Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Begleitrisiken des Bluthochdrucks

07.04.2008
Wenn Bluthochdruck-Folgekrankheiten - wie Durchblutungsstörungen der Gefäße mit Schäden für die Augen, das Gehirn, die Nieren oder das Herz - auftreten, ist es meistens zu spät. Dann kann nur noch versucht werden, die Einschränkungen der Lebensqualität zu begren­zen.

Um Kenntnisse über das Zustandekommen der Organschäden zu vertiefen und mögliche Gegenstrategien aufzuzeigen, förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den Jahren 2001 bis 2008 eine Klinische Forschergruppe an der Medizinischen Klinik 4 des Universitätsklinikums Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. Roland E. Schmieder.

Die Ergebnisse aller Teilprojekte dieser Gruppe weisen eindeutig in eine Richtung: Mit dem überhöhten Druck in den Arterien, der Hypertonie, gehen mehrere zusätzlich wirksame Krankheitsmechanismen einher. Bei den sehr patientennahen Forschungen konnte zugleich der Erfolg neuer Behandlungswege überprüft werden.

Oft wird der schon lange bestehende Bluthochdruck erst bei der Diagnose Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes erkannt. Dann sind bereits Mechanismen in Gang, die sowohl die Struktur von Organen verändern als auch ihre Funktion beeinträchtigen können und häufig in einen Teufelskreis münden.

... mehr zu:
»Bluthochdruck »Niere

Dabei handelt es sich um Faktoren, die Entzündungen fördern, über Veränderungen des Hormonspiegels das übermäßige Wachstum von Zellen und Bindegewebsfasern anregen oder die Erregungsleitung im Nervensystem beeinflussen. Die Forschergruppe mit dem Titel "Endorganschäden bei arterieller Hypertonie: Pathogenetische Bedeutung von nicht-hämodynamischen Mechanismen" (KFO 106) konnte in allen drei Bereichen Aspekte des Krankheitsbilds genauer fassen, die nicht direkt dem hohen Blutdruck zuzuschreiben sind, aber damit zusammenhängen und teils ineinandergreifen. Für die Untersuchungen wurden molekular- und zellbiologische, tierexperimentelle und mehrfach patientennahe Ansätze der klinischen Forschung benutzt.

Unausgewogenheit und Dauerstress

Störungen im Hormonhaushalt von Bluthochdruck-Patienten greifen Endorgane auf vielfältige Weise an. Ein solches Ungleichgewicht kann sich zunehmend steigern und den Krankheitsverlauf verschärfen. Ein Beispiel dafür ist die Schädigung des Endothels. So wird die innerste Zellschicht bezeichnet, die alle Gefäße des Herz-Kreislauf-Systems auskleidet. Erstmals wurde in der Erlanger Forschergruppe nachgewiesen, dass auch die Augennetzhaut betroffen ist. Wie neue Methoden zur Untersuchung des Augenhintergrundes zeigten, ist die eingeschränkte Durchblutung der Netzhaut mit einer gestörten Endothelfunktion gekoppelt. Dies gilt bereits für junge Patienten mit essentieller Hypertonie. Ein gezielter Einsatz von Medikamenten kann diese Störung beheben.

Entzündliche Mechanismen sind unter anderem bei der Schädigung der Niere am Werk. Makrophagen, die "Fresszellen" des Immunsystems, wandern bei Bluthochdruck in hoher Zahl dort ein und richten Zerstörungen im Nierengewebe an. Ist die Niere bereits geschädigt, wird das sympathische Nervensystem dauerhaft stimuliert. Seine Aufgabe ist es an sich, Blutdruck und Herztätigkeit kurzfristig zu steigern, um den Körper notfalls leistungsbereiter zu machen. Aus dem Daueralarm aber wird ein Dauerstress, ein Zirkel, der sich selbst aufrecht erhält und weitere Schäden bewirkt. Die molekularen Mechanismen in diesem Prozess erstmals im Detail zu studieren, war durch die Entwicklung eines speziellen Zellkultursystems möglich. Es gelang, Nervenzellen, die auf die Verbindung von Organ und Zentralnervensystem spezialisiert sind, mit Ausläufern zu züchten, wie sie zu einer Niere führen.

Forschungsstation nach dem Vorbild der USA
Nach dem Vorbild der "Clinical Research Centers" des National Institutes of Health (USA) wurde für die patientennahen klinischen Projekte eine neue Einheit für klinische Forschung am Pa­tienten aufgebaut. Diese "Klinische Forschungsstation" ist das Pendant zu den bereits länger bestehenden experimentellen Forschungsstrukturen an der Universität Erlangen-Nürnberg, den Sonderforschungsbereichen 263 "Immunologische Mechanismen bei Infektion, Entzündung und Autoimmunität" und 423 "Nierenschäden: Pathogenese und regenerative Mechanismen" sowie dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF). Sie arbeitet interdisziplinär, ist jedoch vorrangig der Medizinischen Klinik 4 mit ihrem Schwerpunkt auf der Versorgung von Patienten mit Nieren- und Hochdruckkrankheiten zugeordnet. Mit dem Abschluss der KFO 106 wird die Forschungsstation in den Haushalt des Universitätsklinikums übernommen und stellt ab 2008 eine eigenständige Forschungsabteilung dar.

Der Forschungs- und Entwicklungsplan der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg 2004 - 2010 führt die Herz-, Kreislauf- und Nierenforschung als einen der sechs Forschungsschwerpunkte der Fakultät auf. Das Profil der Fakultät auf diesem Gebiet wurde neben dem Sonderforschungsbereich 423 von der Klinischen Forschergruppe entscheidend gestärkt.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Roland Schmieder
Tel.: 09131/85-36245
roland.schmieder@rzmail.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Berichte zu: Bluthochdruck Niere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit körpereigenem Protein Herpes bekämpfen
13.11.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: InSight: Touchdown auf dem Mars

Am 26. November landet die NASA-Sonde InSight auf dem Mars. Erstmals wird sie die Stärke und Häufigkeit von Marsbeben messen.

Monatelanger Flug durchs All, flammender Abstieg durch die Reibungshitze der Atmosphäre und sanftes Aufsetzen auf der Oberfläche – siebenmal ist das Kunststück...

Im Focus: Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

Einem Team von Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Gero Schmidt, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Martin Wolf, Fritz-Haber-Institut Berlin, ist ein entscheidender Durchbruch gelungen: Sie haben weltweit zum ersten Mal und „in Echtzeit“ die Änderung der Elektronenstruktur während einer chemischen Reaktion beobachtet. Mithilfe umfangreicher Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Ursachen und Mechanismen der Elektronenumverteilung aufgeklärt und visualisiert. Ihre Ergebnisse wurden nun in der renommierten, interdisziplinären Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Chemische Reaktionen sind durch die Bildung bzw. den Bruch chemischer Bindungen zwischen Atomen und den damit verbundenen Änderungen atomarer Abstände...

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz diskutiert digitale Innovationen für die öffentliche Verwaltung

19.11.2018 | Veranstaltungen

Naturkonstanten als Hauptdarsteller

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gen-Radiergummi: Neuer Behandlungsansatz bei chronischen Erkrankungen

19.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mit maschinellen Lernverfahren Anomalien frühzeitig erkennen und Schäden vermeiden

19.11.2018 | Informationstechnologie

Neuer Stall ermöglicht innovative Forschung für tiergerechte Haltungssysteme

19.11.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics