Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Raffiniert verpackte Genwirkstoffe - Nanopartikel gegen immunologische Erkrankungen

18.09.2013
Aufgrund einer Förderung vom Sächsischen Wissenschaftsministerium in Höhe von 168.000 Euro kann eine fachübergreifende Kooperation an der Universität Leipzig die Idee vertiefen, Gentherapeutika mittels Nanopartikeln gezielt in Zellen des Immunsystems einzuschleusen.

Die Forscher wollen eine Plattformtechnologie entwickeln, die nicht nur bei immunologischen Erkrankungen eingesetzt werden kann. Die Förderung läuft bis Ende 2014. Eine sächsische Firma hat bereits Interesse an der viel versprechenden Technologie signalisiert.

Die neue Arbeitsgruppe um Dr. Jana Burkhardt (Translationszentrum für Regenerative Medizin TRM) und Prof. Achim Aigner (Leiter der Selbständigen Abteilung für Klinische Pharmakologie am Rudolf-Boehm-Institut der Medizinischen Fakultät) hat ihre Arbeit aufgenommen. Ziel der fachübergreifenden Zusammenarbeit ist es, das Immunsystem durch biologische Stoffe zu hemmen, die zu der neuartigen Medikamentklasse der Gen-Therapeutika gehören. Dafür steuern die Projektpartner unterschiedliches Fachwissen bei:

Die Biochemikerin Jana Burkhardt ist auf genetische Grundlagen infektionsabwehrender Zellen des Immunsystems spezialisiert, der Pharmakologe Achim Aigner auf therapeutische Nanopartikel und ihre klinische Anwendung. Gemeinsam entwickeln sie nun Wege, wie kleinste Pakete (Nanopartikel) gezielt bestimmte Immunzellen ansteuern können. Die in ihnen verpackten genetischen Botschaften (Nukleinsäuren DNA oder RNA) sollen krankheitsrelevante Prozesse des zukünftigen Patienten positiv beeinflussen.

Derart behandelte Stammzell-Transplantate werden beispielsweise nicht mehr vom Immunsystem abgestoßen, weil die sonst auftretenden entzündlichen Signale unterdrückt werden können. Eine besondere Herausforderung bei jeder Art von Gentherapie ist das Einschleusen der genetischen Botschaften in die Zielzellen. Sie müssen nicht nur ihren Zielort sicher und effektiv erreichen, sondern dürfen auch keine Nebenwirkungen in anderen Geweben verursachen. Ein Stoff hat sich in der Vergangenheit als besonders geeignet herausgestellt: Polyethylenimin (kurz PEI), Aigner hat mit dem Molekül langjährige Erfahrungen und wird es nun auf die Bedürfnisse der Immun-Genetikerin Jana Burkhardt anpassen.

Molekularbiologische Herleitung

Die Grundidee, Gene gezielt auszuschalten, beruht auf der mit dem Nobelpreis gekürten Methode der "RNA-Interferenz", erläutert Aigner seine Weiterentwicklung: "Dabei werden in die Zelle Nukleinsäuren in Form von doppelsträngigen RNA-Molekülen eingeschleust. Unter pharmakologischer Sicht sind sie jedoch ein Alptraum, weil sie zu groß, zu stark geladen und zu instabil sind. Hier kommen Nanopartikel ins Spiel, die wir als Verpackung entwickelt haben. Uns ist es nicht nur gelungen, sie in einen intakten Organismus einzuschleusen, wir können mit ihnen noch dazu ein beliebiges, auszuschaltendes Gen ansteuern."

Die Nanopartikel erfüllen dabei gleich drei wichtige Aufgaben: Sie schützen die instabilen Nukleinsäuren, die gleichzeitig kompakt in den Nanopartikeln verdichtet sind, so dass sie leichter von der Zelle aufgenommen werden. Und schließlich vermitteln die Nanopartikel, dass die Nukleinsäuren innerhalb der Zelle wieder freigesetzt werden. "Unsere Nanopartikel funktionieren schon", so Aigner. "Jetzt wollen wir eine neue Generation entwickeln. Ihre Oberfläche soll so gestaltet werden, dass sie spezifische Zielzellen ansteuern, beispielsweise T-Zellen."

T(hymus)-Zellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem, indem sie Fremdkörper wie Infektionserreger nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip über Rezeptoren erkennen. "Das Problem in gentherapeutischen Ansätzen für Immunerkrankungen liegt darin, dass T-Zellen außerordentlich schwer zu erreichen sind. Dadurch ist auch ein Therapeutikum schwer einzuschleusen", sagt Burkhardt.

"Erste Versuche mit unseren speziell gebauten Nanopartikeln waren vielversprechend und haben die Abstoßung von Stammzell-Transplantaten verhindert." Da dass Verfahren prinzipiell für jede Körperzelle und jedes Ziel-Gen anwendbar ist und enorme Möglichkeiten eröffnet, soll das Projekt auch eine Plattform-Technologie entwickeln. Denn die Übertragung auf andere Erkrankungen des Immunsystems, wie die häufige Rheumatoide Arthritis oder Asthma, ist durchaus denkbar. Eine sächsische Firma hat bereits Interesse bekundet, die Technologie in ihre Produktion aufzunehmen.

Projektförderung bis 2014

Das Leipziger Projekt "Verfahren zur effizienten, Nanopartikel-vermittelten Einschleusung therapeutischer Nukleinsäuren in Zellen des Immunsystems zur Gentherapie immunologischer Erkrankungen" wurde nach einem Auswahlverfahren in die Förderung des Freistaates Sachsen von Forschungsprojekten der Biotechnologie und Lebenswissenschaften aufgenommen. Die Gesamtförderung in Höhe von 168.000 Euro läuft bis Ende 2014.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Achim Aigner
Selbständigen Abteilung für Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Rudolf-Boehm-Institut
Telefon: +49 341 97-24660
E-Mail: achim.aigner@medizin.uni-leipzig.de
Web: www.uni-leipzig.de/~pharma
Prof. Dr. Frank Emmrich
Direktor TRM
Telefon: +49 341 97-25490
E-Mail: director@trm.uni-leipzig.de
Web: www.trm.uni-leipzig.de
Dr. Jana Burkhardt
Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig
Telefon: +49 341 97-39680
E-Mail: jana.burkhardt@trm.uni-leipzig.de
Web: www.trm.uni-leipzig.de
Weitere Informationen:
http://www.zv.uni-leipzig.de/service/presse/pressemeldungen.html?ifab_modus=detail&ifab_uid=2ed082862120130918104638&ifab_id=5098

Diana Smikalla | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de
http://www.trm.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics