Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Je mehr Kinder fernsehen, desto dicker werden sie

01.12.2005


Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin gibt konkrete Tipps, wie Eltern den TV / Medienkonsum ihrer Kinder eindämmen können

... mehr zu:
»DGSPJ »Fernsehkonsum »Medienkonsum »RKI

Die Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm: Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren werden um so dicker oder gar fettleibiger (adipös), je mehr sie am Tag fernsehen oder vor dem Computer sitzen. Besonders gefährdet sind nach den Ergebnissen neuer repräsentativer Erhebungen von Einschulungsuntersuchungen aus Köln diejenigen Kinder, die täglich mehr als drei oder vier Stunden am Tag Fernsehen schauen und einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer haben.

Da dies für immer mehr Kinder in Deutschland zutrifft, sieht die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) dringenden Handlungsbedarf. Wegen der schweren unerwünschten Folgen von TV-/Medienkonsum für die körperliche und geistige Kindesentwicklung hält es DGSPJ-Präsident Professor Harald Bode für dringend erforderlich, bei der Erziehung von Kindern klare Regeln für den TV / Medienkonsum aufzustellen.


Denn die bisherigen erzieherischen Anstrengungen reichen offenbar nicht aus, den ständig ansteigenden Fernsehkonsum von Vorschulkindern oder Schulkindern einzudämmen. Diese Erkenntnis resultiert aus Daten von insgesamt 9.832 Kölner Kindern im Einschulungsalter aus dem Jahr 2003, die vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst der Stadt Köln in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch Institut (RKI) Berlin ausgewertet worden ist.

Zentrales Ergebnis: Das Risiko von Kindern, die mehr als vier Stunden am Tag fernsehen, übergewichtig zu werden, ist fast dreimal so hoch wie das Risiko derjenigen Kinder, die weniger als zwei Stunden am Tag vor dem Fernseher sitzen. Kinder, die ein eigenes TV-Gerät im Zimmer haben, sind ganz besonders gefährdet, später einmal dick zu werden. Jedes fünfte Einschulungskind in Köln, das über einen eigenen Fernseher verfügt, ist übergewichtig. In Familien, in denen Kinder keinen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer haben, gilt dies nur für jedes achte Kind. Junge Fernseh-Vielseher laufen schließlich nach Darstellung von Robert Schlack vom RKI Berlin und Dr. Robert E. Wegener vom Gesundheitsamt in Köln verstärkt Gefahr, motorisch und sprachlich auffällig zu werden. Kinder aus Migranten- und Unterschichtfamilien sind eine besondere Risikogruppe, da dort überdurchschnittlich viele Medien konsumiert werden und die Rate an übergewichtigen Kindern überdurchschnittlich hoch ist. All dies ist für die Entwicklung von Kindern besonders fatal, da die Folgen von überzogenem TV- und Medienkonsum im frühen Kindes- und Schulalter oft lebenslang anhalten und rückwirkend nur schwer zu korrigieren seien. Auch zahlreiche andere Untersuchungen zeigen: Zu viel Fernsehen schädigt umfassend und nachhaltig die kindliche Entwicklung. Störungen der Sprache und der Motorik, Aufmerksamkeits- und Lernstörungen häufen sich.

Den einzig gangbaren Weg, dieses Dilemma zu lösen, sieht die DGSPJ darin, präventive Ansätze insbesondere für Risikofamilien massiv auszubauen. Dazu gehört zum Beispiel, strikte Regeln aufzustellen, um den Fernseh- und Medienkonsum von Kindern regulieren und kontrollieren zu können. Konkret hält Bode zudem folgende Maßnahmen für erforderlich:

- Frühzeitig bei allen Gelegenheiten (Kindervorsorgen, Schuleingangsuntersuchungen, Erziehungsberatung) die Gefahren übermäßigen TV-Konsums thematisieren. Dabei muss allerdings der Umgang mit dem Medium Fernsehen von den Eltern häufig erst noch gelernt werden. Hilfreich dabei ist es, Vorab Sendungen mit dem Kind auszusuchen, gemeinsam Fernsehen zu schauen und Gesehenes auch zu besprechen. Bei Kindern unter drei Jahren sollte aufs Fernsehen gänzlich verzichtet werden, von drei bis sechs Jahren sollte die Fernsehzeit höchstens zweimal 30 Minuten am Tag betragen, im Grundschulalter 60 bis 90 Minuten.

- In den ersten zehn Lebensjahren grundsätzlich keinen eigenen Fernseher ins Kinderzimmer! Entsprechende Wünsche von Seiten der Kinder sollten zwar und diskutiert, aber nicht unbedingt erfüllt werden;

- Alle Weihnachtsgeschenke, die den Medienkonsum generell steigern, sollte von Seiten der Eltern gründlich überdacht werden. Dies gilt auch für Computer und Playstations.

- Weitere Programme im frühen Kindesalter auflegen, mit denen unter anderem die sprachlichen und motorischen Fähigkeiten insbesondere von Risikokindern im Vorschulalter verbessert werden.

Doch auch die Eltern selbst können ihren Beitrag leisten, damit Bildschirm-Medien ihre Kinder nicht dick, dumm und ungeschickt machen. Dazu, so Bode, müssten die Erwachsenen aber ihrer Rolle als Vorbilder besser gerecht werden und ihren eigenen Fernsehkonsum ebenfalls einschränken.

Professor Dr. Harald Bode | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de
http://www.kindernetzwerk.de/

Weitere Berichte zu: DGSPJ Fernsehkonsum Medienkonsum RKI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics