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Dreifachblockade am Glioblastom

23.01.2018

Neue Methoden zur Behandlung bösartiger Hirntumoren stehen im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, an dem Wissenschaftler der Uniklinik und der Universität Würzburg beteiligt sind. Finanziert wird das Projekt von der Deutschen Krebshilfe.

Schnelles Wachstum, starke Infiltration des umliegenden Gewebes und häufige Rückkehr auch nach erfolgreicher Therapie innerhalb weniger Monate: Das sind die Kennzeichen des sogenannten Glioblastoms. Der Tumor entwickelt sich aus dem Stützgewebe des Gehirns, den Gliazellen; er zählt zu den häufigsten Hirntumoren bei Erwachsenen. Das Glioblastoma multiforme ist die aggressivste Variante dieser Krebsart.


Video: Bewegungsmuster einer hoch-invasiven Glioblastom-Zelllinie

Schlechte Prognose

Erste Symptome sind die klassischen Anzeichen eines erhöhten Hirndrucks wie etwa Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen. Später leiden die Erkrankten häufig unter neurologischen Ausfällen, zu denen Seh- und Sprachstörungen sowie Lähmungserscheinungen gehören, aber auch epileptische Anfälle und psychische Veränderungen.

Die Standardbehandlung besteht aktuell aus den drei Bausteinen Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist begrenzt: Ein Jahr nach der Diagnose sind maximal 50 Prozent der Betroffenen, nach zwei Jahren nur noch zehn bis 15 Prozent am Leben; die mittlere Überlebenszeit liegt bei etwa 15 Monaten.

170.000 Euro von der Krebshilfe

Aus diesem Grund unterstützt die Deutsche Krebshilfe e.V. jetzt mit rund 170.000 Euro ein neues Forschungsprojekt, das eine neuartige Therapie entwickeln will. Daran beteiligt sind Wissenschaftler und Ärzte an der Klinik für Strahlentherapie und der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Würzburg sowie am Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik der Universität Würzburg. Ihr Ansatz: Mithilfe des sogenannten „molekularen Targetings“ wollen die Forscher die Glioblastomzellen daran hindern, sich im Hirngewebe auszubreiten.

„Strahlen- und Chemotherapie hemmen zwar bei einem Glioblastom die DNA-Reparatur und das Wachstum der Tumorzellen, nicht jedoch das Invasionspotenzial“, schildert Tcholpon Djuzenova den Hintergrund dieses Forschungsprojekts. Diese eingeschränkte Wirkweise könnte einer der Hauptgründe für die hohe Rezidivrate dieser Tumoren sein, sagt die Professorin. Djuzenova ist Abteilungsleiterin im Zell-Labor der Klinik für Strahlentherapie und Leiterin des Projekts.

Blockade von drei Proteinen

Mit einem neuen Ansatz will das Würzburger Team die Ausbreitung der Tumorzellen stoppen. Ein potenzieller Angriffspunkt ist bereits identifiziert: „In zurückliegenden Forschungsprojekten konnten drei Proteine als Schlüsselregulatoren für die Migration und Invasion der Tumorzellen identifiziert werden“, erklärt Tcholpon Djuzenova. Die wissenschaftlichen Namen dieser Proteine lauten Hsp90, PI3K und mTOR. Glioblastomzellen produzieren diese Eiweiße im Übermaß.

In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt wollen die Forscher deshalb ein neues multi-modales Konzept zur Behandlung des Glioblastoms untersuchen, indem sie diese Schlüsselproteine gleichzeitig blockieren und so das Einwandern von Glioblastomzellen in das umgebende Gehirn – hoffentlich – unterdrücken. Sollte sich ihr Ansatz als erfolgreich erweisen, könnte später eine Kombination dieses innovativen Therapiekonzeptes mit einer herkömmlichen Strahlentherapie das Wachstum der Tumoren wirkungsvoll hemmen.

An dem Projekt sind beteiligt:

Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Tcholpon Djuzenova und Dr. Bülent Polat der Klinik für Strahlentherapie des Uniklinikums Würzburg

Die Arbeitsgruppe des Privatdozenten Dr. Mario Löhr von der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Würzburg

Die Arbeitsgruppe des Privatdozenten Dr. Vladimir Soukhoroukov am Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik der Universität Würzburg.

Die Laufzeit des Forschungsprojekts ist zunächst auf drei Jahre angesetzt.

Kontakt

Prof. Dr. Tcholpon Djuzenova, T: +49-(0)931-201-28424, djuzenova_t@ukw.de

Weitere Informationen:

Ein Video des neuen Behandlungsansatzes gibt es hier zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=HD8Jw54Ue74

Corinna Russow | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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