Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Werbefinanziertes Fernsehen: Klein und allein heißt pleite zu sein

14.12.2000


Fernsehsender müssen als Vollprogrammanbieter in Deutschland ungefähr vier Prozent Marktanteil erreichen, um profitabel zu sein. Das heißt: Nur größere Sender haben überhaupt eine Chance, ihre Kosten zu
decken - geschweige denn ihre Anlaufverluste abzutragen. In der gerade erschienenen ersten für den deutschen Fernsehmarkt durchgeführten Break-even-Analyse zeigt der Wirtschaftswissenschaftler Armin Rott von der Universtität Dortmund, dass die über den Erfolg im Zuschauermarkt erzielbaren Werbeeinnahmen häufig nicht ausreichen, die für die notwendige Attraktivität erforderlichen Kosten zu decken. Resultat: Kleine Sender haben so gut wie keine Möglichkeit, auf dem deutschen Fernsehmarkt Fuß zu fassen.

Die jüngst aufgegebenen Pläne des Medienunternehmens Kinowelt etwa, mit einem eigenen Fernsehsender in den Markt einzutreten, belegen dies.
Langfristig und auf Senderebene spricht viel dafür, dass höhere Zuschauerreichweiten mit höheren Kosten verbunden sind. Gründe: "Event-Programme" wie Sportübertragungen, Spielfilmhighlights und Spielshows mit spektakulären Gewinnen gehören zu den Programmen mit den höchsten Minutenkosten. Gleichzeitig erreichen sie regelmäßig die höchsten Marktanteile auf dem Zuschauermarkt.
Break-Even erfordert Mindestmarktanteil von 3,9 Prozent
Erstsendungen sind in der Regel deutlich teurer als Wiederholungen, gleichzeitig aber erheblich attraktiver für die Zuschauer. Je aktueller ein Programm ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen Quote. Gleichzeitig steigen mit der Aktualität aber meist auch die (Beschaffungs-)Kosten. Auch für die Eigenwerbung der TV-Sender gilt, dass höhere Aufwendungen tendenziell zu höheren Zuschauermarktanteilen führen. Ebenso hat die künstlerische, handwerkliche und technische Qualität ("production value") Auswirkungen auf den Erfolg bei den Zuschauern.
Die Studie berechnet ausführlich die Gewinnschwellen auf der Basis unterschiedlicher Erlös- und Kostenzusammenhänge. Es zeigt sich, dass der durchschnittliche Mindestmarktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49jährigen bei etwa 3,9 Prozent liegt, wobei die für die einzelnen Ansätze und Modellvarianten errechneten Werte in einem Intervall zwischen 3,39 und 4,23 Prozent streuen.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Die Realität zeigt, dass einzelne Anbieter mit niedrigeren Zuschauermarktanteilen kostendeckend arbeiten können, andere sogar mit höherer Akzeptanz keine Gewinne erzielen. Unberücksichtigt bleibt auch, dass das Ausdehnen der Zuschauermarktanteile erfahrungsgemäß nur mit einem langen Atem zu erreichen ist. Zudem gehen Erlössteigerungen eines Anbieters in einem schwach wachsenden Zuschauermarkt hauptsächlich zu Lasten bestehender Anbieter, was den Wettbewerb weiter intensiviert.
Auch eröffnet die Integration in Senderfamilien Möglichkeiten der Quersubventionierung, die in der Absicht betrieben werden mag, auch "Verlustbringer" langfristig zum Erfolg zu führen. Für Spartenprogramme dürften jedoch andere Erlös- und Kostenverläufe gelten - und damit wohl deutlich niedrigere Gewinnschwellen.
Bezug und nähere Informationen
Die Studie (22 Seiten, 4 Abbildungen, 4 Tabellen, Schutzgebühr: DM 30) ist erhältlich bei: Dipl.-Volkswirt Armin Rott, Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik, Universität Dortmund, 44221 Dortmund, Tel.: 0231/755-3154, Fax: 0231/755-3155.
 Internet: Armin.Rott@uni-dortmund.de, www.lehrstuhl-wirtschaftspolitik.de

Klaus Commer | idw

Weitere Berichte zu: Fernsehmarkt Werbefinanziert Zuschauermarkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Virtual-Reality für Theater- und Filmproduktionen
25.10.2019 | Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik

nachricht Warum Alexa, Siri & Co. uns nicht immer verstehen
09.05.2019 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch in der Malariaforschung

Eine internationale Forschungsgruppe um den Zellbiologen Volker Heussler von der Universität Bern hat hunderte genetische Schwachstellen des Malaria-Parasiten Plasmodium identifiziert. Diese sind in der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung dringend erforderlich, um die Krankheit dereinst ausrotten zu können.

Trotz grosser Anstrengungen in Medizin und Wissenschaft, sterben weltweit immer noch mehr als 400'000 Menschen an Malaria. Die Infektionskrankheit wird durch...

Im Focus: Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Universität Freiburg gelang es die komplexe molekulare Struktur des bakteriellen Enzyms Cytochrom-bd-Oxidase zu entschlüsseln. Da Menschen diesen Typ der Oxidase nicht besitzen, könnte dieses Enzym ein interessantes Ziel für neuartige Antibiotika sein.

Sowohl Menschen als auch viele andere Lebewesen brauchen Sauerstoff zum Überleben. Bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie wird der Sauerstoff zu Wasser...

Im Focus: Neue Möglichkeiten des Additive Manufacturing erschlossen

Fraunhofer IFAM Dresden demonstriert Fertigung von Kupferbau

Am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Dresden ist es gelungen, mittels Selektivem Elektronenstrahlschmelzen...

Im Focus: New opportunities in additive manufacturing presented

Fraunhofer IFAM Dresden demonstrates manufacturing of copper components

The Fraunhofer Institute for Manufacturing Technology and Advanced Materials IFAM in Dresden has succeeded in using Selective Electron Beam Melting (SEBM) to...

Im Focus: New Pitt research finds carbon nanotubes show a love/hate relationship with water

Carbon nanotubes (CNTs) are valuable for a wide variety of applications. Made of graphene sheets rolled into tubes 10,000 times smaller than a human hair, CNTs have an exceptional strength-to-mass ratio and excellent thermal and electrical properties. These features make them ideal for a range of applications, including supercapacitors, interconnects, adhesives, particle trapping and structural color.

New research reveals even more potential for CNTs: as a coating, they can both repel and hold water in place, a useful property for applications like printing,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

Kopfsprung aus 80 km Höhe

15.11.2019 | Veranstaltungen

4. Innovation and Networking Days: Smart City, Energie und intelligente Prozesse

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Kopfsprung aus 80 km Höhe

15.11.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Was unser Gang verbirgt: Die Zukunft der Hirnstrommessung am Hanse-Wissenschaftskolleg

15.11.2019 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics