Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeder Zuschauer sein eigener Programmdirektor

02.08.2000


Das Menschenbild manch eines Medienkritikers scheint zynisch: Als sei der Zuschauer nur eine Marionette, die sich auf Knopfdruck steuern ließe von den im Fernsehen
gezeigten Bildern. Aggression und Gewalt im Fernsehen produziere aggressive und gewalttätige Kinder, lautet die einfache Formel. Doch ganz so einfach sind die Zusammenhänge nicht, wie die Untersuchungen des Psychologen Prof. Dr. Hanko Bommert von der Universität Münster beweisen.

Der Inhaber eines Lehrstuhls für psychologische Diagnostik versucht, zwei Forschungsstränge, die in den vergangenen Jahren nebeneinander hergelaufen sind, miteinander zu verbinden. Kommunikationswissenschaftler haben den Zuschauer bereits seit langer Zeit im Blick. Doch ihnen gehe es in erster Linie darum, soziodemographische Merkmale der Zuschauer oder die Intensität des Fernsehkonsums zu erforschen. "Doch aus der Psychologie weiß man, dass Personen auf ein und denselben Sachverhalt unterschiedlich reagieren", nutzt Prof. Bommert die Erkenntnisse seines Fachgebietes. Es reiche nicht, den Zuschauer auf Alter, Geschlecht und Bildung zu reduzieren, auch Aspekte der Persönlichkeit spielten beim Fernsehkonsum eine wichtige Rolle.

Aus verschiedenen Programmsparten wie Unterhaltung, Sport und Kultur wurden Ausschnitte gesammelt und Testpersonen vorgespielt. Mit standardisierten Verfahren wurden Persönlichkeitsmerkmale wie Aggressivität, Offenheit, Toleranz oder Depressivität der rund 500 Zuschauer diagnostiziert und mit ihren Reaktionen in Verbindung gesetzt. Dabei zeigt sich, "dass Persönlichkeitsmerkmale für die Wahrnehmung der Programminhalte wichtiger sind als soziodemographische oder Konsummerkmale", erläutert der münstersche Psychologe.

Die Untersuchungsergebnisse haben durchaus praktische und nicht zu unterschätzende Konsequenzen: Das Credo der Werbewirtschaft, es reiche, mit einem Spot den Zuschauer so lange zu berieseln, bis dieser quasi willenlos nach der angepriesenen Marke greife, hat sich in Luft aufgelöst. "Der
Empfänger bestimmt, was er aufnimmt und wovon er sich beeinflussen lässt", meint Prof. Bommert.

Im Augenblick erforscht der Psychologe mit seinem Team den Bereich des journalistischen Interviews. Er will herausfinden, wie diese aufgebaut sein müssen, damit sie das Interesse des Zuschauers finden und auch verstanden werden. Denn auch wenn ein Interview nach allen Regeln der journalistischen Kunst aufgebaut sei, so werde doch mitunter zu wenig berücksichtigt, welche Kenntnisse der Zuschauer habe oder welche Zielgruppe angesprochen werden solle. Dazu ermittelt er wiederum die Persönlichkeitsmerkmale seiner Testpersonen und setzt sie in Verbindung zu der Frage, ob ihnen ein Interview gefallen hat, was sie verstanden und behalten haben und was die Kriterien für Qualität sind. Noch laufen die Tests, doch ein Qualitätsmerkmal kristallisiert sich bereits heraus: Häufig wird bemängelt, dass Journalisten nicht genug nachhaken und nicht aggressiv genug nachfragen. Im nächsten Schritt will er dann die spezifischen Zusammenhänge zwischen Bewertung und Persönlichkeitsmerkmalen herausarbeiten. Als Endprodukt hofft Prof. Bommert, Empfehlungen für Journalisten abgeben zu können.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Norbert Frie |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Immer mehr Fernseh-Zuschauer nutzen einen Second Screen
17.10.2018 | Universität Regensburg

nachricht Ausgefeilte Videotechnologie lenkt von Werbung ab
16.10.2018 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: InSight: Touchdown auf dem Mars

Am 26. November landet die NASA-Sonde InSight auf dem Mars. Erstmals wird sie die Stärke und Häufigkeit von Marsbeben messen.

Monatelanger Flug durchs All, flammender Abstieg durch die Reibungshitze der Atmosphäre und sanftes Aufsetzen auf der Oberfläche – siebenmal ist das Kunststück...

Im Focus: Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

Einem Team von Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Gero Schmidt, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Martin Wolf, Fritz-Haber-Institut Berlin, ist ein entscheidender Durchbruch gelungen: Sie haben weltweit zum ersten Mal und „in Echtzeit“ die Änderung der Elektronenstruktur während einer chemischen Reaktion beobachtet. Mithilfe umfangreicher Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Ursachen und Mechanismen der Elektronenumverteilung aufgeklärt und visualisiert. Ihre Ergebnisse wurden nun in der renommierten, interdisziplinären Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Chemische Reaktionen sind durch die Bildung bzw. den Bruch chemischer Bindungen zwischen Atomen und den damit verbundenen Änderungen atomarer Abstände...

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz diskutiert digitale Innovationen für die öffentliche Verwaltung

19.11.2018 | Veranstaltungen

Naturkonstanten als Hauptdarsteller

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gen-Radiergummi: Neuer Behandlungsansatz bei chronischen Erkrankungen

19.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mit maschinellen Lernverfahren Anomalien frühzeitig erkennen und Schäden vermeiden

19.11.2018 | Informationstechnologie

Neuer Stall ermöglicht innovative Forschung für tiergerechte Haltungssysteme

19.11.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics