Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Lapatinib einen Schritt weiter in der Brustkrebstherapie - Duale Hemmung der Signaltransduktion

11.04.2006


Der neue duale Tyrosinkinaseinhibitor Lapatinib bietet neue Chancen für Patientinnen mit HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs. Lapatinib befindet sich bei GlaxoSmithKline (GSK) in der Entwicklung und zeigt erste ermutigende Ergebnisse als primäre Monotherapie, als Monotherapie nach Trastuzumab-Vorbehandlung und in Kombination mit Trastuzumab bei Trastuzumab-Resistenz. Interessante Perspektiven tun sich auch auf in der Therapie von Hirnmetastasen und in der adjuvanten Situation.


„Bei 15-30 % aller invasiven Mammakarzinome findet man eine Erb2-Überexpression, die eine Schlüsselrolle in der onkogenen Transformation und Karzinogenese spielt“, erklärte Prof. José Baselga, Barcelona, auf einem Symposium anlässlich der 5. europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC) in Nizza.

Über den Erb-Signalweg wird vermittelt durch die Tyrosinkinase-Rezeptoren eine Signalkaskade angestoßen, die im Zellkern zu einer erhöhten mitotischen Aktivität führt. Es gibt mehrere Wege, in diese Signaltransduktion einzugreifen. Einer davon ist die Hemmung des Tyrosinkinaserezeptors an der intrazellulären Domäne durch small molecules. Lapatinib ist solch ein small molecule und der einzige duale Erb1- und Erb2-Blocker. Die klinische Entwicklung der Substanz hat inzwischen die Phase III erreicht.


Vielfältige neue Optionen

Vorteil der small molecules ist, dass sie oral anwendbar und schnell wirksam sind. Bei HER2-positivem metastasiertem Mammakarzinom bewirkte Lapatinib in klinischen Studien in 30 % der Fälle eine objektive Tumorrückbildung; unter anderem auch bei Trastuzumabrefraktären Patientinnen.

Experimentelle Befunde an Tumorzell-Linien, die synergistische Effekte von Trastuzumab und Lapatinib versprachen, konnten klinisch bestätigt werden: Lapatinib zeigte Aktivität in Kombination mit Trastuzumab bei stark mit dem monoklonalen Antikörper vorbehandelten Patientinnen, die unter dieser Therapie ein Rezidiv erlitten. In einer Phase-I-Studie mit Dosiseskalation kam es bei 26 % der Frauen zu einer objektiven Tumorrückbildung, bei 37 % zu einer Stabilisierung oder Rückbildung. Als optimale Dosis ermittelte diese Studie 1000 mg Lapatinib/Tag. Auch als Monotherapie in der Firstline-Therapie des fortgeschrittenen Brustkrebs war Lapatinib wirksam.

Aktivität gegen Hirnmetastasen

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass zwischen 10 und 16 % der Frauen mit Brustkrebs klinisch manifeste Hirnmetastasen entwickeln. „Bei Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom, die mit Trastuzumab behandelt werden, scheint die Inzidenz von Hirnmetastasen verschiedenen Studien zufolge auf 30 bis 40 % erhöht zu sein“, erklärte Prof. Eric P. Winer, Boston. Mögliche Erklärungen für diese Beobachtung sind ein unterschiedliches Metastasierungsverhalten HER2-positiver Tumore oder die Tatsache, dass Trastuzumab das Überleben verlängert und Hirnmetastasen damit mehr Zeit haben, klinisch manifest zu werden. In jedem Fall bereitet die Häufung von Hirnmetastasen ein besonderes Problem, weil Trastuzumab nicht leicht die Bluthirn-Schranke durchdringt und somit im Gehirn keine Aktivität entfalten kann. Lapatinib jedoch ist als small molecule liquorgängig. Dr. Winer stellte vorläufige Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit Lapatinib vor, in der Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs und Hirnmetastasen offen mit 2x 750 mg Lapatinib pro Tag behandelt wurden. Schon nach einer Woche zeigten sich Veränderungen der Fluor-Deoxyglykose–Aufnahme in der Positronen-Emission-Tomographie. „Lapatinib scheint im Gehirn genauso gut zu wirken wie außerhalb“, so Dr. Winer.

Neue Option für die adjuvante Therapie

Prof. Martine J. Piccart-Gebhart, Brüssel, ging auf die Datenlage in der adjuvanten Situation ein. Hier hat die Gabe von Trastuzumab in mehreren Studien (HERA, NSABP-B31, NCCTG N9831, BCIRG 006, FinHer) eine signifikante Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens, teilweise auch des Gesamtüberlebens für HER2-positive Frauen ergeben, wobei die optimale Dauer der Behandlung noch nicht geklärt ist. „Das zeigt jedoch, dass ein einzelnes Onkogen eine Schlüsselrolle in einem komplexen Krankheitsprozess spielen kann“, so Piccart-Gebhart. In der geplanten APHRODITE-Studie wird nach dem Modell der HERA-Studie untersucht, ob Lapatinib die Ergebnisse weiter verbessern kann. Die Patienten erhalten in vier Gruppen für ein Jahr folgende Therapien: Trastuzumab, Lapatinib, eine Kombinati-on aus beidem, oder Lapatinib im ersten und Trastuzumab im zweiten Halbjahr. Eine ähnliche Studie (NEO-APHRODITE; BIG 1-06) prüft den Stellenwert von Lapatinib in der neoadjuvanten Therapie, in Kombination mit Paclitaxel sowie mit Trastuzumab und Paclitaxel. Eine dritte Gruppe erhält Trastuzumab und Paclitaxel.

Unternehmensinformation

GlaxoSmithKline – eines der weltweit führenden forschungsorientierten Arzneimittel- und Healthcare-Unternehmen – engagiert sich für die Verbesserung der Lebensqualität, um Menschen ein aktiveres, längeres und gesünderes Leben zu ermöglichen.

Sonja Luz | GlaxoSmithKline
Weitere Informationen:
http://www.glaxosmithkline.de
http://www.die-forschenden-pharma-unternehmen.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs HER2-positivem Hirnmetastase Lapatinib Trastuzumab

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Differenzierte Bildgebung für bessere Diagnosen bei Brustkrebs
21.01.2020 | Universität Zürich

nachricht Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen
20.01.2020 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: A new look at 'strange metals'

For years, a new synthesis method has been developed at TU Wien (Vienna) to unlock the secrets of "strange metals". Now a breakthrough has been achieved. The results have been published in "Science".

Superconductors allow electrical current to flow without any resistance - but only below a certain critical temperature. Many materials have to be cooled down...

Im Focus: DKMS-Studie zum Erfolg von Stammzelltransplantationen

Den möglichen Einfluss von Killerzell-Immunoglobulin-ähnlichen Rezeptoren (KIR) auf den Erfolg von Stammzelltransplantationen hat jetzt ein interdisziplinäres Forscherteam der DKMS untersucht. Das Ergebnis: Bei 2222 Patient-Spender-Paaren mit bestimmten KIR-HLA-Kombinationen konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Auswirkungen feststellen. Jetzt wollen die Forscher weitere KIR-HLA-Kombinationen in den Blick nehmen – denn dieser Forschungsansatz könnte künftig Leben retten.

Die DKMS ist bekannt als Stammzellspenderdatei, die zum Ziel hat, Blutkrebspatienten eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen. Auch auf der...

Im Focus: Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen

Europäische Union fördert Forschungsprojekt „PredActin“ mit 1,2 Millionen Euro

Aktin ist ein wichtiges Strukturprotein in unserem Körper. Als Hauptbestandteil des Zellgerüstes sorgt es etwa dafür, dass unsere Zellen eine stabile Form...

Im Focus: Programmable nests for cells

KIT researchers develop novel composites of DNA, silica particles, and carbon nanotubes -- Properties can be tailored to various applications

Using DNA, smallest silica particles, and carbon nanotubes, researchers of Karlsruhe Institute of Technology (KIT) developed novel programmable materials....

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

KIT im Rathaus: Städte und Wetterextreme

21.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Darmentzündung: Immunzellen schützen Nervenzellen nach Infektion

22.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Neutronenquelle ermöglicht Blick in Dino-Eier

22.01.2020 | Geowissenschaften

Algorithmen und Sensoren für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft

22.01.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics