Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glucocorticoide - Bald weniger Nebenwirkungen

03.05.2001


... mehr zu:
»Neurodermitis
Hydrocortison ("Cortison") und die synthetischen Derivate (Glucocorticoide) der Nebennierenhormone sind - trotz teilweise schwerer Nebenwirkungen - aus der Therapie von Kontaktekzemen und des atopischen Ekzems
(Neurodermitis) nicht wegzudenken. In Zusammenarbeit mit Dermatologen der Ludwig-Maximilians-Universität München erforschen Pharmakologen der Freien Universität Berlin die Wirkungsweise dieser Steroidhormone auf molekularer Ebene, damit künftig eine schonendere Therapie von Hauterkrankungen möglich ist.

Die antientzündliche Wirkung von Glucocorticoiden ist unbestritten, aber wegen der viel diskutierten Nebenwirkungen ist die Akzeptanz der Therapie bei den Patienten sehr schlecht. Oft werden die Präparate deshalb zu zeitig abgesetzt - die akute Entzündung kann nicht ausheilen und flammt bald wieder auf. Während man in den USA vor allem die systemischen Nebenwirkungen wie das Cushing-Syndrom (mit Vollmondgesicht, Büffelnacken, Stammfettsucht) und die anhaltende Schrumpfung (Atrophie) der Nebennierenrinde fürchtet, sind es in Deutschland eher die Auswirkungen der lokalen Anwendung, die als sehr problematisch angesehen werden. Denn bei der längerfristigen Anwendung mittel und stark wirksamer Glucocorticoide, wie sie bei Neurodermitis erforderlich ist, kommt es häufig zu einer Hautatrophie. Durch die Hemmung der Fibroblastenvermehrung wird die Haut irreversibel dünner und kann bei mechanischer Belastung sogar reißen: Es bilden sich so genannte Striae, ähnlich den Schwangerschaftsstreifen, außerdem können feine Blutgefäße unter der Haut dauerhaft sichtbar werden (Teleangiektasien).

Obwohl bereits vor 15 Jahren Glucocorticoide entwickelt wurden, die - bei gutem therapeutischen Effekt - deutlich weniger Hautatrophie erzeugen, lagen die Ursachen hierfür lange im Dunkeln. Ebenso war es bislang nicht möglich, zwischen den einzelnen Substanzen eine Abstufung hinsichtlich Nutzen und Risiko zu treffen. Beide Themen werden in der Arbeitsgruppe von Prof. Monika Schäfer-Korting vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin erforscht. In Experimenten an isolierten Hautzellen gelang es den Wissenschaftlern, Parameter zu identifizieren, die die Nutzen/Risiko-Relation am Menschen widerspiegeln und daher bei neuen Substanzen dieser Wirkstoffklasse eine Prognose über den therapeutischen Wert ermöglichen.

Als besonders geeignet erwies sich die Selektivität des Eingriffs in das Zytokin-Netzwerk. Eine gute antientzündliche Wirkung spiegelt sich in der Abnahme der Hemmung der Interleukin-1-Synthese in den Keratinozyten wieder, während eine nur geringe Hemmung der Bildung dieses Zytokins durch Fibroblasten auf ein geringes Risiko einer Hautatrophie hinweist. Zur Zeit laufen Untersuchungen dieser Keratinozytenselektivität auf molekularer Ebene. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass sich der Abbau von Wirkstoffen mit besonders guter Nutzen/Risiko-Relation bei den beiden Zelltypen deutlich unterscheidet. So können Keratinozyten solche Glucocorticoide schnell, Fibroblasten hingegen nur langsam umwandeln.

Mittels partikulärer Trägersysteme ist es außerdem gelungen "High-Tech-Arzneimittel" zu entwickeln, die eine selektive Anreicherung der Wirkstoffe in der Epidermis (Oberhaut) - also dem Ort, an dem das Ekzem auftritt - bewirken. Im Korium (Lederhaut) hingegen, wo sich die Atrophie am stärksten manifestiert, steigen die Wirkstoffspiegel deutlich weniger stark an. In wie weit die Nutzen/Risiko-Relation im Einzelfall tatsächlich steigt, wollen die FU-Pharmakologen demnächst in Kooperation mit Dermatologen der Ludwig-Maximilians-Universität München mittels Haut-Ultraschall untersuchen. In naher Zukunft können so durch richtige Auswahl des Cortisonderivates unerwünschte Nebenwirkungen weitgehend vermieden werden. Ein Ende der Angst vor Cortison ist also in Sicht. Selbst bei Kindern, die am stärksten unter der Neurodermitis leiden, ist eine solche Therapie - zumindest kurzfristig - vertretbar.


Nähere Informationen erteilt Ihnen gern:

Univ.-Prof. Dr. Monika Schäfer-Korting, Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin, Königin-Luise-Str. 2 u. 4, 14195 Berlin-Dahlem, Tel.: 030 / 838-53283 oder -53284, Fax: 030 / 838-54399, E-Mail: msk@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw

Weitere Berichte zu: Neurodermitis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Narkolepsie: Wissenschaftler entlarven den Übeltäter der rätselhaften Schlafkrankheit
20.09.2018 | Universitätsspital Bern

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics