Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sepsis fordert viel mehr Todesopfer als gedacht

20.12.2004


In Deutschland gibt es einen weitgehend unbekannten Killer: Nach einer aktuellen Studie des Kompetenznetzes Sepsis (SepNet) sterben hierzulande jeden Tag durchschnittlich 162 Menschen an einer Sepsis - den Folgen einer außer Kontrolle geratenen Infektion durch Bakterien oder andere Mikroorganismen.

... mehr zu:
»Lungenentzündung »Sepsis

Die offizielle Todesursachen-Statistik des Statistischen Bundesamtes geht dagegen von "nur" 16,7 Sepsis-Toten pro Tag aus. "Unsere Studie zeigt, dass die Bedeutung der Sepsis bisher völlig unterschätzt worden ist", so Dr. Frank Martin Brunkhorst, Studienkoordinator des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten SepNet. "Nach den neuen Daten ist die Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland." Offensichtlich fordert die Sepsis fast ebenso viele Todesopfer wie der Herzinfarkt und deutlich mehr als Brustkrebs oder Darmkrebs.

Über die Hälfte der Patienten sterben Für die Studie besuchten Fachärzte des SepNet zwischen Januar 2003 und Januar 2004 an zufällig festgesetzten Stichtagen insgesamt 454 Intensivstationen in deutschen Krankenhäusern (Menschen mit einer Sepsis werden fast immer auf der Intensivstation behandelt). Elf Prozent der 3.800 Patienten, die an den Stichtagen behandelt wurden, litten an einer Sepsis. Brunkhorst: "Hochgerechnet auf ganz Deutschland sind das mehr als 150.000 Betroffene pro Jahr." Die Studienergebnisse verdeutlichen auch, dass jede Sepsis lebensbedrohlich ist - mehr als die Hälfte der erfassten Patienten starb an der Krankheit. Darüber hinaus verursacht die Sepsis enorme Kosten: Allein für die Behandlung der Patienten auf der Intensivstation werden pro Jahr schätzungsweise 1,7 Milliarden Euro aufgewendet. Studienleiter und Sprecher des SepNet, Professor Konrad Reinhart: "Das entspricht etwa 32 Prozent der Kosten, die auf deutschen Intensivstationen insgesamt anfallen. Die Sepsis ist dort der wichtigste Kostenfaktor." Zusätzlich zu den direkten Behandlungskosten entstehen indirekte Kosten, zum Beispiel durch Arbeitsausfall oder vorzeitige Verrentung, in Höhe von etwa 6,3 Milliarden Euro.


Die aktuelle Untersuchung des SepNet ist die erste Studie, die zuverlässige Aussagen darüber erlaubt, wie viele Menschen in Deutschland an einer Sepsis erkranken und wie viele der Betroffenen versterben. Das bisher verfügbare Zahlenmaterial beruhte hauptsächlich auf Meldungen der einzelnen Krankenhäuser zur Todesursache verstorbener Patienten. "Diese Angaben sind oft ungenau", erläutert Brunkhorst. "Da heißt es zum Beispiel, der Patient sei an einer Lungenentzündung gestorben. Tatsächlich war aber nicht die Lungenentzündung selber die Todesursache, sondern eine nicht beherrschbare Sepsis, die sich aus der Lungenentzündung entwickelt hat."

| BM für Bildung und Forschung
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Lungenentzündung Sepsis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

18.07.2018 | Physik Astronomie

Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg

18.07.2018 | Medizintechnik

Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze

18.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics