Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht so stabil wie gedacht: UDE-Forscher testen gängiges Flammschutzmittel

10.01.2019

Das derzeit gängige Flammschutzmittel („Polymeric FR“) ist möglicherweise doch nicht so stabil wie zunächst gedacht: Ein interdisziplinäres Team von Forschern des Zentrums für Wasser- und Umweltforschung (ZWU) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben herausgefunden, dass es sowohl durch UV-Strahlung als auch Hitze bei 60 Grad Celsius zu kleineren Molekülen abgebaut wird. Einige der dabei entstehenden Stoffe sind potenziell umweltschädlich. Die Ergebnisse sind jetzt in der Zeitschrift „Environmental Science & Technology“ erschienen.

Flammschutzmittel sollen Plastikprodukte widerstandsfähiger gegenüber Feuer machen: Es gibt sie in Textilien, elektronischen Geräten, Möbeln, aber auch in der Gebäudeisolierung.


Die früher eingesetzten Stoffe hatten eine relativ geringe molekulare Größe und waren meist wenig umweltfreundlich. Sie verblieben lange in der Umwelt und reicherten sich entlang der Nahrungskette an. Deshalb wurden viele Flammschutzmittel im Lauf der Jahre verboten.

Um jedoch weiterhin die geforderten Brandschutzstandards einhalten zu können, wurde das alternative Flammschutzmittel „Polymeric FR“ entwickelt, das als Polymer deutlich größer und schwerer ist.

Mit einem jährlichen Produktionsvolumen von etwa 26.000 Tonnen zählt es zu den am häufigsten produzierten Flammschutzmitteln weltweit.

„Aufgrund seiner Größe hat dieser neue Stoff viele Vorteile, so wird er selbst vermutlich nicht aus der Polystyroldämmung entweichen können. Auch wird die Aufnahme in Pflanzen und Tiere kaum relevant sein,“ so Christoph Koch, der als Doktorand diese Arbeiten maßgeblich durchführte.

Die Studien zeigen jedoch, dass sich die Substanz ab 60 Grad Celsius zu zersetzen beginnt, eine Temperatur die man beispielsweise im Sommer auf dem Dachboden findet.

Das Team testete neun Wochen lang die Hitzeverträglichkeit des Stoffs und konnte dabei sieben unterschiedliche Abbauprodukte identifizieren. Nach drei Stunden Hitzebestrahlung entstanden bereits 75 verschiedene Stoffe.

Projektleiter Prof. Sures: „Wir schließen daraus, dass man bei der Bewertung eines polymeren Flammschutzmittels nicht nur den Stoff selbst betrachten darf, sondern auch mögliche Abbauprodukte während des gesamten Lebenszyklus.

Muss das Dämmmaterial später einmal entsorgt werden, so hat dies zudem fachgerecht zu erfolgen, um nicht unbeabsichtigt Abbauprodukte entstehen zu lassen.“

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Christoph Koch, Aquatische Ökologie, christoph.koch@uni-due.de
Prof. Bernd Sures, Aquatische Ökologie, Tel. 0201/183-2617, bernd.sures@uni-due.de

Weitere Informationen:

https://pubs.acs.org/journal/esthag

Beate Kostka M.A. | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-duisburg-essen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Autonomes Premiumtaxi sofort oder warten auf den selbstfahrenden Minibus?
14.06.2019 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Erfolgreiche Forschung zur Ausbreitung von Wellen
23.05.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Im Focus: Konzert der magnetischen Momente

Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea haben in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuartigen Weg entdeckt, wie die Elektronenspins in einem Material miteinander agieren. In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Materials berichten die Forscher über eine bisher unbekannte, chirale Kopplung, die über vergleichsweise lange Distanzen aktiv ist. Damit können sich die Spins in zwei unterschiedlichen magnetischen Lagen, die durch nicht-magnetische Materialien voneinander getrennt sind, gegenseitig beeinflussen, selbst wenn sie nicht unmittelbar benachbart sind.

Magnetische Festkörper sind die Grundlage der modernen Informationstechnologie. Beispielsweise sind diese Materialien allgegenwärtig in Speichermedien wie...

Im Focus: Schwerefeldbestimmung der Erde so genau wie noch nie

Forschende der TU Graz berechneten aus 1,16 Milliarden Satellitendaten das bislang genaueste Schwerefeldmodell der Erde. Es liefert wertvolles Wissen für die Klimaforschung.

Die Erdanziehungskraft schwankt von Ort zu Ort. Dieses Phänomen nutzen Geodäsie-Fachleute, um geodynamische und klimatologische Prozesse zu beobachten....

Im Focus: Determining the Earth’s gravity field more accurately than ever before

Researchers at TU Graz calculate the most accurate gravity field determination of the Earth using 1.16 billion satellite measurements. This yields valuable knowledge for climate research.

The Earth’s gravity fluctuates from place to place. Geodesists use this phenomenon to observe geodynamic and climatological processes. Using...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Doc Data – warum Daten Leben retten können

14.06.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - August 2019

13.06.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Materialmikroskopie

13.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

German Innovation Award für Rittal VX25 Schaltschranksystem

14.06.2019 | Förderungen Preise

Fraunhofer SCAI und Uni Bonn zeigen innovative Anwendungen und Software für das High Performance Computing

14.06.2019 | Messenachrichten

Autonomes Premiumtaxi sofort oder warten auf den selbstfahrenden Minibus?

14.06.2019 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics