Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Matratze bringt Allergikern Erleichterung

21.04.2008
Mit Wärme gegen Hausstaubmilben

Für vier bis fünf Millionen Menschen in Deutschland bedeuten jede Nacht ein Martyrium: Sie leiden unter einer Hausstaubmilben-Allergie.

Während Bettbezüge, Kissen und Zudecken bei Bedarf bei hohen Temperaturen in der Waschmaschine gewaschen werden können, konnte die in der Matratze befindliche Milbenpopulation und deren allergene Ausscheidungen bislang lediglich mit dicht schließenden und damit wenig atmungsaktiven Matratzenbezügen oder mit Hilfe chemischer Substanzen effektiv in Schach gehalten werden.

Das Team von Dr. Höfer vom Institut für Hygiene und Biotechnologie an den Hohensteiner Instituten in Bönnigheim hat in Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Matratzenhersteller diamona nun eine neuartige Allergikermatratze entwickelt und bis zur Marktreife geführt. Kernpunkt dieser Neuerung ist es, innerhalb der Matratze hygrothermale Lebensbedingungen zu schaffen, unter denen die Milben sich gar nicht erst ansiedeln. Da die kleinen Spinnentiere die zum Leben notwendige Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen, reagieren sie auf eine trockene und warme Umgebung sehr empfindlich. Die Untersuchungen der Hohensteiner Wissenschaftler haben gezeigt, dass bereits die Erhitzung für eine Stunde der Matratze auf 500 C ein- bis zweimal wöchentlich ausreichend ist, um eine Ansiedelung von Milben wirkungsvoll zu verhindern. Die von der Firma Rolf Mayer Strickstoff-Fabrik in Balingen (roma) für den Prototypen gelieferten extrem dünnen und elastischen textilen Heizmatten sind in definierten Abständen in die Matratzenschichten eingearbeitet. So ist sichergestellt, dass über den gesamten Matratzenquerschnitt hinweg die gewünschte Temperatur erreicht wird.

Für Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie an den Hohensteiner Instituten hat sich der Einsatz seines Teams gelohnt: „Mit Hilfe dieser Bahn brechenden Neuentwicklung können wir den Hausstaubmilben-Allergikern endlich eine unbeschwerte Nachtruhe verschaffen. Und das ohne Kompromisse an den Schlafkomfort und den Einsatz chemischer Substanzen, auf die viele von Ihnen wiederum sehr empfindlich reagieren. Das wäre ohne die exzellente Zusammenarbeit mit unseren Partnern bei diesem Projekt diamona und roma nicht möglich gewesen.“ Der Leiter der Abteilung Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung der Firma diamona, Hermann Koch bestätigt: „diamona steht traditionell für Qualität und Innovation.

Besondere Bedeutung hat für uns bei der Entwicklung von Matratzen orthopädisch richtiges Liegen. Gerne greifen wir bei der Umsetzung unserer Visionen auf wirtschaftsnahe Forschungsinstitute wie die Hohensteiner Institute zurück.“ Auch der Bereichsleiter Technische Textilien der Firma roma, Jürgen Reichart sieht in solchen Kooperationen großes Potential: „Für den innovativen Mittelstand sind derartige Projekte ein Garant für den zukünftigen Bestand. Wir waren zusammen in der Lage, innerhalb relativ kurzer Zeit ein großartiges Produkt mit besten Marktchancen zu realisieren.“

Die Entwicklungskooperation der milbenfreien Allergikermatratze wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dessen Projektträger AiF (Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.) im Rahmen des Programms Pro Inno II gefördert. Im Rahmen dieses Programmes können kleine und mittlere Unternehmen auf das Know-how wirtschaftsnaher Forschungseinrichtungen zurückgreifen. Für die Unternehmen wie den Matratzenhersteller diamona lassen sich auf diesem Wege Produktentwicklungen realisieren, die aufgrund fehlender eigener Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und finanzieller Ressourcen sonst oftmals nicht möglich wären.

Milbenfreie Zone – die neue Allergikermatratze

Hauptauslöser von Hausstaubmilben-Allergien ist der Milbenkot, der zu feinem Staub getrocknet durch Aufwirbelung mit der Haut in Berührung kommt oder direkt eingeatmet wird. Milben ernähren sich vorwiegend von abgestoßenen Hautschuppen, die sich in größerer Ansammlung auf textilen Materialien befinden, also auf der Kleidung, in Teppichen, auf Handtüchern und eben in Matratzen. Im Rahmen der Forschungsarbeit zu diesem Projekt wurde ein Verfahren entwickelt, durch welches durch Herbeiführung eines permanent milbenfeindlichen Klimas innerhalb der Matratze Hausstaubmilben weitestgehend eliminiert werden können. Die tatsächliche Milbenfreiheit stellt den entscheidenden Unterschied im Vergleich zu bislang rein chemischer Verfahren dar, die die Milbenpopulation lediglich vorübergehend dezimiert.

Ein milbenfeindliches Klima gilt als erreicht, wenn der hygrothermale Sollwert von 500 C Temperatur und weniger als 40 % Luftfeuchte an allen Raumpunkten der Matratze gewährleistet ist. Dabei genügt es nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse völlig, die in die Matratze eingebrachten flexiblen textilen Heizmatten ein- bis zweimal pro Woche zu aktivieren. Diese Heizmatten sind so beschaffen, dass sie im Niedrigspannungsbereich von 24 Volt innerhalb kürzester Zeit sehr hohe Temperaturen abgeben können – und das, ohne zusätzliche elektromagnetische Felder (Elektrosmog) zu erzeugen. Zudem sind gefährliche Stromschläge ausgeschlossen. Da die Heiztemperatur zudem steuerbar ist, stellt die Matratze gerade in der kalten Jahreszeit eine interessante Alternative zu elektrischen Heizdecke dar und dürfte damit auch für Nicht-Allergiker interessant sein. Die Allergiker-Matratze wird voraussichtlich ab Sommer über den Fachhandel vertrieben.

Rose-Marie Riedl | Forschungsinstitut Hohenstein
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Skihelm mit neuartigem Luftpolstersystem und Augmented Reality: „Air Ride“ auf Hannover Messe
29.03.2019 | Hochschule Darmstadt

nachricht Feuerwehrmaske mit Datenbrille ermöglicht Navigation in verrauchten Räumen
25.03.2019 | Westsächsische Hochschule Zwickau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

Das menschliche Auge ist für Grün besonders empfindlich, für Blau und Rot hingegen weniger. Chemiker um Hubert Huppertz von der Universität Innsbruck haben nun einen neuen roten Leuchtstoff entwickelt, dessen Licht vom Auge gut wahrgenommen wird. Damit lässt sich die Lichtausbeute von weißen LEDs um rund ein Sechstel steigern, was die Energieeffizienz von Beleuchtungssystemen deutlich verbessern kann.

Leuchtdioden oder LEDs können nur Licht einer bestimmten Farbe erzeugen. Mit unterschiedlichen Verfahren zur Farbmischung lässt sich aber auch weißes Licht...

Im Focus: Münchner Lichtquanten-Destillerie

Garchinger Physiker entwickeln eine Technik, um reine einzelne Photonen zu extrahieren

Das Destillieren von Spirituosen steigert den Gehalt von Alkohol relativ zum Wasseranteil. Ähnlich wirkt eine Methode auf Lichtquanten, Photonen, die ein Team...

Im Focus: Energy-saving new LED phosphor

The human eye is particularly sensitive to green, but less sensitive to blue and red. Chemists led by Hubert Huppertz at the University of Innsbruck have now developed a new red phosphor whose light is well perceived by the eye. This increases the light yield of white LEDs by around one sixth, which can significantly improve the energy efficiency of lighting systems.

Light emitting diodes or LEDs are only able to produce light of a certain colour. However, white light can be created using different colour mixing processes.

Im Focus: Quantenmaterie fest und supraflüssig zugleich

Forscher um Francesca Ferlaino an der Universität Innsbruck und an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben in dipolaren Quantengasen aus Erbium- und Dysprosiumatomen suprasolide Zustände beobachtet. Im Dysprosiumgas ist dieser exotische Materiezustand außerordentlich langlebig, was die Tür für eingehendere Untersuchungen weit aufstößt.

Suprasolidität ist ein paradoxer Zustand, in dem die Materie sowohl supraflüssige als auch kristalline Eigenschaften besitzt. Die Teilchen sind wie in einem...

Im Focus: Quantum gas turns supersolid

Researchers led by Francesca Ferlaino from the University of Innsbruck and the Austrian Academy of Sciences report in Physical Review X on the observation of supersolid behavior in dipolar quantum gases of erbium and dysprosium. In the dysprosium gas these properties are unprecedentedly long-lived. This sets the stage for future investigations into the nature of this exotic phase of matter.

Supersolidity is a paradoxical state where the matter is both crystallized and superfluid. Predicted 50 years ago, such a counter-intuitive phase, featuring...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

24.04.2019 | Energie und Elektrotechnik

Control 2019: Fraunhofer IPT stellt High-Speed-Mikroskop mit intuitiver Gestensteuerung vor

24.04.2019 | Messenachrichten

Warum der moderne Mensch aus Afrika kommt

24.04.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics