Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Xeroderma pigmentosum: "Mondscheinkinder" - Leben fast ohne Sonnenlicht

03.08.2004


Mondscheinkinder werden Menschen genannt, die an Xeroderma pigmentosum (XP) leiden. Dies ist eine erblich bedingte Hautkrankheit, bei der Sonnenlicht zu Veränderungen am Erbgut führen und Hautkrebs hervorrufen kann. "XP kommt zwar selten vor", erklärt Dr. Mark Berneburg, Oberarzt der Universitäts-Hautklinik Tübingen, "ist aber gewissermaßen "Modellkrankheit" für die Entstehung von Hautkrebs. Die Ergebnisse aus der XP Forschung können auf die gesamte Bevölkerung übertragen werden."



Die Uni-Hautklinik ist für diese Erkrankung Referenzzentrum und betreut 19 Patienten. In Deutschland gibt es zirka 50 Betroffene. Die Spezialisten um Dr. Berneburg beschäftigen sich neben den klinischen auch mit den wissenschaftlichen Aspekten von XP.



Patienten mit XP haben bereits seit früher Kindheit eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, schwere Sonnenbrände sind die Folge. Sie leiden an trockener Haut, Störungen der Pigmentierung und fehlgebildeten Gefäßen. Später entwickelt sich aus Vorstufen Hautkrebs. Hautveränderungen und viele Operationen führen zu Vernarbung und Entstellung.
Auch im täglichen Leben sind die Betroffenen und ihre Familien extrem eingeschränkt: Aktivitäten müssen nahezu vollständig auf den Abend verlegt werden, häufige Arztbesuche stehen an und Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden. Dies führt zu sozialer Isolation und Einsamkeit. Ein ständiger Begleiter ist die Angst vor bösartigen Hauttumoren.


Referenzzentrum / Forschung

Bei seltenen oder sehr schweren Erkrankungen werden so genannte Referenzzentren gebildet. Dorthin kommen Patienten aus ganz Deutschland zur komplizierten und teuren Diagnostik und Therapie. Die Ärzte des Zentrums an der Tübinger Uni-Hautklinik haben deshalb größte Erfahrung mit XP und können die Diagnose sicher stellen. Zudem wird die Erkrankung erforscht: Die Ergebnisse kommen den Patienten direkt zugute und bringen Erkenntnisse, die auf die Normalbevölkerung übertragbar sind.

Zur Behandlung von XP gibt es zwei Enzyme, die den Defekt, der bei den Patienten vorliegt, ersetzen. Diese Enzyme können als Creme aufgetragen werden. Sie reparieren Schäden im Erbmaterial, die durch UV-Licht hervorgerufen werden. Momentan gibt es zwei verschiedene Salben:

Die Wirksamkeit der einen Creme gegen Hautkrebs und seine Vorstufen wurde in einer Studie nachgewiesen, an der, neben weiteren Zentren in Deutschland, auch die Arbeitsgruppe von Dr. Berneburg beteiligt war. Es zeigte sich, dass Patienten mit der Creme deutlich weniger Hauttumoren entwickelten. Sie ist in Deutschland noch nicht erhältlich.
Auch für die andere Salbe gibt es Studien, die ergaben, dass sich die Schäden teilweise normalisieren. Die direkte Wirkung im Schutz vor Hautkrebs konnte bislang aber nicht nachgewiesen werden. Sie ist in Deutschland erhältlich.

Zurzeit entwickeln die Tübinger Wissenschaftler ein Testverfahren, mit dem das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, vorab bestimmt werden kann.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Hautklinik
Privatdozent Dr. Mark Berneburg
Liebermeisterstr. 25, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 45 55, Fax 0 70 71 / 29-33 98

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Hautkrebs Xeroderma pigmentosum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics