Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Noroviren mit Sofortmeldesystem und Notfallboxen im Griff

04.02.2008
Spezieller Maßnahmeplan hat sich bei Epidemie bewährt

Das Uniklinikum Greifwald hat auf den deutlichen Anstieg der Infektionen mit Noro- und Rotaviren schon im letzten Jahr reagiert und einen speziellen Maßnahmeplan entwickelt.

"Mit einem Sofortmeldesystem bei allen Durchfallerkrankungen, verschärften Desinfektions- und Isolieranweisungen und Notfallboxen haben wir den 'Durchmarsch' der Darmviren in den Griff bekommen", erklärte Axel Kramer, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind ein bevorzugter Verbreitungsort für die hoch ansteckenden Krankheitserreger.

"Neben den verschärften Hygienevorkehrungen bei Verdacht auf Noro- und Rotaviren sind jedoch die Notfallboxen, die seit letztem Herbst auf allen Krankenstationen bereitstehen, entscheidend für das erfolgreiche Eindämmen der kleinen Epidemie", betonte der Experte. Die strengsten Auflagen nützen nichts, wenn nicht sofort auf ein wirksames Desinfektionsmittel umgestellt werden kann, da die überlicherweise eingesetzten Desinfektionsmittel gegen Noroviren unwirksam sind. Das haben wissenschaftliche Analysen eindeutig ergeben. "Das bedeutet, selbst wenn alle Hygienevorschriften wie im Seuchenfall eingehalten werden, können sich die Krankheitserreger weiter ihre Opfer suchen. Ein Norovirus hält sich beispielsweise an einer Türklinke bei 20 Grad bis zu 7 Tagen." Das Spezialdesinfektionsmittel Wofasteril zur Desinfektion aus der Notfallbox wird nur benutzt, wenn ein Verdacht auftritt. Für den täglichen Gebrauch ist es aufgrund der Aggressivität für eine Reihe von Materialien nicht geeignet. Zur Händedesinfektion als hauptsächliches Gegenmittel bei der Weiterverbreitung wird ein alkoholisches Mittel eingesetzt, das in seiner Kombination mit verstärkenden Zusätzen gegen Noroviren wirksam ist.

... mehr zu:
»Durchfall »Norovirus

Das für das Klinikum erarbeitete "Merkblatt für Maßnahmen bei Verdacht auf infektiöse Durchfallerkrankungen mit Ausbruchpotenzial" beschreibt alle verbindlichen Schutzregelungen für Patienten, Mitarbeiter und Besucher auf den Krankenhausstationen. Dieses umfasst beispielsweise die gezielte desinfizierende Reinigung von Sanitäranlagen, die Geschirraufbereitung bei mindestens 93 Grad, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, wenn der Patient erbricht, sowie den eingeschränkten Zugang zu Patientenzimmern. "Der detaillierte Sicherheitsplan ist Teil des Qualitätsmanagements, das unseren Patienten zugute kommt", betonte Kramer. Bundesweit hat das Universitätsklinikum Greifswald die besten Hygienewerte im Bereich von Krankenhausinfektionen (z. B. MRSA) zu verzeichnen. Vor kurzem wurde ein Sofortmaßnahmekatalog zur Bekämpfung von Sepsis eingeführt, um Blutvergiftungen schneller und besser behandeln zu können.

* Noroviren lösen eine schwere Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) aus, die jedoch in den meisten Fällen bereits nach 48 Stunden wieder vorüber ist. Die meldepflichtige Norovirus-Infektion ist vor allem für Senioren, Kranke und Kinder, die auf Flüssigkeitsverluste besonders stark reagieren, sehr gefährlich. Nach einer Übertragungszeit von 10 bis 50 Stunden reagiert der Körper mit Durchfall und Erbrechen. Weitere stark ausgeprägte Beschwerden sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen.

* Das Rotavirus ist wahrscheinlich der häufigste Auslöser schwerer Durchfälle weltweit. Der Name beruht auf der radähnlichen Struktur der Viren unter dem Elektronenmikroskop. Gelangen die Viren in den Darm, lösen sie über ein Gift den Verlust großer Mengen an Wasser und Mineralien aus. Die bis zu 20 Durchfälle täglich schwächen den Körper erheblich; der Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt gerät komplett aus dem Gleichgewicht.

Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Direktor: Prof. Dr. med. Axel Kramer
Walter-Rathenau-Straße 42, 17489 Greifswald
T +49 3834 51 55 42
E kramer@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: Durchfall Norovirus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Differenzierte Bildgebung für bessere Diagnosen bei Brustkrebs
21.01.2020 | Universität Zürich

nachricht Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen
20.01.2020 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: A new look at 'strange metals'

For years, a new synthesis method has been developed at TU Wien (Vienna) to unlock the secrets of "strange metals". Now a breakthrough has been achieved. The results have been published in "Science".

Superconductors allow electrical current to flow without any resistance - but only below a certain critical temperature. Many materials have to be cooled down...

Im Focus: DKMS-Studie zum Erfolg von Stammzelltransplantationen

Den möglichen Einfluss von Killerzell-Immunoglobulin-ähnlichen Rezeptoren (KIR) auf den Erfolg von Stammzelltransplantationen hat jetzt ein interdisziplinäres Forscherteam der DKMS untersucht. Das Ergebnis: Bei 2222 Patient-Spender-Paaren mit bestimmten KIR-HLA-Kombinationen konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Auswirkungen feststellen. Jetzt wollen die Forscher weitere KIR-HLA-Kombinationen in den Blick nehmen – denn dieser Forschungsansatz könnte künftig Leben retten.

Die DKMS ist bekannt als Stammzellspenderdatei, die zum Ziel hat, Blutkrebspatienten eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen. Auch auf der...

Im Focus: Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen

Europäische Union fördert Forschungsprojekt „PredActin“ mit 1,2 Millionen Euro

Aktin ist ein wichtiges Strukturprotein in unserem Körper. Als Hauptbestandteil des Zellgerüstes sorgt es etwa dafür, dass unsere Zellen eine stabile Form...

Im Focus: Programmable nests for cells

KIT researchers develop novel composites of DNA, silica particles, and carbon nanotubes -- Properties can be tailored to various applications

Using DNA, smallest silica particles, and carbon nanotubes, researchers of Karlsruhe Institute of Technology (KIT) developed novel programmable materials....

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

KIT im Rathaus: Städte und Wetterextreme

21.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Darmentzündung: Immunzellen schützen Nervenzellen nach Infektion

22.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Neutronenquelle ermöglicht Blick in Dino-Eier

22.01.2020 | Geowissenschaften

Algorithmen und Sensoren für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft

22.01.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics