Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sonnenschutz durch Ernährung möglich

05.09.2001


Präventivmedizinische Maßnahmen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und insbesondere der Bereich Prävention und Ernährung ist dabei ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt. Eine Ernährung reich an Früchten und Gemüsen, die Antioxidantien wie z.B. Carotinoide enthalten, ist korreliert mit einem verminderten Risiko für bestimmte Krebsarten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Präventive Effekte werden auch für Erkrankungen gesehen, denen vermutlich lichtabhängige Effekte zugrunde liegen, wie Katarakt (grauer Star), altersabhängige Zerstörung des gelben Flecks im Auge oder lichtinduzierten Hautveränderungen.
ß-Carotin ist der bekannteste Vertreter der Gruppe der Carotinoide, die unter anderem als Photoprotektoren in Pflanzen und Mikroorganismen eine wichtige Rolle spielen. Mensch und Tier sind zur Carotinoidversorgung abhängig von der Aufnahme dieser Substanzen aus der Nahrung. In menschlichem Blut und Gewebe findet sich ein komplexes Gemisch von Carotinoiden; die wichtigsten Verbindungen sind @- und ß-Carotin, Lykopin, Lutein, Zeaxanthin und Cryptoxanthin.

Carotinkapseln als endogener Sonnenschutz

... mehr zu:
»Carotinoid »Lycopin

Verschiedene ß-Carotinpräparate sind als orale Sonnenschutzmittel im Handel. Bisher gibt es aber nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Substanz als Lichtschutzfaktor beim Menschen.
Hautschützende Wirkungen von Carotinoiden wurden insbesondere aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften postuliert. Die Substanzen sind in der Lage, reaktive Sauerstoffverbindungen (Radikdale) abzufangen.
Untersuchungen zu ß-Carotin als oralem Sonnenschutzmittel an Probanden zeigen, dass bei Supplementierung im Dosisbereich von 24 mg pro Tag über 12 Wochen Schutzeffekte erzielt werden. Nach ca. 8 Wochen Einnahme wurde eine deutliche Verminderung einer UV Licht-induzierten Hautrötung (Sonnenbrand) im Vergleich zur Kontrolle festgestellt. Dieser Effekt war nach 12-wöchiger Gabe von ß-Carotin noch stärker ausgeprägt. Eine Verbesserung der Schutzwirkung wurde durch die Kombination von ß-Carotin mit Tokopherol erzielt. Der durch die Einnahme von Carotin erhaltene Sonnenschutzfaktor lag bei etwa 2-3. Die Daten zeigen, dass ein oraler Sonnenschutz mit Carotinoiden grundsätzlich möglich ist. Durch die Einnahme von ß-Carotin läßt sich der Grundschutz der Haut erhöhen, jedoch sind bei starker Sonnenexposition zusätzliche Schutzmaßnahmen, wie die Anwendung von Sonnencremes, erforderlich.

Sonnenschutz durch carotinoidreiche Nahrung


Tomaten und Tomatenprodukte sind ein weitverbreiteter Bestandteil unserer Nahrung und enthalten in relativ großen Mengen das Carotinoid Lycopin, das auch für die charakteristische rote Farbe der Frucht verantwortlich ist. Lycopin ist im Hinblick auf seine antioxidativen Eigenschaften dem ß-Carotin in der Wirkung überlegen.
Um nachzuweisen, dass auch ein Sonnenschutzeffekt nur mit Nahrungsmitteln zu erreichen ist, erhielt eine Gruppe von Probanden, über einen Zeitraum von 10 Wochen, pro Tag 40g Tomatenpaste (entspricht 16 mg Lycopin) zusammen mit 10g Olivenöl. Die Kontrollgruppe erhielt nur das Öl. Nach 4 und 10 Wochen war die Konzentration an Lycopin in Blut und Haut angestiegen. Im Vergleich zur Kontrolle konnte nach 10 Wochen die deutliche Verminderung einer UV Licht-induzierten Hautrötung (Sonnenbrand) gemessen werden. Dieser Effekt war nach 4 Wochen noch nicht ausgeprägt. Auch in dieser Studie lag der erhaltene Sonnenschutzfaktor bei etwa 2-3. Die Untersuchung zeigt, dass Sonnenschutz mit carotinoidreicher prinzipiell Nahrung möglich ist.
Da wir einen Großteil der jährlichen Sonnenexposition ungeschützt (d.h. ohne Schutz durch Sonnencreme o.ä.) erfahren, sollte ein durch Nahrungsmittel oder Supplemente erhöhter Grundschutz im Rahmen der lebenslangen Protektion bedeutsam sein.

Literatur

Stahl W., Heinrich U., Jungmann H., Sies H., and Tronnier H. Carotenoids and Carotenoids plus Vitamin E Protect Against Ultraviolet Light-Induced Erythema in Humans. Am.J. Clin. Nutr. 71, 795-798, 2000

Stahl W., Heinrich U., Wiseman S., Eichler O., Sies H. and Tronnier H. Dietary
tomato paste protects against UV-induced erythema in humans. J. Nutr. 131: 1449-1451 (2001)

Stahl W. and Sies H. Protection against solar radiation - protective properties of antioxidants. In: Sun Protection in Man (Ed. P.U. Giacomoni) Elsevier 2001; pp 561-572

Junghans A., Sies H., and Stahl W. Macular Pigments Lutein and Zeaxanthin as Blue Light Filters Studied in Liposomes. Arch. Biochem. Biophys. 391: 160-164 (2001)

Dr. Victoria Stachowicz | idw

Weitere Berichte zu: Carotinoid Lycopin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gegen multiresistente Tuberkulose-Erreger: Mit künstlicher Intelligenz neuen Wirkstoffkombinationen auf der Spur
27.02.2020 | Klinikum der Universität München

nachricht Seeschnecken-Roboter erwacht durch Licht zum Leben
27.02.2020 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wiegende Halme auf der Handwerksmesse München

Talente-Sonderschau: Architekturstudenten der HTWK Leipzig zeigen filigrane Skulptur aus Strohhalmen – dahinter steckt eine Konstruktionsidee für organisch gekrümmte Fassaden

Swaying Straws (Wiegende Halme) heißt die Skulptur, die die zwei Architekturstudenten Fabian Eidner und Theodor Reinhardt von der Hochschule für Technik,...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Asteroid in eiserner Rüstung

28.02.2020 | Geowissenschaften

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

UV-Licht gegen störenden Unterwasserbewuchs – Innovatives Antifouling-System des IOW jetzt reif für Serienproduktion

28.02.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics