Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SENSOR+TEST 2016: Forscher zeigen Sensorsysteme, die Schadstoffe in Raumluft aufspüren

04.05.2016

Messtechniker haben an der Universität des Saarlandes Sensorsysteme entwickelt, die ein einzelnes Schadstoffmolekül unter einer Milliarde Luftmoleküle ausfindig machen können. Die kostengünstigen Systeme können etwa zum Einsatz kommen, um Gebäude automatisch zu lüften, wenn die Schadstoffkonzentration im Inneren zu hoch ist. Dabei kann zugleich der Energieverbrauch des Gebäudes halbiert werden. In mehreren Projekten entwickeln Professor Andreas Schütze und sein Team ihre Technik mit Partnern weiter, gefördert von EU und Bundesforschungsministerium. Ihre Lösungen für gute Luftqualität in Innenräumen stellen die Forscher vom 10. bis 12. Mai auf der SENSOR+TEST 2016 in Nürnberg vor.

Halle 5, Stand 5-441

Wer einen neuen Schrank gekauft, einen Teppichboden verlegt oder die Türrahmen lackiert hat, kennt vielleicht dieses ungute Gefühl: Wie schädlich sind die Gerüche eigentlich, die von Möbeln, Klebern oder Lacken ausgehen, und die die Hausbewohner zwangsläufig mit der Atemluft inhalieren?


Professor Andreas Schütze von der Universität des Saarlandes forscht mit internationalen Wissenschaftlern (hier mit Donatella Puglisi von der Universität Linköping) an Gassensorsystemen.

Foto: Oliver Dietze


Wie links im Bild, könnte das System schon bald in Gebäuden zum Einsatz kommen: Prof. Andreas Schütze (r.) und Thorsten Conrad (3S GmbH) entwickeln ihr Sensorsystem für Luftschadstoffe zur Marktreife

Foto: Oliver Dietze

Bei neuen Sachen fällt der Geruch auf, aber nicht nur die Stoffe, die unangenehm riechen, können schädlich sein. „Schlechte Luft“ kann sich für menschliche Nasen völlig unbemerkt ausbreiten, gerade bei geschlossenen Fenstern.

„Das ist der Fall bei flüchtigen organischen Verbindungen, kurz auch VOC genannt, wie Formaldehyd, Benzol oder Naphthalin. Sie dünsten aus Möbeln, Teppichböden, Wandfarben oder Lacken aus und reichern sich in Innenräumen an. Gesundheitsschädliche Konzentrationen dieser Stoffe sind für den Menschen geruchlos“, sagt Professor Andreas Schütze, Gassensor-Experte an der Universität des Saarlandes.

In mehreren Projekten entwickelt seine Arbeitsgruppe neuartige Gassensorsysteme, die die Luftqualität überwachen. Hierbei arbeiten die Forscher mit Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen weltweit zusammen. Auf der Messe SENSOR+TEST geben die Saarbrücker Messtechniker Einblicke in ihre Forschung: „Wir demonstrieren unter anderem, wie unsere Sensoren Schadstoffe, also zum Beispiel Benzol, in der Raumluft erfassen“, erläutert Tilman Sauerwald, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Schütze.

Die Sensoren können viele Arten von Gasen, von Kohlenmonoxid bis hin zu krebserregenden organischen Verbindungen, aufspüren, und ihre jeweilige Konzentration bestimmen. Über einen bestimmten Zeitraum sammeln die Sensoren hierzu Moleküle und messen anschließend deren Menge. „Unter einer Milliarde Luftmoleküle können sie einzelne giftige Moleküle aufspüren“, sagt Tilman Sauerwald. „Wir entwickeln hierzu Gassensoren mit unseren Projektpartnern so weiter, dass wir immer niedrigere Konzentrationen selektiv messen können“, erläutert Sauerwald.

Ein System, das in Innenräumen kostengünstig und rund um die Uhr gleichbleibend für gute Luftqualität sorgt, entwickeln die Messtechniker der Saar-Uni zusammen mit der Firma 3S GmbH, die sich aus Professor Schützes Lehrstuhl heraus gegründet hat, und weiteren europäischen Partnern im Forschungsprojekt „SENSIndoor“. „Wenn die Sensoren Schadstoffkonzentrationen messen, die bestimmte Grenzwerte übersteigen, kann eine passende Lüftungstechnik über die Klimaanlage automatisch für Frischluft sorgen“, erläutert Professor Schütze.

Dadurch, dass das Sensorsystem gezieltes Lüften möglich macht, kann auch der Energieverbrauch von Gebäuden nach den Erkenntnissen der Forscher halbiert werden. „Wir arbeiten an verschiedenen Nutzungsszenarien etwa in Schulen, Büroräumen oder Privathaushalten“, sagt Schütze. „Ziel ist, das System so fortzuentwickeln, dass es sich genau an bestimmte Einsatzgebiete anpassen kann und die Lüftung auf die jeweilige Nutzung abstimmt. Zum Beispiel, indem es Büroräume automatisch vor Besprechungen, oder Schulräume vor Unterrichtsbeginn lüftet.“

Im Projekt „SENSIndoor“, das ein Gesamt-Volumen von 4,6 Millionen Euro hat, sind Forschungsinstitute und industrielle Partner aus Schweden (Universität Linköping und Sensic AB), Finnland (Universität Oulu und Picodeon LTD OY), der Schweiz (SGX Sensortech SA), Frankreich (SARL Nanosense) und Deutschland (Saar-Uni, Fraunhofer-Institut für chemische Technologien, 3S GmbH und Eurice GmbH) beteiligt. Die EU fördert das Projekt im siebten Forschungsrahmenprogramm mit 3,4 Millionen Euro, rund eine Million fließt ins Saarland.

Neben SENSIndoor sind auf der SENSOR+TEST 2016 auch die europäischen Forschungs-verbundprojekte MSP und IAQSense vertreten, die ebenfalls nanotechnologisch basierte Sensorsysteme für saubere Luft zeigen, sowie das Netzwerk EuNetAir, in dem sich rund 100 Institutionen und Wissenschaftler weltweit zusammengeschlossen haben, um für bessere Luftqualität zu forschen.

Pressefotos für den kostenlosen Gebrauch: http://www.uni-saarland.de/pressefotos
Prof. Andreas Schütze, Tel.: 0681/302 4663, E-Mail: schuetze@lmt.uni-saarland.de
Dr. Tilman Sauerwald: Tel. 0681/302 2256, E-Mail: t.sauerwald@lmt.uni-saarland.de
http://www.sensindoor.eu
http://www.lmt.uni-saarland.de/

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Telefoninterviews in Studioqualität sind über Rundfunk-Codec möglich (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-64091 oder -2601).

Claudia Ehrlich | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Medica 2019: Pharmaceuticals - new process quickly shows efficacy
12.11.2019 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Medica 2019: Arteriosklerose – neue Techniken helfen, richtigen Katheter und Lage von Gefäßverengung zu finden
11.11.2019 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

20.11.2019 | Materialwissenschaften

Eisberge als Nährstoffquelle - Führt der Klimawandel zu mehr Eisendüngung im Ozean?

20.11.2019 | Geowissenschaften

Gehen verändert das Sehen

20.11.2019 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics