Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Druckfarben in Lebensmitteln: Gesundheitliche Bewertung mangels Daten nicht möglich

01.03.2006


BfR kritisiert lange Fristen bei Maßnahmen der Druckfarbenindustrie



Der Nachweis der Chemikalie Isopropylthioxanthon (ITX) in kartonverpackten Getränken hat eine Diskussion über die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Druckfarben ausgelöst: Weit über 1000 Stoffe werden zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen eingesetzt. Ob und in welchem Umfang sie in das Lebensmittel übergehen können, hängt von der Zusammensetzung der Druckfarbe und des Lebensmittels sowie vom Verpackungsmaterial ab. Das Problem: Anders als viele andere Stoffe, die im Kontakt mit Lebensmitteln eingesetzt werden, sind Druckfarben auf europäischer Ebene gesetzlich nicht geregelt. Für einen Großteil der Stoffe liegen keine Daten vor, die eine gesundheitliche Bewertung erlauben - das ist das Ergebnis einer außerordentlichen Sitzung der Kunststoffkommission des Bundesinstituts für Risikobewertung, die Ende Januar mit Vertretern der Druckfarbenindustrie in Berlin stattfand.

... mehr zu:
»Druckfarbenindustrie »ITX


Das Vorkommen einer Chemikalie in einem Lebensmittel allein stellt noch kein gesundheitliches Risiko dar. Erst die Gefährlichkeit der Substanz und der Umfang, in dem ein Verbraucher mit dem Stoff in Kontakt kommt, entscheiden über das Ausmaß eines möglichen Schadens und die Wahrscheinlichkeit, dass er eintritt. Rückstände von Druckfarben in Lebensmitteln können damit unbedenklich sein, aber ebenso gut ein ernstes gesundheitliches Risiko darstellen. Mangels Daten ist eine gesundheitliche Bewertung derzeit oft nicht möglich. Da die Hersteller die Verantwortung für die gesundheitliche Unbedenklichkeit ihrer Produkte tragen, sollten sie alle Anstrengungen unternehmen, um den Übergang solcher Stoffe in Lebensmittel zu vermeiden und die für eine gesundheitliche Bewertung erforderlichen Daten zu erarbeiten.

Anders als für zahlreiche andere Stoffe aus Druckfarben liegen für den Fotoinitiator ITX toxikologische Daten vor. Sie beschränken sich allerdings auf den Ausschluss einer erbgutschädigenden Wirkung der Substanz und reichen für die Bewertung der nachgewiesenen Gehalte in Lebensmitteln oberhalb von 50 Mikrogramm pro Kilogramm nicht aus. Damit gilt für ITX ebenso wie für andere, noch unbewertete Substanzen: Eine Aussage zum gesundheitlichen Risiko kann nicht getroffen werden. Die zum Teil hohen Rückstände sind aus Sicht der Risikobewertung nicht akzeptabel.

Das Gespräch zwischen der Kunststoffkommission und Vertretern der Druckfarbenindustrie im BfR hat ergeben, dass sich der Übergang von Stoffen aus Druckfarben auf Lebensmittel durch einen so genannten Abklatscheffekt oder aufgrund von Migration durch das Verpackungsmaterial technologisch derzeit nicht vermeiden lässt. Kurzfristig wird sich diese Situation auch nicht ändern: Die Druckfarbenindustrie setzt zur Erfüllung lebensmittelrechtlicher Anforderungen auf ihre eigene Leitlinie. Danach sollen besonders bedenkliche Substanzen von der Verwendung ausgeschlossen und für andere Stoffe toxikologische Daten vorgelegt werden. Die hierfür vorgesehenen Fristen halten das BfR und die Kunststoffkommission für unakzeptabel: Je nach Menge des zu erwartenden Übergangs der Substanz in Lebensmittel will die Industrie die Daten - insbesondere solche zur Klärung einer eventuell vorhandenen erbgutverändernden Wirkung - erst zwischen 2010 und 2015 vorlegen. Damit wäre sowohl die gesundheitliche Bewertung als auch die Überprüfung auf Einhaltung lebensmittelrechtlicher Anforderungen lange Zeit nicht möglich.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Homepage des BfR (http://www.bfr.bund.de) unter dem Stichwort "Bedarfsgegenstände"/Materialien im Kontakt mit Lebensmitteln.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de
http://www.bfr.bund.de/cm/216/druckfarben_in_lebensmitteln_bewertung_des_verbraucherrisikos_wegen_fehlender_daten_nicht_moeglich.pdf

Weitere Berichte zu: Druckfarbenindustrie ITX

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schlaganfall: Jeder fünfte bleibt rätselhaft
13.03.2019 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Brain Loses the Beat: Aging Changes the Fine-Tuning of Neuronal Rhythms During Sleep
27.02.2019 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zähmung der Lichtschraube

22.03.2019 | Physik Astronomie

Saarbrücker Forscher erleichtern durch Open Source-Software den Durchblick bei Massen-Sensordaten

22.03.2019 | HANNOVER MESSE

Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt

22.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics