Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensqualität als Kriterium für die Bewertung von Medikamenten

06.03.2008
Medikamente sind nicht nur dazu da, Leben zu retten und Körperfunktionen zu normalisieren. Auch das Bewahren oder Wiederherstellen der Lebensqualität von Patienten ist stets eins der Ziele einer Arzneimittelbehandlung.

Was ein Medikament in dieser Hinsicht leistet, interessiert neben Patienten und Ärzten zunehmend auch die Kostenträger im Gesundheitswesen. Um aber "Lebensqualität als Kriterium für Zulassungs-, Therapie- und Erstattungsentscheidungen" verwenden zu können, bedarf es möglichst objektiver Methoden, wie sie beim gleichnamigen Workshop der Paul-Martini-Stiftung in Berlin heute erörtert werden.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter C. Scriba, Universität München, und Dr. Nick Schulze-Solce, Director Policy and Government Affairs von Lilly Deutschland, Bad Homburg, diskutieren Ärzte und Wissenschaftler aus der akademischen Forschung, der Industrie und verschiedenen mit Arzneimitteln befassten Institutionen über verschiedene Methoden und laufende Forschungsprojekte in diesem Bereich.

Aktuelle Relevanz bekommen Lebensqualitätsparameter unter anderem durch die anstehende Umsetzung der Kosten-Nutzen-Bewertung für Arzneimittel in Deutschland, wie sie im letzten Gesundheitsreformgesetz verlangt wurde. Dieses zum 1. April 2007 in Kraft getretene Gesetz sieht die Verbesserung der Lebensqualität ausdrücklich als Parameter von Nutzen- und Kosten-Nutzen-Bewertungen vor.

... mehr zu:
»QALY

Anstrengungen, um Lebensqualität im Kontext von Krankheit zu analysieren und zu quantifizieren, gibt es schon seit rund 35 Jahren. Entstanden ist in dieser Zeit beispielsweise das Konzept der "patient-reported outcomes" (PRO) als Teil der Gesamtevaluation einer Therapie. Gemeint sind damit Aussagen der Patienten selbst (oder, falls nicht möglich, von Ärzten oder Angehörigen) über die Veränderung ihrer körperlichen und geistigen Funktionstüchtigkeit und ihres Befindens im Verlauf der Therapie. Facetten davon können beispielsweise Schmerzen, Konzentrationsfähigkeit, Antrieb, Schlafqualität und Appetit sein. Typische Instrumente zur Erhebung der PRO sind physische oder Online-Fragenbögen. Auf dem Workshop wird erörtert, welche Erhebungsinstrumente existieren, wie sie entwickelt und validiert werden.

Lebensqualitäts-Daten können zu qualitativen oder quantitativen Aussagen genutzt werden. So wacht die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA darüber, dass Produktclaims zur Verbesserung von Lebensqualitätsparametern tatsächlich durch dokumentierte PROs zu qualitativ genau diesen Parametern gedeckt sind.

Eine quantitative Verwendung findet sich bei der Berechnung von "quality-adjusted life years" (QALYs), einer vor allem von Gesundheitsökonomen häufig verwendeten Größe. Ein Lebensjahr bei voller Gesundheit wird hier als 1 QALY gesetzt, jedes (gemessen an der Lebenserwartung eines Gesunden) durch Tod verlorene Lebensjahr als 0 QALY. Verläuft ein Lebensjahr mit krankheitsbedingten Einbußen, wird dies durch einen Zwischenwert ausgedrückt, der sich aus "harten" klinischen Daten und Lebensqualitätsparametern in fünf Dimensionen errechnet. Deren Gewichtung erfordert - da nicht naturgesetzlich herleitbar - zu einem gewissen Grade Wert-Setzungen, die im medizinisch-gesellschaftlichen Diskurs erarbeitet werden. QALYs werden heute in vielen Ländern als eine Grundlage für die Erstattungsentscheidungen über Medikamente anerkannt. Das für England und Wales zuständige National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) orientiert sich bei beispielsweise an einer Reihe von Schwellenwerten, die der Gewinn von +1 QALY an Gesundheitskosten verursacht. Dieser Ansatz wird auf dem Workshop auch mit Blick auf seine Tauglichkeit für Deutschland diskutiert werden.

Die Paul-Martini-Stiftung
Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zu Fragen der Arzneimittelforschung und -entwicklung zwischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden pharmazeutischen Industrie und anderen Forschungseinrichtungen sowie mit Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA), Berlin, mit seinen derzeit 44 Mitgliedsunternehmen.

Dr. Rolf Hömke | idw
Weitere Informationen:
http://www.paul-martini-stiftung.de

Weitere Berichte zu: QALY

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Humane Papillomviren programmieren ihre Wirtszellen um und begünstigen so die Hautkrebsentstehung
12.12.2019 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher untersuchen Rolle der Zellmembran bei der Entstehung chronischer Krankheiten
10.12.2019 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Cheers! Maxwell's electromagnetism extended to smaller scales

More than one hundred and fifty years have passed since the publication of James Clerk Maxwell's "A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field" (1865). What would our lives be without this publication?

It is difficult to imagine, as this treatise revolutionized our fundamental understanding of electric fields, magnetic fields, and light. The twenty original...

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Hefe-Spezies in Braunschweig entdeckt

12.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Humane Papillomviren programmieren ihre Wirtszellen um und begünstigen so die Hautkrebsentstehung

12.12.2019 | Medizin Gesundheit

Urbane Gärten: Wie Agrarschädlinge von Städten profitieren

12.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics