Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drogentest für Verkehrsteilnehmer

24.07.2003



In diesen Tagen schließen die ersten "auffälligen" Verkehrsteilnehmer Bekanntschaft mit einem neuen Testverfahren der Polizei: Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens hat die flächendeckende Einführung von Drogen-Vortests beschlossen, die im Schweiß Spuren von Hasch, Speed oder Heroin nachweisen können.

... mehr zu:
»THC

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn hatte die Methode bereits im vergangenen Jahr zusammen mit der Polizeiinspektion Bonn-Innenstadt im Praxiseinsatz getestet. Grundsätzlich bewerteten die Beamten das Verfahren positiv, auch wenn sie Mängel in der Handhabung sahen. Der Rechtsmediziner Dr. Frank Mußhoff warnt aber, die kostengünstigen Schnelltests, die nur eine oder wenige Substanzklassen nachweisen können, dürften nicht zu Lasten einer umfassenden Blutkontrolle gehen. Sonst stehe zu befürchten, dass selbst Fahrten unter dem Einfluss harter Drogen künftig statt als Straftat nur noch als Ordnungswidrigkeit geahndet werden könnten.

Wie das bekannte Alkohol-Pusteröhrchen auch liefern sämtliche Drogen-Vortests aber keine "gerichtsfesten" Ergebnisse. Das unterstreichen die Ergebnisse des Bonner Feldversuchs: Bei einem positiven Testergebnis auf Cannabinoide konnten die Bonner Rechtsmediziner lediglich in 58 Prozent der Fälle die Wirksubstanz THC auch im Blut nachweisen. "In Schweiß und Urin erscheint die Substanz erst später als im Blut; dort kann sie dann schon wieder abgebaut sein", erklärt Dr. Mußhoff. "Außerdem ist der Schweißnachweis schon dann positiv, wenn sich die getestete Person mit Marihuana-Konsumenten im selben Raum aufgehalten hat." Auf einen positiven Vortest muss daher immer eine Blutprobe folgen.


Die Polizeibeamten fanden die Urintests im Praxiseinsatz angenehmer als die Schweißprobe. Immerhin muss der Polizist beim Schweißtest den Teststreifen etwa 20 Mal über die Stirn des Verdächtigen reiben. Für die vier gebräuchlichsten Drogen Cannabis, Kokain, Amphetamine und Opiate gibt es zudem vier unterschiedliche Streifen. Weiß der Beamte nicht, wonach er sucht, muss der Fahrer das Prozedere also unter Umständen gleich mehrmals über sich ergehen lassen. "Beim ersten Mal machen die meisten noch mit, doch dann reicht es ihnen", so Hauptkommissar Uwe Schachtschneider. "Bei der Urinprobe werden dagegen die gebräuchlichsten Substanzklassen in einem Rutsch durchgetestet." Ein kompletter Urintest kostet ungefähr dasselbe wie zwei Einzeltests für Schweiß.
Grundsätzlich beurteilten die Beamten die Vortests aber als positiv, da sie ihnen bei der Entscheidung helfen, ob eine Blutentnahme angebracht ist oder nicht. Die kostengünstige Methode lässt zudem darauf hoffen, mehr Drogenfahrten als bisher aufzudecken. Rechtsmediziner Mußhoff übt aber auch Kritik: "Wenn der Schweißtest für eine Substanz positiv war, werden in der Praxis die anderen Drogen wahrscheinlich gar nicht mehr untersucht. Wenn dann aus Kostengründen auch bei der Blutprobe gesagt wird: Der Verdächtige war im Vortest THC-positiv, untersucht also nur auf THC, dann gehen uns möglicherweise wichtige Indizien verloren." Denn die Frage nach dem Mehrfachkonsum verschiedener Drogen ist nicht nur von akademischem Interesse: Den alleinigen Nachweis von Drogen wie THC im Blut ohne Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer wertet das Strafgesetzbuch nämlich als Ordnungswidrigkeit. Vor Gericht stuft der Staatsanwalt viele Fälle jedoch herauf zu einer Straftat - mit erheblich größeren rechtlichen Konsequenzen. "Das erhöht aber auch die Beweislast", erklärt Dr. Mußhoff, "bei einer Straftat sollte das Blut möglichst auf alle Drogen und die gängigsten bewusstseinsändernden Arzneimittel wie Valium untersucht werden." Unterbleiben die entsprechenden Nachweise, kommt der Täter womöglich glimpflich davon. "Immer wieder kommt es vor, dass vor Gericht ein Fall einfach nicht rund zu bekommen ist, weil bestimmte Anknüpfungspunkte nicht ermittelt wurden."

Ansprechpartner:

Dr. Frank Mußhoff
Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn
Telefon: 0228 - 73-8316
E-Mail: >f.musshoff@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: THC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Modernste Diagnostik eröffnet neue Perspektiven für eine "personalisierte“ Medizin
14.08.2018 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ist Salz besser als sein Ruf?
10.08.2018 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics