Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gut genagelt heilt besser

08.09.2005


Wissenschaftler des Universitätsklinikums Mainz entwickeln einen optimierten Nagel für problematische Schienbeinbrüche.

Wissenschaftler der Klinik für Unfallchirurgie des Uniklinikums Mainz haben einen Titan-Nagel entwickelt, mit dem Schienbeinbrüche vor allem in der Nähe des Kniegelenkes und des Sprunggelenkes besser als bisher versorgt werden können. Dadurch heilt der gebrochene Knochen schneller und Fehlstellungen durch falsches Zusammenwachsen können weitgehend verhindert werden. Den Proximalen Tibia Nagel - kurz PTN - hat die Schweizer Firma Synthes inzwischen zu einem "Allround-Nagel" für Schienbeinfrakturen, der den Namen "Expert(tm) Tibianagel" trägt, weiterentwickelt. Auf dem 23sten Weltkongress der Internationalen Vereinigung für Orthopädische und Traumatologische Chirurgie in Istanbul stellt Prof. Pol M. Rommens, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, den Nagel heute erstmals einem großen Fachpublikum vor.

Verkehrsunfälle, Sportunfälle, Stürze aus unterschiedlicher Höhe - das sind die Hauptursachen für gebrochene Schienbeine, im Fachjargon Tibia. Dabei stellen solche Schienbeinbrüche die häufigsten Frakturen eines langen Röhrenknochens beim Menschen dar. Besonders schwerwiegend sind Brüche am oberen Ende des Schienbeins, also in der Nähe des Kniegelenkes. "Um solche proximalen Frakturen zu stabilisieren, kann der Unfallchirurg beispielsweise Nagel-Implantate in den Knochen einbringen und dort verankern", erklärt Prof. Rommens. "Doch das ist nicht immer unproblematisch. Einer der Gründe ist, dass der kleine Knochenteil oberhalb des Bruches sehr instabil ist und oft nicht optimal stabilisiert werden kann. Das verzögert natürlich die Heilung. Auch andere Techniken zur Stabilisierung - etwa Platten oder eine Fixierung von außen - haben ihre Nachteile."

Deshalb haben sich Wissenschaftler an der Mainzer Klinik für Unfallchirurgie daran gemacht, einen "idealen" Nagel für knienahe - proximale - Schienbeinbrüche zu entwickeln. So entstand ein Mainzer Nagel - der proximale Tibia Nagel (PTN). Der Clou des neuen Nagels ist die Verriegelungstechnik - also die Anordnung von Schrauben, mit denen der Nagel im Knochen verankert wird. Durch drei Schrauben auf unterschiedlichen Ebenen kann der Nagel besonders stabil mit dem Knochen verbunden werden.

Im Biomechanik Labor haben die Wissenschaftler den PTN im wahrsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen getestet. Mit einer speziellen Versuchsanordnung können sie etwa Biege- oder Dreh-Bewegungen des Unterschenkels naturgetreu simulieren. So setzen sie den Nagel genau jenen Belastungen aus, die er auch im "wahren Leben" aushalten muss. Die Wissenschaftler verglichen den PTN mit vier Alternativen, die teils bereits in der klinischen Anwendung, teils erst in der präklinischen Phase sind. Am Ende vieler Testreihen stand fest: Der neue PTN ist das zuverlässigste Implantat und hält auch großen Belastungen stand, ohne sich zu verformen oder gar zu brechen.

Auch erste klinische Tests hat der neue PTN bereits bestanden. Und die Ergebnisse sind viel versprechend. So ist der neue Nagel einerseits leichter und sicherer in den Knochen zu implantieren. Andererseits verzeichnen die Ärzte eine nur geringe Rate an Fehlstellungen - so kann der Knochen auch schneller und komplikationsärmer heilen.

"Wir waren sehr gespannt, ob und wie sich unser Nagel weiter etablieren würde", verrät Prof. Rommens. "Dass die Firma Synthes unsere viel versprechenden Versuche mit dem PTN aufgegriffen hat und jetzt den daraus entwickelten ’Expert(tm) Tibianagel’ für Schienbeinbrüche auf den Markt bringt, freut uns natürlich sehr. Schließlich bestätigt es in glänzender Weise die Leistungsfähigkeit des von uns entwickelten Implantates."

Weitere Informationen:

Prof. Pol M. Rommens, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie
Tel. 06131 / 17-7140, Fax 06131 / 17-4043
E-Mail: rommens@unfall.klinik.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinik.uni-mainz.de
http://www.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: PTN Schienbeinbruch Unfallchirurgie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Vital Signs Monitor
21.09.2018 | ALSKAR DESIGN BV

nachricht Relevante Stellen in Augenoperationsvideos maschinell erkennen
18.09.2018 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue CBMC-Geräteschutzschaltervarianten

22.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Kundenindividuelle Steckverbinder online konfigurieren und bestellen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics