Neurobiologie: Durchtrennte Nervenfasern wachsen wieder zusammen

Bis heute gibt es noch kein Therapieverfahren zur Heilung von Querschnittlähmungen. Düsseldorfer Wissenschaftler haben jetzt im Tierexperiment gezeigt, dass Hoffnung besteht: Die Faserbahnen im Zentralnervensystem können regenerieren.

Wird eine Nervenfaser (Axon) durchtrennt, so führt das unweigerlich zum Untergang des abgetrennten Axonsegments. Die genauen Gründe für dieses Reparaturdefizit im Zentralnervensystem (ZNS) sind derzeit noch wenig erforscht. Die Suche nach den molekularen Ursachen und die Entwicklung von Therapieverfahren bei Hirn- und Rückenmarks- bzw. Querschnittverletzungen stellen heute eine der größten Herausforderungen der klinischen Neurowissenschaften dar.

Der Forschungsgruppe für Molekulare Neurobiologie an der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Hans Werner Müller ist es in den vergangenen Jahren gelungen, durch tierexperimentelle Studien eine der wichtigsten Regenerationsbarrieren zunächst im verletzten Gehirn und dann auch im Rückenmark von Ratten nachzuweisen und als eine Struktur der Extrazellulärmatrix zu identifizieren. Es handelt sich dabei um kollagenhaltige Basalmembranen, die sich in der Läsionsnarbe ausbilden und eine undurchdringliche Barriere für nachwachsende Nervenfasern darstellen. Sobald die Axone auf eine neugebildete Basalmembran in der Läsionsnarbe auftreffen, stellen sie ihr Regenerationswachstum ein.

Durch lokale pharmakologische Hemmung der Kollagenbiosynthese und Fibroblastenvermehrung konnte die Düsseldorfer Forschergruppen in einem zum

internationalen Patent angemeldeten RTP (Regeneration-Promoting Treatment)-Verfahren die Ausbildung der kollagenhaltigen Basalmembran nach Hirn- und Rückenmarksverletzungen im Tierexperiment erfolgreich unterdrücken.

Die Anwendung dieses Verfahrens hat zur Folge, dass nun der Weg für die nachwachsenden Axone frei ist und zahlreiche Fasern den Läsionsbereich problemlos überwinden können. Aktuelle Experimente von Susanne Hermanns, einer an diesen Studien maßgeblich beteiligten wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Forschungsgruppe, belegen, dass innerhalb von drei Monaten nach Durchtrennung einer motorischen Faserbahn im Rückenmark der Ratte und anschließender lokaler pharmakologischer Behandlung die regenerierenden Axone eine Wegstrecke von mindestens 1.5 cm zurückgelegt haben. In Verhaltensstudien wird derzeit geprüft, welche funktionellen Verbesserungen sich nach Anwendung des RPT-Verfahrens im regenerierenden Rückenmark einstellen.

Für weitere Informationen: Prof. Dr. Hans Werner Müller, Tel. 0211-81-1 84 10;
E-Mail: mueller@neurologie.uni-duesseldorf.de

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Rolf Willhardt idw

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