Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neurobiologie: Durchtrennte Nervenfasern wachsen wieder zusammen

09.08.2001


Bis heute gibt es noch kein Therapieverfahren zur Heilung von Querschnittlähmungen. Düsseldorfer Wissenschaftler haben jetzt im Tierexperiment gezeigt, dass Hoffnung besteht: Die Faserbahnen im Zentralnervensystem können regenerieren.

Wird eine Nervenfaser (Axon) durchtrennt, so führt das unweigerlich zum Untergang des abgetrennten Axonsegments. Die genauen Gründe für dieses Reparaturdefizit im Zentralnervensystem (ZNS) sind derzeit noch wenig erforscht. Die Suche nach den molekularen Ursachen und die Entwicklung von Therapieverfahren bei Hirn- und Rückenmarks- bzw. Querschnittverletzungen stellen heute eine der größten Herausforderungen der klinischen Neurowissenschaften dar.

Der Forschungsgruppe für Molekulare Neurobiologie an der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Hans Werner Müller ist es in den vergangenen Jahren gelungen, durch tierexperimentelle Studien eine der wichtigsten Regenerationsbarrieren zunächst im verletzten Gehirn und dann auch im Rückenmark von Ratten nachzuweisen und als eine Struktur der Extrazellulärmatrix zu identifizieren. Es handelt sich dabei um kollagenhaltige Basalmembranen, die sich in der Läsionsnarbe ausbilden und eine undurchdringliche Barriere für nachwachsende Nervenfasern darstellen. Sobald die Axone auf eine neugebildete Basalmembran in der Läsionsnarbe auftreffen, stellen sie ihr Regenerationswachstum ein.

Durch lokale pharmakologische Hemmung der Kollagenbiosynthese und Fibroblastenvermehrung konnte die Düsseldorfer Forschergruppen in einem zum

internationalen Patent angemeldeten RTP (Regeneration-Promoting Treatment)-Verfahren die Ausbildung der kollagenhaltigen Basalmembran nach Hirn- und Rückenmarksverletzungen im Tierexperiment erfolgreich unterdrücken.

Die Anwendung dieses Verfahrens hat zur Folge, dass nun der Weg für die nachwachsenden Axone frei ist und zahlreiche Fasern den Läsionsbereich problemlos überwinden können. Aktuelle Experimente von Susanne Hermanns, einer an diesen Studien maßgeblich beteiligten wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Forschungsgruppe, belegen, dass innerhalb von drei Monaten nach Durchtrennung einer motorischen Faserbahn im Rückenmark der Ratte und anschließender lokaler pharmakologischer Behandlung die regenerierenden Axone eine Wegstrecke von mindestens 1.5 cm zurückgelegt haben. In Verhaltensstudien wird derzeit geprüft, welche funktionellen Verbesserungen sich nach Anwendung des RPT-Verfahrens im regenerierenden Rückenmark einstellen.

Für weitere Informationen: Prof. Dr. Hans Werner Müller, Tel. 0211-81-1 84 10;
E-Mail: mueller@neurologie.uni-duesseldorf.de

Rolf Willhardt | idw

Weitere Berichte zu: Axon Basalmembran Nervenfaser Neurobiologie Rückenmark

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gegen multiresistente Tuberkulose-Erreger: Mit künstlicher Intelligenz neuen Wirkstoffkombinationen auf der Spur
27.02.2020 | Klinikum der Universität München

nachricht Seeschnecken-Roboter erwacht durch Licht zum Leben
27.02.2020 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wiegende Halme auf der Handwerksmesse München

Talente-Sonderschau: Architekturstudenten der HTWK Leipzig zeigen filigrane Skulptur aus Strohhalmen – dahinter steckt eine Konstruktionsidee für organisch gekrümmte Fassaden

Swaying Straws (Wiegende Halme) heißt die Skulptur, die die zwei Architekturstudenten Fabian Eidner und Theodor Reinhardt von der Hochschule für Technik,...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Asteroid in eiserner Rüstung

28.02.2020 | Geowissenschaften

Hate Speech bis KI: Online-Forscher_innen aus aller Welt treffen sich zur General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

UV-Licht gegen störenden Unterwasserbewuchs – Innovatives Antifouling-System des IOW jetzt reif für Serienproduktion

28.02.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics