Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Richtige Zungenposition kann Schnarchen vermindern

24.07.2003


Mit einem neuartigen Therapieansatz hat die Abteilung Zahnärztliche Chirurgie des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen Erfolge gegen das Schnarchen erzielt.


Schematische Darstellung des Zungenparkmanövers. Grafik: ukg



Mit einer so genannten Mundvorhofplatte mit Druckanzeige können Patienten trainieren, die Lippen geschlossen zu halten und damit in der Mundhöhle durch Schlucken einen Unterdruck zu erzeugen. Dadurch wird die Zunge in einer besonderen Position "geparkt" und das Schnarchen vermindert. Bisher wurden in unterschiedlichen Behandlungszentren mehrere hundert Patienten mit der Methode behandelt.

... mehr zu:
»Mundhöhle


"Bei etwa 80 Prozent ergab sich eine Verbesserung der Schnarchsymptomatik," sagt Prof. Dr. Wilfried Engelke von der Abteilung Zahnärztliche Chirurgie. Die Abteilung unter Leitung von Prof. Dr. mult. Hans-Georg Jacobs untersucht die Vorgänge beim Schlucken und den Zusammenhang mit dem Schnarchen seit 1993 im Labor für orofaziale Polysensografie im Zusammenhang mit einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Dabei werden die Vorgänge in der Mundhöhle mit elektronischen und elektromagnetischen Sensoren, die Vorgänge im Rachen mithilfe der Endoskopie untersucht.

Für weitere Informationen ist eine spezielle Telefonnummer geschaltet: Am Freitag, 25.07. und Dienstag, 29.07.2003 erhalten Interessierte von neun bis zwölf Uhr Informationen unter 0551/39 - 2480. Weitere Informationen zum Thema unter 0551/39 - 2868.

Bei jedem Schluckvorgang wird der Zungengrund in festen Kontakt mit dem Gaumensegel gebracht, hierdurch wird das Schnarchen unterbrochen und der Rachen erweitert, willkürliches Schnarchen wird unmöglich. Der Kontakt zwischen Gaumensegel und Zungengrund wirkt dabei wie eine Art Ventil, so dass ähnlich wie beim Tragen einer Vollprothese die Zunge am harten Gaumen anhaftet. Dieser Vorgang wiederholt sich reflexartig bei jedem Schlucken, auch unbewusst während der Nacht. Die Mundhöhle stellt beim Schlucken ein hydraulisches System dar. Nur bei geschlossenen Lippen kann ein Unterdruck entstehen, der die Zunge und das Gaumensegel stabilisiert. Wie lange der Ventilmechanismus nach dem Schlucken wirkt, nur wenige Sekunden oder viele Minuten, hängt davon ab, ob das hydraulische System Mundhöhle geschlossen oder geöffnet ist.

Das neue und einfache Therapieprinzip beinhaltet, dass Patienten durch eine Mundvorhofplatte mit Druckanzeige trainieren, die Lippen geschlossen zu halten und in der Mundhöhle durch Schlucken einen Unterdruck zu erzeugen. Auf diese Weise kann der natürlich vorhandene Schluckreflex zur gewünschten Stabilisierung der Zunge und des Gaumensegels genutzt werden. Bei jedem Schluckvorgang werden Zunge und Gaumensegel erneut stabilisiert, und zwar mit der Übungsbehandlung nicht nur wenige Sekunden, sondern mehrere Minuten lang bis zum nächsten Schluckvorgang.

Das Konzept macht in vielen Fällen eine operative Behandlung wie zum Beispiel eine Verkürzung des Gaumensegels oder die Abtragung von Schleimhaut im Rachen überflüssig. Vor Behandlungsbeginn kann überprüft werden, welcher Effekt durch die Positionsänderung der Zunge beim Schlucken erzielt wird. Während der Therapie lässt sich mit einem Röntgenbild oder über eine endoskopische Untersuchung feststellen, ob damit eine ausreichende Weite des Luftweges zu erreichen ist. Im positiven Falle erhält der Patient ein Gerät für häusliche Übungen.

Die Übungsbehandlung dauert mehrere Wochen und wird zu Hause durchgeführt. Sie besteht im zweistündigen Tragen einer weichen Plastikschiene mit Druckanzeige im Mundvorhof. Ziel ist es, eine physiologische Zungenruheposition, die "Zungenparkposition" nach dem Schlucken anzutrainieren und eventuell vorhandene Mundatmung abzustellen. Die Schiene wird nach einer Eingewöhnungsphase auch nachts getragen. Wenn sich der Patient die "Zungenparkposition" nach etwa sechs bis acht Wochen antrainiert hat, ist nächtliches Tragen oft nicht mehr notwendig. Durch eine individuelle Schiene kann eine manchmal notwendige, längerfristige nächtliche Therapie unterstützt werden.

Ansprechpartner:

Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abteilung Zahnärztliche Chirurgie
Prof. Dr. Wilfried Engelke
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
Tel.: 0551 - 39-8303
E-mail: wengelke@med.uni-goettingen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Mundhöhle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Goldstandard für die Messung von Schmerzen
03.07.2018 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics