Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Software im Auto - Variantenvielfalt im Griff

15.02.2010
Der Anteil an Elektronik, Software und Steuergeräten im Fahrzeug wächst rasant. Mit dem Wandel hin zum Elektroauto wird sich dieser Trend verstärken. Fraunhofer präsentiert auf der Messe embedded world in Nürnberg (2. - 4. März 2010) in Halle 11, Stand 11-101 Lösungen, die helfen, die Software-Vielfalt im Auto in den Griff zu bekommen.

Autos sind rollende Computer - bis zu 80 eingebettete Rechensysteme, Steuergeräte und rund 1 Gigabyte Software steuern in modernen Fahrzeugen sämtliche Komponenten und technische Extras.

Das reicht vom Bremspurassistenten über den CD-Player bis hin zum Navigationsgerät Ein Ende des Softwarebooms ist nicht absehbar: Der Wunsch nach mehr Komfort und Sicherheit führt zu immer komplexeren Systemen, deren einwandfreies Zusammenspiel zusehends schwieriger wird. Dass die Komponenten meist von verschiedenen Zulieferern mit unterschiedlichen technischen Standards kommen, erschwert die Integration der Module.

Hier will die 2003 gegründete Initiative AUTOSAR (Automotive Open System Architecture), in der sich zahlreiche Hersteller und Zulieferer aus der Automobilindustrie zusammengeschlossen haben, bessere Bedingungen schaffen: Um die System- und Softwarekomponenten nahtlos ins Auto einbauen zu können, entwickeln die Partner den bislang fehlenden einheitlichen Standard für Software im Auto.

Auf der embedded world 2010 präsentiert sich Fraunhofer erstmals als Premium Member der AUTOSAR-Entwicklungspartnerschaft. Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Berlin, das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin und die Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK in München unterstützen die Gemeinschaft von Automobil- und Softwareherstellern sowie Zulieferern mit ihrer Expertise auf den Gebieten Systembeschreibungen, Diagnose und Automobil-Betriebssysteme sowie Test- und Qualitätssicherung. Zudem treiben sie die Austauschbarkeit von Softwarekomponenten zwischen verschiedenen Fahrzeugplattformen voran.

Alle eingebetteten Systeme müssen je nach Fahrzeugtyp individuell angepasst werden - für jedes Auto einzeln würde dies einen immensen Aufwand bedeuten. Dass ein Kunde beispielsweise keine Klimaanlage in seinem Golf GTI haben möchte, muss der Entwickler vorab geplant und die Auswirkung im Zusammenspiel der 80 Steuergeräte berücksichtigt haben. Hier schafft das ISST Abhilfe und zeigt mit der aXBench eine Software, mit der sich die zahllosen Fahrzeugfunktionen für die verschiedenen Automodelle und -varianten individuell zusammensetzen lassen. Dabei bietet die aXBench in der neuen Version ein verbessertes Variantenmanagement, das den Entwickler beim Design der Systemarchitektur strategisch unterstützt. Unterschiedliche Kundenwünsche sind damit leichter umsetzbar.

Die aXBench hilft Ingenieuren, verschiedene Lösungswege zu vergleichen. Sie können so zu einem sehr frühen Zeitpunkt die zu erwartende Codegröße, den Entwicklungs- und Testaufwand abschätzen. "Varianz bekommt man nicht dadurch in den Griff, eine Software nachträglich mit so vielen Parametern auszustatten, dass alle Konfigurationsmöglichkeiten abgedeckt sind", erklärt Dipl. Ing.

Markus Hardt vom ISST und AUTOSAR-Bevollmächtigter der Fraunhofer-Gesellschaft. "Vielmehr muss Varianz von Anfang an systematisch eingeplant werden." Die Funktionsweise der aXBench demonstrieren die Forscher auf der Messe anhand eines interaktiven Modelltrucks.

Die Arbeit der Entwickler von AUTOSAR-Softwarekomponenten wollen die Forscher des ESK vereinfachen. Im Auftrag der BMW Group haben die Forscher mit DLT (Diagnostic Log and Trace) ein Modul mit einem integrierten Übertragungsprotokoll und Speicherformat entwickelt. Dieses ermöglicht es Entwicklern, Informationen über den Zustand ihrer AUTOSAR-Software mit Hilfe von Log-and-Trace-Daten anzuzeigen. "Da das DLT über einheitliche Schnittstellen und ein einheitliches Übertragungsprotokoll und Ablageformat für Log- und Trace-Daten verfügt, wird die Arbeit der Systemintegration und Softwareabnahme enorm vereinfacht," sagt Dipl. Ing. Falk Langer, Wissenschaftler am ESK.

Für optimalen Insassenschutz und Komfort müssen die Steuerungssysteme im Fahrzeug zuverlässig funktionieren. Erfolgt das auch in Unfallsituationen? Das ist letztendlich eine Frage an die Qualitätssicherung, die sich mit systematischen Testverfahren und standardisierten Testumgebungen beantworten lässt. Auf der Messe demonstriert Fraunhofer FOKUS neue Technologien für Softwaretests und Qualitätssicherung - darunter den Standard "TTCN-3 embedded". Er soll die Automobilindustrie vor allem beim Testen von sicherheitskritischen Systemen unterstützen. "TTCN-3 embedded" ermöglicht es, die Prozesse zur Qualitätssicherung der Software-Komponenten sicherer, effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Zudem bietet der Standard einen systematischen und herstellerübergreifenden Testansatz für die Qualitätssicherung im Fahrzeug.

Mit dem Programm Assessment Studio zeigt das Fraunhofer FOKUS eine Lösung, die Entwickler beim Erstellen von AUTOSAR-konformen Anwendungen für eingebettete Systeme unterstützt. Ebenso wie ein Redakteur seinen Text vor dem Publizieren auf Rechtschreibfehler prüft, müssen Entwickler und Ingenieure ihre Funktionsmodelle zunächst auf inhaltliche Standardkonformität überprüfen, bevor effiziente und sichere Software generiert wird. Dabei ist es unerlässlich, dass die Modelle korrekt und konsistent sind. Bislang erledigen Modellierer diese Aufgabe manuell, bei komplexen Modellen ist das manuelle Verfahren jedoch sehr fehlerträchtig und zeitaufwändig. Assessment Studio erledigt diese Aufgabe automatisch. In Sekundenschnelle werden die Funktionsmodelle und abhängige Dokumente auf ihre Konformität plattformunabhängig geprüft. Hierfür liefert das Programm die entsprechenden Regeln wie beispielsweise AUTOSAR gleich mit. "Mit unserem Programm können die Ingenieure sicher sein, dass ihre Anwendungen AUTOSAR-konform sind," sagt Dipl. Ing. Tibor Farkas, Projektleiter am FOKUS.

Niklas Reinhardt | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/02/embedded-world-software-im-auto.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Cobot-Assistenz in der Montage: Flexible Lösungen für den Mittelstand auf der Hannover Messe 2020
19.02.2020 | Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM

nachricht HMI Preview 2020: Neue Herzen für Brennstoffzellen: Fraunhofer IWU forscht an zukunftsfähiger Serienproduktion
12.02.2020 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Im Focus: From China to the South Pole: Joining forces to solve the neutrino mass puzzle

Study by Mainz physicists indicates that the next generation of neutrino experiments may well find the answer to one of the most pressing issues in neutrino physics

Among the most exciting challenges in modern physics is the identification of the neutrino mass ordering. Physicists from the Cluster of Excellence PRISMA+ at...

Im Focus: Krankheiten ohne Medikamente heilen

Fraunhofer-Forschende wollen mit Mikroimplantaten Nervenzellen gezielt elektrisch stimulieren und damit chronische Leiden wie Asthma, Diabetes oder Parkinson behandeln. Was diese Therapieform so besonders macht und welche Herausforderungen die Forscher noch lösen müssen.

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist jede vierte Frau von Harninkontinenz betroffen. Diese Form der Blasenschwäche wurde bislang durch ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Plasmonen im atomaren Flachland

25.02.2020 | Informationstechnologie

Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

25.02.2020 | Informationstechnologie

Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

25.02.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics