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Seuchen weltweit auf dem Vormarsch

28.01.2002


Wie das Magazin NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 2/02, EVT 28. Januar 2002) berichtet, sind Seuchen weltweit wieder auf dem Vormarsch. Noch vor wenigen Jahren sah es so aus, als könnte die Medizin den Kampf gegen die Seuchen gewinnen. Durch verbesserte Hygiene, weltweite Impfungen und moderne Antibiotika schienen die Mikroorganismen zunächst besiegt. Ein fataler Irrtum, der sich nicht nur jüngst im cholerabedrohten Kongo gezeigt hat. Urlaubsreisende oder Kriegsflüchtlinge, die Erreger über Landesgrenzen einschleppen, Mangelernährung in Ländern der Dritten Welt oder gegen Antibiotika resistente Mikroorganismen lassen die Verbreitung von ausgerottet geglaubten Infektionskrankheiten bedenklich in die Höhe schnellen, berichtet das Magazin. So hat etwa die Zuwanderung aus der früheren Sowjetunion eine Zunahme der Tuberkulose-Erkrankungen zur Folge. Derzeit infizieren sich jährlich 10000 Deutsche an dem durch Tröpfcheninfektion übertragenden Bazillus.

90 Prozent aller infektionsbedingten weltweiten Todesfälle sind auf sechs Krankheitserreger zurückzuführen: Grippeviren, die in ständig neuen Varianten auftauchen, das HIV-Virus, welches das menschliche Immunsystem außer Gefecht setzt oder Malaria, von der 40 Prozent der Weltbevölkerung gefährdet sind. Allein an Masern erkranken jährlich 30 Millionen Menschen, etwa 900000 sterben daran.

Bereits vor den terroristischen Milzbrand-Attacken auf Amerika, schlug die CIA im Jahr 2000 Seuchenalarm; der Weltsicherheitsrat bezeichnete die Angriffe als Bedrohung für die internationale Sicherheit, so NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND weiter.

Obwohl Impfstoffe die wirksamste und kostengünstigste Waffe im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind, wird in die Entwicklung neuer Präparate wenig Geld investiert. Weltweit koordinierte Bemühungen wären notwendig. Wie gut das gelingen kann, zeigt eine laufende Kampagne gegen Kinderlähmung: Dank umfang-reicher internationaler Kooperation sind in den letzten Jahren fast zwei Milliarden Kinder in Drittländern immunisiert worden. Manche Regionen unterbrachen sogar ihre kriegerischen Auseinandersetzungen, damit medizinische Helfer ungehindert passieren konnten.

Hoffnung im Kampf gegen Cholera und Hepatitis könnten auch Gen-Versuche an Pflanzen bringen. In Sachsen-Anhalt experimentieren Gentechniker mit Kartoffeln, Tomaten und Erbsen, die als Impfstoffe wirken: Die Forscher schleusen die nötigen genetischen Programme in die Zellkerne der Pflanzen ein. Diese entwickeln dann Antikörper, die jahrelang haltbar sind. Sicher ist, dass Pflanzen wesentlich mehr nutzbare Impfstoffe produzieren können als vergleichbare Kulturen tierischer Zellen oder Bakterien, so NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND. Bis die Medizin vom Acker allerdings in der grünen Apotheke nachgefragt werden kann, dürfte wohl noch viel Zeit vergehen.

Trotz dieser ermutigenden Anfänge bedarf es weiterer internationaler Anstrengungen, die Macht der Medizin gegen Seuchenerreger einzusetzen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Einsicht, dass weltweit alle Menschen durch Mikroorganismen bedroht sind.

Myriam Reinwein | ots
Weitere Informationen:
http://www.nationalgeographic.de.

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