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Ablenkung im Auto: Coaching-System rettet Leben

12.08.2010
Gerade risikofreudige junge Fahrer können merklich profitieren

Handys und andere Elektronikgadgets sind potenziell gefährliche Ablenkungen für Autofahrer. Doch spezielle Coaching-Systeme können helfen, das Risiko zu minimieren, so ein US-Forscherteam.

Die Wissenschaftler haben in einem Experiment mittels Eye Tracking die Augenbewegungen von jungen Fahrern verfolgt. Wenn der Blick zu lange von der Straße abgewichen ist, hat das Testsystem den Fahrer entsprechend gewarnt.

Dem Versuch zufolge reagieren gerade vergleichsweise risikofreudige Fahrer wirklich auf die Hilfestellung. "Die schlechtesten Fahrer können am meisten profitieren, da wir ihr Verhalten am stärksten beeinflussen", sagt Lind Ng Boyle, außerordentliche Professorin für für Industrie- und Systemtechnik an der University of Washington.

Hilfe statt Verbote

Zwar ist das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung in vielen US-Bundesstaaten ebenso verboten wie in der DACH-Region. Doch auch andere Elektronik-Gadgets wie Media Player oder Navigationsgeräte können Fahrer ablenken. "Es wird immer mehr Geräte in Fahrzeugen geben. Es kann nicht für alles ein Gesetz geben", meint Boyle. Deshalb verfolgt sie den Ansatz, die Aufmerksamkeit von Lenkern mit technischen Hilfsmitteln zu steigern. In einem Experiment am Fahrzeugsimulator wurden 53 Jugendliche im Alter von 18 bis 21 Jahren angehalten, sich mit Aufgaben auf einem Nebenbildschirm zu befassen.

Durch die Aufgaben waren die Fahrer etwa so stark abgelenkt wie durch das Sortieren der Wiedergabeliste auf einem MP3-Player. Wirklich risikobereite Fahrer ließen ihren Blick dabei teils für drei Sekunden von der Simulator-Straße abschweifen. Doch eben diese Gruppe hat am stärksten auf Warnmeldungen reagiert, die vom Eye-Tracking-System ausgelöst wurden. Ihre Unaufmerksamkeitsspanne ist dadurch so weit gesunken, dass sie etwa jener von wenig risikobereiten Vergleichspersonen entsprach. Somit bleiben die Fahrer länger unfallfrei, was letztlich Leben rettet.

Sicherere Fahrer

Grundsätzlich ist ein solcher Ansatz interessant. "Die Fahrarbeit bedarf der uneingeschränkten Aufmerksamkeit des Lenkers. Systeme, die ein Aufmerksamkeitsdefizit erkennen und den Fahrer davor warnen, können daher sinnvoll sein", meint Werner Sauerhöfer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), gegenüber pressetext. Allerdings dürfen Warnungen den Fahrer nicht erschrecken oder Überreaktionen provozieren.

Den US-Forschern geht es jedenfalls darum, nicht nur die Autos, sondern auch die Fahrer selbst sicherer zu machen. "Ich bin zuversichtlich, dass Lenker gecoacht werden können", meint Boyle. Nachdem das Simulatorexperiment dies für junge Fahrer bestätigt hat, untersucht die Wissenschaftlerin nun die Anwendung der Monitoring-Technologie auf andere Zielgruppen. Das umfasst Berufskraftfahrer, Lenker mit traumatischen Hirnverletzungen sowie ältere Fahrer, bei denen die kognitive Leistungsfähigkeit eventuell schon nachlässt.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.washington.edu
http://www.dvr.de

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