navigation, Verkehrsleitsysteme und allgemein Automobiltechnik, weiter die Telekommunikation mit den Schwerpunkten mobile Kommunikation, Automationstechnik sowie der Konsumsektor.

Was wird die Zukunft prägen? Vor allem die Telekommunikation sowie allerorts mobil verfügbare Mikrocomputer, das hält die Mehrheit der Experten für "sehr wahrscheinlich". Als "ganz sicher" oder "ziemlich wahrscheinlich" stufen die Fachleute die Aussicht ein, dass vernetzte Computer-Produkte und -Systeme bis 2010 alltäglich sein werden - vom Haushalt bis in Beruf und Freizeit. "Durchbruchartige" Fortschritte erwarten die Experten (stimme "voll und ganz" bzw. "weitgehend" zu: 63%) in der Medizintechnik auf den Gebieten Diagnostik, Prothetik und bei der Bekämpfung von Erbkrankheiten. Wie aber lassen sich Innovationen am besten fördern? Drei von vier Experten sind sicher, dass die Vernetzung von Technologien und Unternehmen große Bedeutung hat. Nahezu jeder zweite Befragte misst Deutschland dabei einen Standortvorteil zu. Etwa jeder dritte bewertet die Vernetzung zwischen Hochschulen und Unternehmen als "sehr oder ziemlich gut".

Und welche Faktoren hemmen in Deutschland Innovationen besonders? 75% bemängeln ein schlechtes Innovationsklima (stark oder ziemlich hemmend), 72% geben die Schuld der schlechten Ausbildung an Schulen - wohl ein PISA-Effekt. Weitere Standortnachteile: die Verlagerung von F+E-Aktivitäten ins Ausland, fehlende Fachleute, zu wenig Engagement der Politik sowie eine restriktive öffentliche Förderung. Letzteren Faktor beurteilen besonders Experten aus deutschen US-Unternehmen als Innovationshemmnis, möglicherweise vergleichen sie Deutschland mit den USA. Mangelnde Technikakzeptanz stufen die Befragten dagegen weniger dramatisch ein.

Der VDE ließ für die Studie 300 Experten aus den Bereichen Forschung, Entwicklung und Technologie oder aus der Geschäftsführung von Technologie-Unternehmen, Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstitute befragen.

Die VDE-Studie Schlüsseltechnologien 2010" können Sie für 150 Euro (VDE-Mitglieder 130 Euro) inkl. Mwst. entweder als Pdf-Datei unter www.vde.com herunterladen oder bestellen: VDE-Öffentlichkeitsarbeit, Stresemannallee 15, 60596 Frankfurt/Main, Fax 069 96 31 52 15, E-Mail service@vde.com

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