Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DLR organisiert Parabelflugkampagne für Forschung unter Schwerelosigkeit

07.11.2001


Neun deutsche Wissenschaftlergruppen beteiligen sich an der diesjährigen Parabelflugkampagne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bordeaux - Frankreich. An den drei Flugtagen vom 6. bis 8. November betreiben sie während insgesamt 93 spezieller Flugmanöver, so genannter Flugparabeln, Forschung in Schwerelosigkeit. Medizinische Untersuchungen sollen unter anderem dazu beitragen, die Therapien für Menschen, die an Gleichgewichtsstörungen leiden, zu verbessern; Materialwissenschaftliche Experimente dienen beispielsweise der Entwicklung von Metallschäumen, die in Autos und Flugzeugen eingesetzt werden können. Ergebnisse und Erfahrungen aus dieser Kampagne gehen auch in die Vorbereitung einer möglichst effizienten Nutzung der Internationalen Raumstation ISS ein.

Das DLR beauftragt die französische Firma Novespace, die Parabelflüge mit einem speziell dafür geeigneten Airbus A300 durchzuführen. Die Piloten fliegen pro Flugtag 31 Parabeln, in denen jeweils für etwa 25 Sekunden Schwerelosigkeit herrscht. Vor und unmittelbar nach dem Eintritt in die Schwerelosigkeit bewirkt die Beschleunigung des Flugzeuges eine Anziehungskraft, die der doppelten auf der Erde entspricht.

Forschung für Biologie, Medizin und Materialwissenschaften
Mehr als 30 Wissenschaftler aus verschiedenen Forschungsinstitutionen gehen Fragen aus den Bereichen Biologie, Medizin und Materialwissenschaften nach. Forschung auf der Erde ergänzen sie somit durch Versuche in Schwerelosigkeit. Dies dient dazu, Vorgänge und Zusammenhänge in unserer belebten und unbelebten Umgebung besser zu verstehen.

Zwei Forschergruppen beschäftigen sich damit, die Wirkung der Erdschwerkraft bzw. der Schwerelosigkeit auf die menschliche Wahrnehmung sowie die manuelle Geschicklichkeit herauszufinden. Bereits ziemlich einfach erscheinende manuelle Fertigkeiten, wie das Greifen nach Gegenständen, stellen hohe Anforderungen an unser Nerven- und Muskelsystem. Die besondere Parabelflugabfolge bietet einzigartige Bedingungen, um die Wirkung verschiedener Beschleunigungen auf das motorische System des Menschen intensiv zu untersuchen. Mit diesen Erkenntnissen hofft man, nachfolgend die Behandlung hirnverletzter Patienten verbessern zu können.

Ein weiteres medizinisches Experiment befasst sich mit biologischen Vorgängen in Geweben, die auch bei Migräne und Störungen nach Schlaganfällen eine Rolle spielen.

Die Untersuchung von Strömungsvorgängen in makroskopischen Strukturen und hauchdünnen Metallschaum-Lamellen sind Ziele von materialwissenschaftlichen Experimenten. Dabei wird in der kurzen Zeit der Schwerelosigkeit ein mit Treibmitteln vermischtes Metall geschmolzen und aufgeschäumt, erstarrt und nach dem Flug analysiert. Die Herstellung von Metallschäumen ist mittlerweile ein etabliertes Verfahren und steht an der Schwelle zur Anwendung zum Beispiel bei der Herstellung leichter Bauteile für die Automobilindustrie. Bisher konnten jedoch auf der Erde konkurrierende Effekte wie der "schwerkraftbedingte Ausfluss des Metalls aus den dünnen Zellwänden des Schaums" und die "Oberflächenspannung des Metalls" nicht getrennt werden, und man konnte deshalb den Einfluss dieser Phänomene auf die Schaumeigenschaften nicht gut verstehen. Der Abfluss von Flüssigkeit aus einem Schaum ist jedem Biertrinker bestens bekannt und tritt bei Metallschäumen in verschärfter Form auf. Unter Schwerelosigkeit lässt sich dieser Effekt unterdrücken; damit erhält man Aufschlüsse über den Fluss von Metall durch dünne Zellwände.

Die Liste aller Experimente finden Sie unter:
http://www.dlr.de/struktur_strategie/raumfahrtmanagement/RD-JW/projekte-uebersicht/Parabelfug/experimente01.htm


Ansprechpartner:

Dr. Karsten Hess
Tel.: 0228/447-394
Fax: 0228/447-386
E-Mail: Karsten.Hess@dlr.de

Dr. Ulrike Friedrich
Tel.: 0228/447-323
Fax: 0228/447-735
Mobil: 0173/5389891
E-Mail: Ulrike.Friedrich@dlr.de

Dr. Karsten Hess | idw
Weitere Informationen:
http://www.dlr.de/struktur_strategie/raumfahrtmanagement/RD-JW/projekte-uebersicht/Parabelfug/experimente01.htm

Weitere Berichte zu: DLR Metall Metallschäume Parabelflugkampagne Schwerelosigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Behandlungsangebot für Tumoren der Knochen und Weichteile
21.02.2020 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Kommunikation und Schutz vor Austrocknung: Schmelzverhalten erklärt biologische Funktion der Wachsschicht von Ameisen
19.02.2020 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics