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Wie werden die Zellen eines Lungentumors bösartig?

07.03.2002


Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 30.000 Menschen an Lungenkrebs. Das liegt auch daran, dass Lungentumore meist erst relativ spät erkannt werden. So ist die Prognose für die Betroffenen in der Regel schlecht - trotz vieler Fortschritte bei der Therapie. Wissenschaftler von der Uni Würzburg erforschen die genetischen Schäden, die bei bösartigen Lungenkarzinomen vorliegen. Dabei hoffen sie auf Erkenntnisse, welche die Weiterentwicklung der Krebstherapie beflügeln.

Für diese Forschungen greift die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulf R. Rapp am Institut für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung der Universität auf Mäuse zurück: Die Würzburger Wissenschaftler haben bereits ein Modell für die häufigste Lungentumorart, das Adenokarzinom, etabliert. Bei diesen genetisch veränderten Nagern entstehen Tumoren in der Lunge, weil ein so genanntes Krebs-Gen, die c-Raf-1-Kinase, kontinuierlich aktiv ist.

Überraschend hierbei: Die Tumoren wachsen zwar stark, entwickeln sich aber nicht zu aggressiven oder metastasierenden Geschwulsten. Das liegt laut Prof. Rapp daran, dass ein Krebs-Gen mutiert ist, welches das Zellwachstum beschleunigt. Für die Entstehung bösartiger Tumoren sei aber in der Regel ein weiterer genetischer Schaden nötig, und zwar in einem so genannten Tumorsuppressor-Gen. Diese Art von Erbanlagen ist normalerweise dafür zuständig, das unkontrollierte Wachstum von Zellen zu blockieren.

In einem von der Deutschen Krebshilfe mit rund 160.000 Euro geförderten Projekt wollen Prof. Rapp und PD Dr. Rudolf Götz die Signalwege identifizieren, die bei der Entstehung von bösartigen Lungentumoren zusammenwirken. Zu diesem Zweck sollen weitere Gen-Mäuse hergestellt und mit den vorhandenen gepaart werden. "Dadurch entstehen Tiere mit genau bekannten genetischen Veränderungen, die dafür prädestiniert sind, die Schlüsselfaktoren beim mehrstufigen Prozess der Tumorentwicklung erkennbar zu machen", wie Dr. Götz erklärt.

Rapp und Götz haben es vor allem auf Moleküle abgesehen, die für die Eliminierung von Tumorzellen per Zelltod wichtig sind. Beim Zelltod handelt es sich um einen kontrollierten Prozess, der im Organismus ständig abläuft und durch den geschädigte oder kranke Zellen beseitigt werden. Die Wissenschaftler wollen außerdem die Schlüsselfaktoren identifizieren, die für die Loslösung einzelner entarteter Zellen aus dem Tumorverband und für deren Eindringen in gesundes Gewebe, also für die Bildung von Metastasen, verantwortlich sind.

Weitere Informationen: PD Dr. Rudolf Götz, T (0931) 201-3847, Fax (0931) 201-3835, E-Mail: 
goetz@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

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